Gewerkschaftstag

Christiane Benner übernimmt Spitzenjob der IG Metall

Christiane Benner steht als erste Frau an der Spitze der IG Metall. Die Industrie in Deutschland zu erhalten gehört zu ihren dringlichsten Aufgaben.

Christiane Benner übernimmt Spitzenjob der IG Metall

Christiane Benner übernimmt Spitzenjob der IG Metall

Von Alexandra Baude, Frankfurt

Christiane Benner startet mit einem haushohen Rückhalt in ihren neuen Job als Vorsitzende der IG Metall. Mit 96,4% Ja-Stimmen erzielte die 55-Jährige das beste Ergebnis seit dem legendären Vorsitzenden Otto Brenner Ende der 1960er Jahre. Aber auch ihre Mitstreiter im Vorstand der Industriegewerkschaft erhielten kräftigen Rückenwind der Delegierten. Dieser sei auch nötig für die anstehenden Aufgaben, erklärte Benner. An erster Stelle stehe dabei, "Demokratie in der Arbeitswelt zu schaffen", und der Erhalt der Industrie in Deutschland. Denn "was weg ist, ist weg. Das haben wir dann hier verloren". Grüne Technologie zu klimafreundlicher Produktion biete massive Chancen.

"Jetzt entscheidet sich aus unserer Sicht, ob Deutschland ein starkes Industrieland bleibt, ob Zukunftsinvestitionen bei uns im Land getätigt werden oder nur in anderen Ländern, und ob die Arbeitsplätze der Zukunft hierzulande entstehen oder woanders", ergänzte Jürgen Kerner, der zuvor Hauptkassierer war und nun mit 95,6% der Stimmen zum Zweiten Vorsitzenden von Deutschlands größter und einflussreichster Gewerkschaft mit 2,1 Millionen Mitgliedern gewählt wurde.

"Wir wollen den klimaneutralen Umbau der Industrie". Die Industrie sei nicht das Problem, sondern Teil der Lösung – "und das ist unser Ansatz, den wir Branche für Branche und Betrieb für Betrieb nach vorne treiben wollen". Die IG Metall wolle mit den Betriebsräten noch stärker eingreifen und unternehmerische Strategien mitgestalten.

Die Beschäftigten in den Unternehmen sollten mehr Möglichkeit bekommen, ihre Arbeitswelt, ihre Zukunft mitzugestalten, formulierte Benner – getreu dem Motto des Gewerkschaftstags "Zeit für Zukunft". Die IG Metall wolle mit den Betriebsräten noch stärker eingreifen und unternehmerische Strategien mitgestalten. Stärker als ihr Vorgänger Jörg Hofmann (67) will die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und Soziologin auf Teamarbeit setzen und dafür sorgen, dass die Gewerkschaft in Medien und Öffentlichkeit eine größere Rolle spielt.

Denn in TV-Talkshows war die IG Metall bisher kaum vertreten – "wenn etwa in einer Sendung 'Hart aber fair' über Arbeitszeit diskutiert wird und da ist kein Gewerkschafter vertreten, dann läuft irgendwas schief", erläuterte Benner. Die Menschen wollten mit ihren Themen gesehen werden, und es sei Aufgabe von allen, "den Menschen eine Stimme zu geben", weil es große Verunsicherung gebe. Zudem gebe es eine Menge neuer Themen – etwa die Gestaltung von Homeoffice, agile Arbeit, die klassischen Entgeltfragen. All dies solle im Team angegangen werden.

Neben Benner und ihrem Vize Kerner war auch Hans-Jürgen Urban, der für die Bereiche Sozialpolitik, Arbeitsgestaltung und Qualifizierungspolitik zuständig ist, schon zuvor im Führungsgremium der IG Metall. Neu hinzugekommen sind die bisherige Stuttgarter Bevollmächtigte Nadine Boguslawski als Hauptkassiererin und Zuständige für Tarifpolitik sowie Ralf Reinstädtler, der zuvor die Geschäftsstelle Homburg-Saarpfalz geleitet hat und nun die gewerkschaftliche Bildungsarbeit verantwortet.

Neu ist nicht nur, dass aus dem Siebener-Gremium ein Fünfergespann wurde – wozu vor den Wahlen eigens die Satzung mit Zweidrittelmehrheit geändert wurde. Nun gilt auch, dass unter den beiden Vorsitzenden mindestens eine Frau sein muss. "Es hat gedauert, aber jetzt ist es ja so weit", kommentierte Benner, dass erst nach etwas mehr als 130 Jahren eine Frau an der Spitze der IG Metall steht. Benner ist künftig zuständig für die Grundsatzfragen und Gesellschaftspolitik sowie die Betriebspolitik der IG Metall, während Kerner die Bereiche Industriepolitik, Branchenarbeit sowie Kommunikation und Mitglieder verantwortet.