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Doordash legt Gorillas-Deal auf Eis

Der US-Essenslieferdienst Doordash plant eine Expansion nach Deutschland. Gespräche über ein Investment bei Gorillas haben sich aber zerschlagen.

Doordash legt Gorillas-Deal auf Eis

hek Frankfurt – Der US-Essenslieferdienst Doordash hat Abstand genommen von Plänen, 400 Mill. Dollar in das deutsche Lebensmittel-Start-up Gorillas zu stecken. Die Gespräche über ein Investment seien beendet worden, weil es Meinungsverschiedenheiten über die Expansion von Gorillas gegeben habe, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Doordash habe gefordert, dass Gorillas ihre Expansion in den USA verlangsamt und sich darauf konzentriert, die Verluste im europäischen Geschäft zu reduzieren. Ein Deal hätte den deutschen Schnelllieferdienst mit 2,5 Mrd. Dollar bewertet.

Doordash gilt als Marktführer in den USA und plant, in Europa ein Geschäft aufzubauen. Neben dem britischen hat der Konzern den deutschen Markt im Blick. Mit einem Markteintritt in Deutschland würde Doordash vor allem den Platzhirsch Lieferando angreifen, der zur britisch-niederländischen Just Eat Takeaway.com gehört. Weitere Konkurrenz kommt von neuen Anbietern. So kehrt Delivery Hero aus Berlin unter der Marke Foodpanda gerade in ihren Heimatmarkt zurück. Sein ursprüngliches Deutschlandgeschäft hatte der im Dax vertretene Konzern im Dezember 2018 für knapp 1 Mrd. Euro an Takeaway verkauft. Auch die finnische Wolt und Uber Eats bauen eine Präsenz in Deutschland auf.

Doordash kam im vergangenen Dezember an die Börse. Platziert wurde die Aktie zu 102 Dollar oberhalb der zunächst genannten Preisspanne. Am ersten Handelstag schoss der Kurs steil nach oben und bewegt sich seither unter größeren Schwankungen seitwärts. Die Marktkapitalisierung liegt bei 62 Mrd. Dollar. Wie Delivery Hero und Just Eat Takeaway sowie die heimischen Rivalen Uber Eats und Grubhub, die inzwischen von Just Eat Takeaway übernommen wurde, profitiert Doordash vom Bestellboom für fertig zubereitete Mahlzeiten infolge der Corona-Pandemie.

Unlängst gab das in San Francisco ansässige Unternehmen bekannt, nach USA, Kanada und Australien auch in Japan an den Start zu gehen. Japan hat sich zur umkämpften Region einwickelt, in der sich auch Delivery Hero und Uber tummeln.

US-Markt aufgerollt

Den US-Markt hat die im Januar 2013 gegründete Doordash binnen weniger Jahre aufgerollt durch Aufbau eigener Lieferteams und Präsenz in Vorstädten, die Grubhub oder Uber Eats eher gemieden haben. Zuletzt lag der Marktanteil bei 57%. Gut 1 Million Fahrer, Dasher genannt, arbeiten für das Unternehmen. Inzwischen liefert Doordash auch Haushaltswaren und Lebensmittel aus und baut dafür ein Netz von Lagerhäusern auf. Eine ähnliche Strategie verfolgt Delivery Hero mit ihrer Quick-Commerce-Schiene. Im ersten Halbjahr brachte Doordash den Umsatz auf 2,3 Mrd. Dollar voran – mehr als das Doppelte des Vorjahreszeitraums. Das um Sonderfaktoren bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erreichte 156 Mill. Dollar. Unter dem Strich stand aber ein von 106 Mill. auf 212 Mill. Dollar verdoppelter Periodenverlust.

Für das Gesamtjahr peilt Doordash zwischen 150 Mill. und 350 Mill. Dollar adjustiertes Ebitda an. Das über die Plattform abgewickelte Volumen soll 39 Mrd. bis 40,5 Mrd. Dollar erreichen. Zum Vergleich: Delivery Hero peilt umgerechnet zwischen 38,7 Mrd. und 41 Mrd. Dollar an.

Im Heimatmarkt Kalifornien droht Doordash ebenso wie den Fahrdienstvermittlern Uber und Lyft neue Unsicherheit über den Status der Fahrer. Die kalifornischen Wähler hatten im November ein örtliches Gesetz gekippt, das Fahrern den Status von Mitarbeitern zusprach. Demnach können die Fahrer weiter als eigenständige Unternehmer eingestuft werden. Ein Richter erklärte nun aber die Volksabstimmung für ungültig. Seiner Ansicht nach verstößt die Bestimmung gegen die Verfassung des Bundesstaats.