Rohstoffe

Opec plus hebt Förderung nur minimal an

Das Produzentenbündnis Opec plus weitet seine Produktion nur minimal aus, was als ein klarer Affront gegen US-Präsident Biden verstanden wird. Biden hatte eine deutlichere Anhebung verlangt.

Opec plus hebt Förderung nur minimal an

ku Frankfurt

Das unter Führung von Saudi-Arabien und Russland stehende Ölproduzentenbündnis Opec plus hat trotz Druck aus den USA für den September nur eine minimale Anhebung der Förderquoten be­schlossen. Wie mitgeteilt wurde, soll die Produktion um 100000 Barrel pro Tag (bpd) angehoben werden. Dies entspricht der Ölmenge, die weltweit in 86 Sekunden verbraucht wird, bzw. ungefähr 0,1% der weltweiten Ölproduktion.

Als Reaktion darauf legte der Ölpreis zunächst deutlich zu, gab dann jedoch die Gewinne vollständig gab, nachdem Daten zu einem umfangreichen Aufbau der US-Lagerbestände veröffentlicht wurden. Am Abend notierte Brent zu 97,73 Dollar, ein Minus von 2,8%.

Mit Blick auf die hohen Energiepreise und die schwindenden Wahlchancen seiner Demokratischen Partei in den Kongresswahlen im November hatte der amerikanische Präsident Joe Biden auf eine sehr viel deutlichere Anhebung gedrungen. Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman hatte bei dem Besuch Bidens in Riad Mitte Juli verbale Zusicherungen abgegeben, die Produktion anheben zu wollen. Während er diese jetzt zumindest formell erfüllt, wird die jetzige Entscheidung der Opec plus dennoch als offener Affront bin Salmans gegen Biden verstanden und als ein klarer Hinweis auf den Machtverlust der USA im Nahen Osten.

Die Entscheidung der Opec plus ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Mitglieder des Kartells bereits jetzt ihre Quoten nicht vollständig erfüllen (siehe Grafik). Bei vielen Mitgliedern sind freie Kapazitäten nur noch minimal oder gar nicht mehr vorhanden, so dass eine Ausweitung schon deshalb nicht in Frage kommt. Allerdings hat Saudi-Arabien die Produktion im August auf 11 Mill. bpd angehoben, was es zuvor erst zweimal in der Geschichte des Königreichs gegeben hat.

Die Untererfüllung der Quoten durch die gesamte Opec plus ist auch darauf zurückzuführen, dass die Ölexporte Russlands aufgrund der Sanktionen zurückgegangen sind (siehe Grafik auf dieser Seite). Da dies zu den exorbitant hohen Energiepreisen beigetragen hat, nimmt der Westen in dieser Hinsicht Sanktionen gegen Russland zurück, ohne dies an die große Glocke zu hängen. So können nun wieder in London Tankschiffe, die russisches Öl transportieren, versichert werden, sofern diese keine britischen Häfen als Ziel haben. Dies ist parallel dazu zu sehen, dass im Zusammenhang mit dem Deal über die Ermöglichung ukrainischer Weizenexporte zwischen der Ukraine, Russland und der Türkei die EU ihre Sanktionen gegen den Handel mit russischem und weißrussischem Weizen und Dünger stillschweigend fallen ließ.

Die Zurückhaltung der Opec plus hinsichtlich der Ausweitung der Produktion ist auch vor dem Hintergrund der jüngsten konjunkturellen Frühindikatoren zu sehen, die zuletzt in praktisch sämtlichen Weltregionen enttäuschend ausgefallen sind. So waren die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe fast überall auf der Welt rückläufig, unter anderem in China, den USA und Europa. Die Mitglieder des Kartells machen damit deutlich, dass sie mit Blick auf die konjunkturell allerorten härteren Zeiten nicht auf die kräftig sprudelnden Öleinnahmen verzichten wollen und können.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.