Infineon

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Infineon durchlebt derzeit gute Zeiten in Bezug aufs Geschäft und auf die Profitabilität, aber schlechte Zeiten in Bezug auf den Aktienkurs.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Auch in Krisenzeiten wie diesen gibt es Branchen, die einen guten Lauf haben. Dazu gehört die frühzyklische Halbleiterindustrie. Die Hersteller von Mikrochips und leistungsstarken elektronischen Bauelementen befinden sich in einer Boomphase nie dagewesenen Ausmaßes. Die Adressen verdienen sich eine goldene Nase. Davon kann Infineon derzeit ein Lied singen. Dank überbordender Auftragsbücher und voll ausgelasteter Kapazitäten bei einer zugleich ungebrochen hohen Nachfrage befindet sich Deutschlands größter Chipkonzern auf dem Weg zu einem Rekordjahr.

Und dennoch wenden sich die Anleger von dem erfolgreichen Dax-Mitglied ab. Nach Vorlage guter Quartalszahlen und einer erneut angehobenen Prognose, die die Analystenerwartungen bei Weitem übertrafen, ging die Aktie zum Wochenauftakt 6% in den Keller. Seit November büßte der Titel damit zwei Fünftel ein. Am Montag schloss das Papier mit knapp 26 Euro. Im zurückliegenden Herbst hatte der Anteilschein mit fast 44 Euro seinen bisherigen Höchststand erreicht.

Das Beispiel Infineon zeigt, dass Technologiewerte nicht mehr gefragt sind. Inflations- und Zinssorgen in Kombination mit der Furcht vor einer weltweiten Rezession aufgrund des Ukraine-Kriegs sowie umfangreicher Corona-Lockdowns in China, der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft, drücken auf die Stimmung. Den guten Zeiten im Geschäft und in der Profitabilität stehen schlechte Zeiten in Bezug auf den Aktienkurs gegenüber.

Für den neuen Vorstandschef Jochen Hanebeck dürfte dies aber nur ein Durchhänger sein, ist und bleibt das Geschäftsmodell im Kern doch intakt. Der Bedarf an Hochleistungschips für die Industrie, für die Energiewirtschaft sowie für die Autobranche steigt von Jahr zu Jahr. Das strukturelle Wachstum ist gesichert. Daher gibt es für den CEO keinen Anlass, sein ehrgeiziges Investitionsprogramm in Milliardenhöhe für Geschäftserweiterungen zu kürzen.

Diesem langfristigen strategischen Element stehen kurz- bis mittelfristige Risiken gegenüber, die zur Verunsicherung beitragen. Mit einem Anteil von 30% am Umsatz ist China der größte Einzelmarkt des Konzerns. Infineon hängt stark vom globalen Konjunkturmotor ab, der ins Stottern geraten ist. Das belastet die Lieferketten zusätzlich. Derweil sorgt der erstarkte Dollar für Rückenwind. Dem krisenerprobten Unternehmen ist es aber bisher gelungen, diese schwierige Lage gut zu meistern. Es gibt keinen ernsthaften Grund zu der Annahme, dass dies künftig nicht mehr der Fall sein könnte.

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