Express-Lieferdienste

Flink sammelt 750 Mill. Dollar ein

Im Rennen der Express-Lieferdienste um Investorengelder schaltet die Berliner Flink einen Gang hoch. In einer Finanzierungsrunde unter Führung des US-Konzerns Doordash wird das zwölf Monate alte Start-up mit knapp 3 Mrd. Dollar bewertet.

Flink sammelt 750 Mill. Dollar ein

sp/hek Berlin/Frankfurt – Der Wettbewerb im heiß umkämpften Markt für Expresslieferungen von Lebensmitteln wird von Investoren mit einer weiteren Finanzierungsrunde in dreistelliger Millionenhöhe angekurbelt. Der Lieferdienst Flink, der erst vor einem Jahr in Berlin gestartet und seit sieben Monaten operativ tätig ist, hat in einer Series B unter Führung des US-Konzerns Doordash 750 Mill. Dollar eingesammelt, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Die Bewertung „pre money“ steigt auf 2,1 Mrd. Dollar und liegt damit auf Augenhöhe mit dem Berliner Konkurrenten Gorillas, der im Oktober eine knapp 1 Mrd. Dollar schwere Series C unter Führung des im Dax geführten Lieferdienstes Delivery Hero abgeschlossen hatte.

Investoren stehen nicht nur in Deutschland bei den boomenden Blitz-Lieferdiensten für Lebensmittel Schlange. In der Coronakrise haben Menschen rund um den Globus Gefallen daran gefunden, auch Lebensmittel online zu bestellen und sich in möglichst kurzer Zeit – meist per Fahrradkurier – liefern zu lassen. Auch die 2015 in Istanbul gestartete Getir hat für dieses Geschäftsmodell bereits 1 Mrd. Dollar bei Investoren eingesammelt, davon allein 555 Mill. Dollar in einer Series D in diesem Sommer. Der 2021 gestartete US-Konkurrent Jokr, der wie Getir auch in Berlin präsent ist, hat Ende November 260 Mill. Dollar eingeworben und bringt es neun Monate nach der Firmengründung auf eine Bewertung von 1,2 Mrd. Dollar.

Der US-Lieferdienst Doordash, der seit einem Jahr an der Börse notiert ist und es derzeit auf eine Bewertung von knapp 60 Mrd. Dollar bringt – etwas mehr als der zweifache Börsenwert von Delivery Hero –, hat seine Ambitionen in Europa erst vor wenigen Wochen mit der 7 Mrd. Dollar schweren Übernahme der finnischen Wolt unterstrichen. Auch Wolt war zuvor schon bei privaten Investoren erfolgreich und eröffnete das Jahr mit einer 530 Mill. Dollar schweren Series E. Insgesamt haben die Finnen seit der Gründung 2014 bis zur Übernahme durch Doordash im November 820 Mill. Dollar Risikokapital eingesammelt.

Doordash war im Sommer auch an einem Engagement bei Gorillas interessiert, kam aber nicht zuletzt wegen der Negativschlagzeilen rund um die Arbeitsbedingungen und Fahrerstreiks bei dem im Marktauftritt besonders aggressiven Berliner Branchenvertreter mit Blick auf die aufgerufene Bewertung ins Grübeln.

Der Einstieg bei Flink war in den vergangenen Monaten ein vergleichsweise schlecht gehütetes Geheimnis. Bereits im September berichtete die Nachrichtenagentur Reuters von einer 600 Mill. Dollar schweren Finanzierungsrunde zu einer Bewertung in der Größenordnung von 2,5 Mrd. Dollar. Jetzt ziehen auch Bestandsinvestoren von Flink wie Mubadala Capital mit und drehen die Series B auf eine Dreiviertelmilliarde zu einer Bewertung von knapp 3 Mrd. Dollar hoch. Die staatliche Investmentholding aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte erst im Juni zusammen mit der niederländischen Naspers-Tochter Prosus und dem US-Investor Bond eine 240 Mill. Dollar schwere Series A bei Flink angeführt. Die Bewertung lag da noch knapp unterhalb von 1 Mrd. Dollar, hieß es im Juni aus Unternehmenskreisen. Zu den weiteren Be­standsinvestoren von Flink zählen die Berliner Risikokapitalgeber Cherry Ventures und Target Global, die US-Investmentfirma Triple Point Capital und die britische Northzone. Auch Rewe, mit der Flink seit April beim Wareneinkauf zusammenarbeitet, ist beteiligt.

Zehn Millionen Kunden

Die im Dezember 2020 von Bain-Veteran Oliver Merkel, Foodora-Gründer Julian Dames und dem ehemaligen Home24-Chef Christoph Cordes gegründete Flink erreicht heute nach eigenen Angaben mit einem Angebot von bis zu 2500 Produkten schon bis zu zehn Millionen Kunden, die aus mehr als 140 Standorten in mehr als 60 Städten beliefert werden. Das Unternehmen bezeichnet sich als Marktführer in Deutschland und den Niederlanden. Mit den frischen Mitteln sollen das Städtenetzwerk, das Sortiment und die Fahrerflotte ausgebaut werden.

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