Hubschrauberabsturz

Firmenerbe Olivier Dassault verunglückt

Er sei ein Mann mit vielen Talenten gewesen, erklärte Éric Trappier, der Chef des Flugzeugbauers Dassault Aviation. Immerhin hat sich Firmenerbe Olivier Dassault nicht nur einen Namen als Industrieller, sondern auch als Pilot, Ingenieur, Fotograf...

Firmenerbe Olivier Dassault verunglückt

Von Gesche Wüpper, Paris

Er sei ein Mann mit vielen Talenten gewesen, erklärte Éric Trappier, der Chef des Flugzeugbauers Dassault Aviation. Immerhin hat sich Firmenerbe Olivier Dassault nicht nur einen Namen als Industrieller, sondern auch als Pilot, Ingenieur, Fotograf und Politiker gemacht. „Für mich war er vor allem ein Verwaltungsrat, der sehr präsent war und dem Unternehmen bei den zahlreichen Herausforderungen, die es erwarten, stets zur Seite stand.“ Der Tod von Olivier Dassault, der bei einem Hubschrauberabsturz in der Nähe von Deauville in der Normandie ums Leben kam, hat in Frankreich Bestürzung ausgelöst. Der 69-Jährige habe sein Heimatland geliebt und ihm sein Leben lang gedient, würdigte Präsident Emmanuel Macron den Verstorbenen, der Abgeordneter der konservativen Republikaner war.

Er war am 1. Juni 1951 in Bou­logne-Billancourt als ältester Sohn von Serge Dassault geboren worden, dem Sohn des in Frankreich legendären Industriellen Marcel Dassault. Dieser hatte sich in Erinnerung an den Decknamen seines Bruders im Widerstand von Bloch in Dassault umbenannt, nachdem er das Konzentrationslager Buchenwald überlebt hatte. Sein Enkel Olivier absolvierte nach dem Abitur die Offiziersschule der französischen Luftwaffe, studierte anschließend Mathematik und machte einen Doktor in Wirtschaftsinformatik. Sein Großvater habe zunächst erwogen, ihm gleich die Leitung der von ihm gegründeten Groupe Industriel Marcel Dassault (GIMD) zu übertragen, berichtet „Le Monde“. Letztendlich übergab er das Ruder aber doch an seinen Sohn Serge.

Dieser machte seinen Ältesten zunächst zum stellvertretenden Europa-Chef der auf die Wartung von Businessjets spezialisierten Tochtergesellschaft Falcon Services und zum Strategiechef für Zivilflugzeuge. Erst 2011 ernannte er ihn zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Holding, zu der neben dem Flugzeugbauer auch der Softwarehersteller Dassault Systèmes, die Zeitungsgruppe Figaro, das Auktionshaus Artcurial, die Immobiliengesellschaft Dassault Immobilière und das Weingut Château Dassault in Saint-Emilion gehören. Beobachter werteten dies als Zeichen, dass Olivier Dassault gute Chancen habe, Nachfolger seines Vaters zu werden. Doch nach den Wahlen legte er 2017 den Posten nieder, weil er mit dem Mandat als Abgeordneter nicht vereinbar war.

Siebtreichster Franzose

Der passionierte Jäger und Klavierspieler, der auch eine eigene Kommunikationsagentur hatte, sich als Fotograf einen Namen machte und Musik komponierte, gehörte dem Verwaltungsrat von Dassault Aviation seit 1996 an. Bei den Medienholdings der Gruppe hatte der in zweiter Ehe mit Natacha Nikolajevic verheiratete Vater von drei Kindern ebenfalls führende Positionen inne. Zusammen mit seinen drei jüngeren Geschwistern Laurent, Thierry und Marie-Hélène befand er sich auf der alljährlich vom Wirtschaftsmagazin „Challenges“ veröffentlichten Rangliste der reichsten Franzosen zuletzt mit einem auf 23,5 Mrd. Euro geschätzten Vermögen auf Platz 7. Die Atmosphäre bei den Dassaults erinnere oft an Dallas, hieß es einst in Paris.

Dennoch versprach er nach dem Tod seines Vaters Serge im Mai 2018, es werde keinen Erbstreit geben. Die Familien-Holding GIMD wird seitdem von Charles Edelstenne geleitet, dem 83-jährigen langjährigen Chef von Dassault Aviation. Er soll eine langfristige Lösung für die für Frankreich strategisch wichtige Gruppe finden, in der die drei Geschwister von Olivier Dassault alle präsent sind. Der 67-jährige Laurent, der nach dem Wirtschaftsrechtsstudium zunächst im Bankensektor arbeitete, steht dem Weingut Château Dassault vor und leitet den Aufsichtsrat von Immobilière Dassault. Der 63-jährige Thierry ist inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender, nachdem er zunächst in der Filmbranche tätig war. Die 1965 geborene Marie-Hélène wiederum ist als Kommunikationschefin der Holding auch für das Mäzenatentum zuständig.