Christian Hecker

„Wir führen dem Markt zusätzliche Liquidität zu“

Trade-Republic-Chef Christian Hecker erklärt im Interview mit der Börsen-Zeitung, weshalb Payment for Orderflow zu Unrecht in der Kritik der EU-Behörden stehe.

„Wir führen dem Markt zusätzliche Liquidität zu“

Björn Godenrath

Herr Hecker, die EU-Kommission will dafür sorgen, dass Payment for Orderflow (PFOF) wirklich zum Nutzen des Kunden ausgestaltet wird, und schlägt dafür die gesamteuropäische Benchmark eines „Consolidated Tape“ vor. Was halten Sie davon?

In diesem Modell würden nationale Handelsdaten mit einer Verzögerung von vielleicht 15 Minuten in einem gesamteuropäischen Register er­fasst, sodass man dann wirklich sagen könnte, dass das der Referenzpreis zum Beispiel von der Daimler-Aktie ist. Den Plan der Kommission, ein solches „Consolidated Tape“ zu schaffen, begrüßen wir ausdrücklich, denn damit wären Transparenz und Vergleichbarkeit erhöht. Dann wird klar, dass Kunden bei Trade Republic das bessere Geschäft machen und Geld sparen.

Trade Republic hat seinen Datenschrank geöffnet, und im Rahmen einer Studie ist dargelegt worden, in welchem Maß PFOF dem deutschen Retailkunden auf der Kostenseite nutzt. Würde das auch auf europäischer Ebene so aussehen?

Das würde genau so aussehen, wenn man statt Xetra die Systeme von Euronext als Referenz für Best Execution nehmen würde. Wir haben ein Team, welches laufend die Qualität des Handels prüft, verglichen mit allen wesentlichen Märkten in Europa. Seit Verabschiedung der Mifid II sind wir eine der ersten Wertpapierhandelsbanken, die eine solche Lizenz mit der Vorgabe der geltenden Best-Execution-Vorschriften erhalten hat. Wir übermitteln dem Regulator ständig diese Daten. Die Studie zur Handelsausführung zeigt nun auch in der Öffentlichkeit alle Daten, dies soll zu einer sachlichen Diskussion auf Faktenbasis beim Thema Rückvergütungen beitragen.

Eine Behauptung, die gerne als Argument gegen PFOF ins Feld geführt wird, ist die, dass dem Hauptmarkt Liquidität entzogen werde und damit dem Anleger über schlechtere Spreads zusätzliche Kosten entstünden.

Das ist faktisch falsch. Wir führen dem Markt zusätzliche Liquidität zu und machen ihn besser. Systeme wie Xetra haben zu hohe Eintrittskosten für Kleinanleger. Menschen, die 300 Euro pro Monat sparen, können sich den Handel dort nicht leisten. Die befähigen wir, günstig zu handeln, und erhöhen damit die Liquidität. Wir haben das bessere Produkt und stellen uns dem Wettbewerb.

Mit der geplanten Retail-Investment-Richtlinie will die EU-Kommission die Privatanleger stärken – denen wurde der Weg in die wertpapierbasierte Altersvorsorge aber mit niedrigen Gebühren geebnet. Das kann doch jetzt nicht mit einem Verbot von PFOF abgewürgt werden?

Beim Thema Altersvorsorge durch Aktien und ETF stellen wir fest, dass unsere Botschaften in Brüssel sehr wohl empfangen werden. Mit den Studiendaten wollen wir noch mehr Klarheit reinbringen in die Aktien- und ETF-Anlage, die es braucht für den damit verbundenen Anlegerschutz. Aus den Daten wird ersichtlich, dass unsere Anleger am stärksten ETFs auf den MSCI und den Dax handeln und dann hochliquide Aktien wie Microsoft und Tesla. Das bedeutet, Trade Republic ist keine Trading-App für Nebenwerte, sondern unsere Anleger suchen liquide Anlageformen als Baustein für eine langfristige Investment-Strategie. Wer PFOF in Frage stellt, riskiert, dass Kleinanleger höhere Gebühren haben und weniger sparen können, während die großen Börsen mehr Geld verdienen. Das kann nicht das Ziel sein.

Das Interview führte

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