Hedgefonds-Legende

Ray Dalio sorgt auch nach Rücktritt noch für Wirbel

Angebliche Absprachen zwischen dem Hedgefonds Bridgewater und seinem Ex-Investmentchef Ray Dalio rücken in den Fokus. Dieser soll sich insgeheim potenziell milliardenschwere Vergütungen gesichert haben.

Ray Dalio sorgt auch nach Rücktritt noch für Wirbel

Von Alex Wehnert, New York

Im Oktober hat der Hedgefonds-Riese Bridgewater Associates seinen Gründer Ray Dalio feierlich aus dem operativen Geschäft verabschiedet – nun sorgen angebliche Geheimabsprachen zwischen der Firma und ihrem Ex-Investmentchef für Wirbel. Im Rahmen der Rücktrittsverhandlungen habe der 73-Jährige sich Aktienpakete im potenziellen Wert von mehreren Milliarden Dollar gesichert, die er gestaffelt über mehrere Jahre erhalten werde, berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf Bridgewater-Mitarbeiter. Eine entsprechende Einigung sei erst nach schwierigen sechsmonatigen Verhandlungen zustande gekommen.

Bei Dalios Abschied war davon, dass sich der Hedgefonds-Gründer wohl hart gegen einen Verlust der operativen Kontrolle über Bridgewater wehrte, nichts zu hören. Er habe bezüglich der Nachfolgeregelung ein „großartiges“ Gefühl, teilte Dalio nach Verkündung des Schritts über Social Media mit. Auch Co-CEO Nir Bar Dea zeigte sich gegenüber Investoren enthusiastisch, dass die Staffelübergabe von der Hedgefondslegende auf die neuen Chefanlagestrategen Bob Prince und Greg Jensen gelungen sei – ohne Hinweise auf etwaige Unstimmigkeiten zu geben.

Beobachter mutmaßen, dass Bridge­water auch deshalb bemüht war, den Führungswechsel als möglichst reibungslos darzustellen, weil diesem ohnehin eine jahrelange Nachfolgesaga vorausgegangen war. Bereits 2010 hatte Dalio verkündet, innerhalb von zehn Jahren die Transition zu einer neuen Führung schaffen zu wollen. Seither probierte Bridge­water, die für Staatsfonds und öffentliche Pensionsfonds ungefähr 125 Mrd. Dollar verwaltet, eine Vielzahl an CEOs aus – laut Insidern mischte sich Dalio aber beständig in deren Zu­ständigkeiten ein.

Die ehemalige Co-Chefin Eileen Murray, die den Hedgefonds-Riesen 2020 verließ und wegen angeblicher Zurückhaltung von Pensionszusagen verklagte, soll er in Bezug auf Entlassungen, Einstellungen und Beförderungen überstimmt haben. Mit dem als Nachfolger aufgebauten Jensen zerstritt sich Dalio 2016. Die beiden Führungskräfte riefen Mitarbeiter und Teilhaber von Bridgewater­ damals sogar zu einer Abstimmung über das Verhalten des jeweils anderen auf. Jensen gab seinen CEO-Posten infolge der Spannungen ab, blieb aber Co-Investmentchef.

Dalio, dessen Privatvermögen auf über 19 Mrd. Dollar geschätzt wird, hatte in der Folgezeit indes mehrfach mit Rücksetzern seines Flaggschifffonds „Pure Alpha“ zu kämpfen, holte diese aber wieder auf. Auch nach dem coronabedingten Absturz um 20% im Frühjahr 2020 ging es für das Vehikel steil nach oben.

Im vergangenen Jahr, in dem Dalio über weite Strecken noch als Anlagechef am Steuer stand, erwirtschaftete Bridgewater laut dem Informationsdienstleister LCH nach Gebühren 6,2 Mrd. Dollar für ihre Investoren. Damit stand die Firma in den USA nur hinter dem von Milliardär Kenneth Griffin geführten Hedgefonds Citadel zurück, der einen Rekord-Handelsgewinn von 16 Mrd. Dollar erzielte.

Seine robuste Performance er­leichterte Dalio, der Bridgewater 1975 in seinem New Yorker Apartment gegründet hatte, das Loslassen wohl nicht. Die Berichte über Geheimabsprachen über Kompensationen für seinen Rücktritt sind vor allem deshalb pikant, weil der Fondslenker stets ein Prinzip der „radikalen Transparenz“ propagierte. Dies be­deutete, dass Bridgewater unter seiner Führung alle Mitarbeitergespräche aufzeichnete und firmenweit ausstrahlte – als Beweis dafür, dass innerhalb der Firma auch unangenehme Wahrheiten offen angesprochen werden konnten. Kritiker werfen Dalio nun vor, sich nicht an sein eigenes Transparenzcredo gehalten zu haben.

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