Siemens

Festhalten an der Strategie

Die Aufspaltung von General Electric ändert nichts an der Strategie von Siemens. Dies betonte Vorstandsvorsitzender Roland Busch auf der Jahrespressekonferenz.

Festhalten an der Strategie

mic München

Der Siemens-Konzern sieht sich nach einem herausragenden Geschäftsjahr mit einem Free Cash-flow in Rekordhöhe in seiner Marschrichtung bestärkt. Die Ankündigung der Aufspaltung von General Electric wird in München als Bestätigung der eigenen Neuaufstellung gewertet – und nicht als Signal, abermals über das eigene Portfolio nachzudenken.

Vorstandsvorsitzender Roland Busch hält die aktuelle Struktur mit zwei industriellen Kernsparten und der Bahntechnik für richtig. „Ich sehe überhaupt keine Notwendigkeit, an unserer Strategie irgendetwas zu ändern“, sagte er auf der Jahrespressekonferenz in München. Das Unternehmen sei portfoliomäßig hervorragend aufgestellt.

Analysten betrachten dagegen die unterdurchschnittliche Entwicklung des Wertes des Siemens-Kerngeschäfts – ohne die haussierende Healthineers-Beteiligung –  seit dem Kapitalmarkttag im Juni als Warnsignal (vgl. BZ vom 10. November). Sie errechnen einen Abschlag auf den Sektor von 30 % und vermuten so wie Citi Research, dass das Management unter Druck kommen könnte, beispielsweise den Healthineers-Wert für die Aktionäre zu heben. Teils werden auch die Synergien zwischen Bahntechnik und dem übrigen Portfolio in Frage gestellt.

Kaeser: „Noch mehr Fokus“

Buschs Vorgänger Joe Kaeser, der nun als Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Energy agiert, erklärte am Donnerstag den aktuellen Geschäftserfolg in einem Tweet mit Blick auf das Umfeld auch mit Rückenwind – und wünschte Busch für das  Geschäftsjahr 2021/2022 viel Glück und „immer noch viel Raum für noch mehr Fokus“.

Busch widersprach in der Pressekonferenz der Wahrnehmung eines Gemischtwarenladens energisch. „Wir sind kein Konglomerat“, sagte er. Die Diskussion ist seines Erachtens künstlich. Alle Siemens-Märkte seien Wachstumsfelder, würden von Technologie dominiert und hätten unterschiedliche Zyklen. Letzteres trage zur Stabilisierung des Ergebnisses bei: „Betrachten Sie Siemens als ein fokussiertes Technologieunternehmen, das Wert steigert für alle Stakeholder.“

Finanzvorstand Ralf Thomas betonte, man messe die Entwicklung nachhaltiger Wertsteigerung nicht in Monaten. Für die Aktienkursentwicklung seien auch sektorspezifische Faktoren verantwortlich. Mit dem Gewinn von Marktanteilen sowie dem Steigern von Umsatz und Marge werde der Konglomerats­abschlag auf ein Minimum reduziert. Das gehe nicht innerhalb zweier Quartale. Aber:  „Innerhalb der Transparenz überzeugt immer nur Leistung.“ Es werde honoriert, wenn man wirklich liefere, fügte Busch hinzu.

Hohe Sondergewinne

Busch erklärte zugleich, man halte nicht dogmatisch an dem 75-%-Paket an Siemens Healthineers fest. Die dortige Wertsteigerung könne man auch dem Siemens-Aktionär zuteil werden lassen. Offenbar gibt es mangels Finanzbedarf jedoch keinen Verkaufsdruck. Busch bekräftigte die bekannte Position, dass Siemens den Energy-Anteil von 35 % reduzieren will. Busch sagte jedoch: „Wir werden nicht unter Buchwert verkaufen.“ Der Aktienkurs sei nun wieder in der richtigen Richtung unterwegs. Thomas sagte, es habe seit der Erstnotiz keine Neubewertung des Anteils gegeben.

Thomas kündigte an, dass Portfoliooptimierungen jenseits des Kerngeschäfts den Gewinn im gleichen Ausmaß wie im vergangenen Geschäftsjahr erhöhen sollen. Es waren 1,5 Mrd. Euro erwirtschaftet worden. Er verwies auf den abgeschlossenen Carve-out der Straßenverkehrstechnik-Tochter Yunex und die Gespräche über den Elektromobilitätsspezialisten Siemens Valeo. Außerdem werde Siemens Logistics in Logistiklösungen für Post und Pakete auf der einen Seite und für Flughäfen auf der anderen Seite aufgeteilt. Zusätzlich werde man auch Siemens Large Drives – das Geschäft mit großen Antrieben – abspalten. Der Finanzvorstand wies darauf hin, dass  Wert nicht zwangsläufig per Verkauf realisiert werden müsse. Sicher sei bereits ein Ertrag aus dem Fluence-Energy-IPO von 200 Mill. Euro (vor Steuern: 300 Mill.) im ersten Quartal des Geschäftsjahres.

Der Halbleitermangel auf dem Weltmarkt hat Siemens bisher nicht gravierend beeinträchtigt. „Unsere Teams konnten die Auswirkungen von Engpässen bei Bauteilen bislang sehr erfolgreich minimieren“, sagte Busch. Er begründete dies mit der Bündelung von Nachfrage nach Rohstoffen und Bauteilen, so dass Siemens den Rang eines relevanten Partners bei mehr als 1500 strategischen Zulieferern habe. Außerdem könne Siemens die Produktion je nach Verfügbarkeit von Bauteilen zwischen Standorten verschieben.

Trotzdem treffen Lieferprobleme auch den Münchner Konzern. Der Auftragsbestand für kurzzyklische Produkte stieg in der Sparte Digital Industries Ende September auf den Rekordwert von 3,3 Mrd. Euro. Er erwarte konzernweit zumindest für die erste Hälfte 2021/2022 längere Lieferzeiten, sagte Busch. Er kündigte auch Preisanpassungen an.

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