Telekomkonzern

Finanzchef verlässt Orange nach acht Jahren

Ramon Fernandez verlässt den Telekomkonzern Orange nach acht Jahren als Finanzchef und geht zur Reederei CMA CGM. Diese hat sich zuletzt bei M6, Eutelsat und Air France-KLM eingekauft.

Finanzchef verlässt Orange nach acht Jahren

Von Gesche Wüpper, Paris

Alles neu macht nicht nur der Mai bei Orange, sondern Konzernchefin Christel Heydemann. Nachdem sie im Frühjahr bei dem französischen Telekomriesen das Ruder von Stéphane Richard übernommen hat, hat sie schon eine Reihe von Veränderungen im Vorstand bekannt gegeben. Dabei wird es nicht bleiben, denn nun kündigt Orange an, dass der langjährige Finanzchef Ramon Fer­nandez das Unternehmen Ende März 2023 verlassen wird. Der 55-Jährige wechselt zu der Reederei CMA CGM in Marseille.

Ein Nachfolger für Fernandez steht noch nicht fest. Er werde in den kommenden Wochen bekannt gegeben, teilte Orange mit. Bis zu seinem Fortgang werde Fernandez seinen Aufgaben im Vorstand in vollem Umfang nachkommen und vor allem den neuen Strategieplan an der Seite von Heydemann und ihrem Führungsteam vorbereiten.

Heydemann will den Plan am 16. Februar vorstellen. Sie hat bereits durchblicken lassen, dass sich der Telekomkonzern unter ihrer Führung wieder stärker auf seine Kernaktivitäten konzentrieren soll. Lazard soll deshalb nach einem Käufer für die Bankaktivitäten suchen (vgl. BZ vom 14. Dezember).

Er sei stolz darauf, was er zusammen mit seinen Kollegen aus dem Vorstand in den verschiedenen Ländern erreicht habe, in denen Orange vertreten sei, erklärte Fernandez. Er war 2014 als stellvertretender Generaldirektor für Strategie und Finanzen zu dem Telekomkonzern gekommen, nachdem er vorher einen Großteil seiner Karriere beim französischen Schatzamt verbracht hatte. Dort hatte er nach dem Studium am Institut d’Études Politiques (Sciences Po) und der Kaderschmiede École Nationale d’Administration (ENA) seinen Berufsweg begonnen.

Nach einer kurzen Zwischenstation beim Internationalen Währungsfonds (IWF) Ende der 90er kehrte der Sohn der Schriftsteller Diane de Margerie und Dominique Fernandez dorthin zurück. Später arbeitete er als Berater erst für den damaligen Wirtschaftsminister Francis Mer, dann für Nicolas Sarkozy während dessen Amtszeit als Präsident. Vor seinem Wechsel zu Orange war er auch Kabinettsleiter des früheren Arbeitsministers Xavier Bertrand und Direktor des Schatzamtes.

Er habe ein einzigartiges Profil mit einer ungewöhnlichen Familiengeschichte, findet das Wirtschaftsmagazin „Challenges“. Während Fer­nandez’ Vater der Académie fran­çaise angehört, war sein Großvater mütterlicherseits ein bekannter Diplomat. „Ich habe eine ziemlich erstaunliche Familie“, sagte Fernandez einmal selber. Neben Heydemann soll das Nominierungskomitee von Orange zu Beginn des Jahres auch ihn in die Endauswahl für die Nachfolge von Richard genommen haben. Deshalb kommt der Wechsel von Fernandez vielleicht nicht komplett überraschend.

Dass er ausgerechnet zu CMA CGM geht, zeigt, wie stark die von Rodolphe Saadé geleitete Reederei in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Saadés Familie hält 73% an CMA CGM. Die Gruppe, die ihren Umsatz im dritten Quartal um fast 30% auf 19,9 Mrd. Dollar gesteigert hat, hat gerade ihre Beteiligung an dem Satellitenbetreiber Eutelsat auf über 10% erhöht. Sie ist auch bei dem Fernsehsender M6 eingestiegen, an dem sie bereits mehr als 5% besitzt. Sie hat zudem die Lokalzeitung „La Provence“ und das Logistikunternehmen Gefco sowie eine Be­teiligung an Air France-KLM (9%) übernommen und mit dem Kauf von vier gebrauchten A330-Frachtflugzeugen eine eigene Luftfrachtsparte aufgebaut. Um ihre Entwicklung zu begleiten, verstärke CMA CGM jetzt die Organisation der Finanzabteilung, teilte die Reederei zur Berufung von Fernandez mit. Er folgt auf Michel Sirat, der die Leitung des Family Office übernimmt.

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