Halbleiterkonzern

Vertriebsvorstand Gassel verlässt Infineon

Wenige Wochen nach dem Wechsel an der Konzernspitze verlässt Vertriebsvorstand Helmut Gassel Infineon. Der Manager galt ebenfalls als Nachfolgekandidat für den langjährigen CEO Reinhard Ploss.

Vertriebsvorstand Gassel verlässt Infineon

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Nur zwei Monate nach dem Wechsel an der Konzernspitze wird der langjährige Vertriebsvorstand Helmut Gassel (Jahrgang 1964) den Halbleiterkonzern Infineon verlassen. Er lege sein Mandat offiziell mit Wirkung zum 31. Mai 2022 nieder, teilte Deutschlands größter Chiphersteller mit. Zu seinem Nachfolger berief der Aufsichtsrat Andreas Urschitz (50). Der ebenfalls langjährige Infineon-Manager ist faktisch ein Vertrauter von Gassel.

Der promovierte Elektrotechniker wurde als möglicher Nachfolgekandidat des scheidenden Vorstandsvorsitzenden Reinhard Ploss (66) gehandelt. Allerdings machte der gebürtige Duisburger nicht das Rennen, sondern sein jüngerer Vorstandskollege und Mitfavorit Jochen Hanebeck (Jahrgang 1968). Die Entscheidung für den Produktionsvorstand als designierten CEO fiel Ende November vergangenen Jahres (vgl. BZ vom 26.11.2021).

Das Kontrollgremium hatte vier Jahre zuvor die Verträge der beiden Führungskräfte vorzeitig bis Ende Juni 2024 verlängert. Gassel arbeitet für Infineon seit 1995, der aus Dortmund stammende Hanebeck seit 1994. Beide gehören dem obersten Führungsgremium seit 2016 an.

Gassel legte nach Unternehmensangaben sein Mandat „auf eigenen Wunsch“ nieder. Der Aufsichtsrat habe der Bitte „mit großem Bedauern“ zugestimmt. Chefaufseher Wolfgang Eder würdigte Gassels Leistungen für das Unternehmen. „Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Infineon heute so hervorragend in wichtigen Wachstumsmärkten sowie bei den grundlegenden Trends Dekarbonisierung und Digitalisierung positioniert ist. Außerdem steuerte er erfolgreich die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte mit Cypress Semiconductor“. Infineon hatte den kleineren US-Wettbewerber vor zwei Jahren für 9 Mrd. Euro übernommen. Es war die bisher größte Akquisition von Infineon in der Firmengeschichte.

Hanebeck dankte ebenfalls Gassel für dessen Arbeit. Gassel selbst sprach davon, sich „neuen Aufgaben“ zuzuwenden.

Infineon sorgte für einen nahtlosen Übergang in dem betroffenen Vorstandsressort. Der Österreicher Urschitz ist noch Präsident der Konzerndivision Power & Sensor Systems (PSS). Dieses Amt bekleidet er seit zehn Jahren. PSS versorgt die Abnehmer mit Leistungshalbleiter-, Hochfrequenz- und Sensortechnologien. Zuvor hatte der Handelswissenschaftler Führungspositionen unter anderem im Vertriebsbereich bei Infineon inne. Urschitz arbeitet wie Hanebeck seit 28 Jahren für den Konzern. Aufsichtsratschef Eder ist ebenfalls Österreicher. Bis vor knapp drei Jahren hatte der 70-Jährige den Linzer Technologiekonzern Voestalpine als CEO geleitet.

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