Energiewende

Pläne für ein deutsches Wasserstoffkernnetz stehen

Die deutschen Gasnetzbetreiber wollen knapp 20 Mrd. Euro in ein Wasserstoffkernnetz investieren, das mit einer Länge von 9.700 Kilometern bis 2032 fertig sein soll. Allerdings soll schon in zwei Jahren erster Wasserstoff fließen.

Pläne für ein deutsches Wasserstoffkernnetz stehen

Pläne für ein deutsches Wasserstoffkernnetz stehen

Unternehmen wollen 20 Mrd. Euro in Neubau und Umrüstung investieren – Erster Wasserstoff soll 2025 fließen

ahe Berlin

Die Planungen für das künftige Wasserstoffnetz in Deutschland nehmen Gestalt an. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und der Chef des FNB Gas, des Zusammenschlusses der überregionalen Gastransportunternehmen, Thomas Gößmann, stellten am Dienstag in Berlin den Verlauf eines Kernnetzes von 9.700 Kilometern vor, das bis 2032 fertig sein soll. Am Mittwoch will das Bundeskabinett hierzu noch grünes Licht geben. Bis Januar sind zudem Konsultationen zusammen mit der Bundesnetzagentur angesetzt, bevor mit der Umsetzung begonnen wird. Nach den Worten von Gößmann soll bereits 2025 erster Wasserstoff durch das Kernnetz fließen.

Erdgas-Pipelines sollen umgerüstet werden

60% des Kernnetzes sollen aus heutigen Erdgas-Pipelines bestehen, die umgerüstet werden. Die übrigen Leitungen werden neu gebaut. Nach Angaben von Gößmann werden von der Privatwirtschaft hierfür Investitionen von 19,8 Mrd. Euro geplant. Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Thyssengas verwies darauf, dass auch nach den derzeitigen Planungen "nicht unerhebliche Risiken" für Eigentümer und Geldgeber der Gasnetzbetreiber bestünden und dass die "Kapitalmarktfähigkeit" des Kernnetzes noch nicht in allen Punkten geklärt sei, so Gößmann. Hierzu gehöre die künftige Höhe der Netzentgelte, die Geschwindigkeit des Hochlaufs sowie die dazu gehörende Importstrategie sowie die Marktrisikobewertung, zu der auch die Renditeerwartungen der Kapitalmärkte gehörten.

"Wir müssen jetzt ein Netz aufbauen für einen Energieträger, der noch gar nicht da ist", stellte Wirtschaftsminister Habeck klar. Der Grünen-Politiker verwies darauf, dass mit der jetzigen Kernnetzplanung auch die weitere Anbindung der großen Wasserstoffabnehmer aus der Industrie, der Speicher, der künftigen Kraftwerksstandorte sowie die Koppelung an die geplanten Netze der Nachbarstaaten vorangetrieben werden könnten. Nach Habecks Worten sollen langfristig 30% bis 50% des deutschen Wasserstoffbedarfs aus eigener Produktion kommen. Die restlichen Mengen sollen importiert werden.

"Jahrhundertaufgabe"

Das Kernnetz, das ursprünglichen Plänen zufolge noch 2.000 Kilometer länger war, wurde nach Angaben Habecks weiterhin überdimensioniert geplant und soll nun eine Ausspeisungskapazität von 270 Terawattstunden (TWh) erhalten. Für das Jahr 2030 rechnet die Branche aktuell mit einem Bedarf lediglich von 95 bis 130 TWh. Die Bedeutung des Wasserstoffs für die grüne Transformation der Wirtschaft soll in den Folgejahren immer mehr zunehmen. Die Netzgestaltung soll künftig aber alle zwei Jahre evaluiert werden. Gößmann bezeichnete den Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur als "Jahrhundertaufgabe".

Auch die Planungen für die zahlreichen Verteilnetze in die Fläche hinein, die auf dem Kernnetz basieren, können nun angegangen werden. Der Energieverband BDEW verwies darauf, dass jetzt dringend die Rahmenbedingungen für diese Verbindungsleitungen zu den Abnehmern geschaffen werden müssten. 1,8 Millionen potenzielle Wasserstoffkunden im Industrie- und Gewerbebereich seien am Gasverteilnetz angeschlossen, so Kerstin Andreae, die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung. "Ohne solche Bundes-, Land- und Kreisstraßen werden diese Kunden nicht erreicht. Wir begrüßen daher ausdrücklich die Ankündigung von Minister Habeck, sofort mit dem Design der Wasserstoffverteilnetze zu beginnen", betonte sie. Einige der heutigen Betreiber von Gasverteilnetzen beteiligen sich auch schon mit rund 700 Kilometern am Aufbau des Wasserstoffkernnetzes.

Das künftige Wasserstoffnetz soll grundsätzlich vollständig über Netzentgelte finanziert werden. Laut einem Gesetzentwurf soll die Höhe der Entgelte vom 1. Januar 2025 an bundesweit einheitlich bestimmt werden. Bis zu einer abweichenden Festlegung durch die Bundesnetzagentur soll die kalkulatorische Eigenkapitalverzinsung 6,69% vor Steuern betragen.

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