Chefwechsel

Fresenius-Aktionäre hoffen auf mehr Tempo

Der designierte Fresenius-CEO Michael Sen gilt als Mann für große Deals. Nach Gewinnwarnungen und Aktienkursverfall steht er vor großen Aufgaben. So könnte die FMC-Beteiligung von einem Drittel zum Verkauf gestellt werden.

Fresenius-Aktionäre hoffen auf mehr Tempo

cru Frankfurt

Der Führungswechsel bei Fresenius vom langjährigen CEO Stephan Sturm zu Michael Sen, bislang Chef der Infusionssparte Kabi, lässt die Investoren hoffen, dass ab Oktober auch der Strategiewechsel bei dem Gesundheitskonzern schneller vorankommt. „Veränderung ist wahrscheinlich nötig: Ob zu Recht oder zu Unrecht, wir denken, dass der CEO-Wechsel bei Fresenius wahrscheinlich von den Investoren begrüßt wird“, kommentiert Berenberg-Analyst Tom Jones.

Tatsächlich ist der Aktienkurs von Fresenius ungeachtet der allgemein stark eingetrübten Börsenstimmung am Montag nach einem Jahr Talfahrt in die Höhe geschossen. Am Vormittag stiegen die Papiere auf bis zu 26,36 Euro und damit auf den höchsten Stand sei Ende Juli. Erst Anfang August hatten sie bei 23,40 Euro den tiefsten Stand seit etwas mehr als zehn Jahren erreicht. Die Aktien der Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care (FMC) reagierten ebenfalls positiv und zogen im rund 2 % schwächeren Dax um 0,8 % hoch.

Berenberg-Analyst Jones betont den breit angelegten personellen Wandel: Bis Oktober werden vier der wichtigsten Führungspositionen in der Gesamtorganisation – die des CEO von FMC, des CEO von Kabi, des Fresenius-CFO und des Fresenius-CEO – innerhalb von 18 Monaten den Besitzer gewechselt haben. Auch der Aufsichtsratschef wechselte im Mai 2021. „Es ist erwähnenswert, dass abgesehen von der Rolle des CFO der Fresenius SE alle diese Positionen mit Personen besetzt wurden, die entweder Außenseiter sind oder waren oder relativ neu in der Organisation sind oder waren“, betont Berenberg-Analyst Jones. „Selbst die künftige CFO der Fresenius SE, Sara Hennicken, ist erst seit 2019 im Unternehmen. Was das für die Strategie und die künftige Ausrichtung des Unternehmens bedeutet, bleibt abzuwarten, aber zumindest werden viele neue Gesichter und neue Meinungen zu sehen sein.“

Am Freitag nach Börsenschluss war der zum 1. Oktober anstehende Chefwechsel bekannt gegeben worden. Nach Gewinnwarnungen in Serie, einem dramatischen Verfall der Aktienkurse von Fresenius und der Dialysetochter FMC sowie langen Debatten über die Konzernstrategie steht der neue CEO Sen, Sohn indischer Einwanderer, vor etlichen Aufgaben. Der ausgewiesene Finanz- und Kapitalmarktexperte mit Blick für das strategische Ganze soll den Konzern mit mehr als 300 000 Beschäftigten weltweit und über 37 Mrd. Euro Umsatz aus der Krise führen und Vertrauen an der Börse wiedergewinnen. Bei Siemens war er mit dem IPO von Healthineers und bei Eon mit dem Spin-off von Uniper der Mann für die großen Deals.

Schon unter Sturm hatte Fresenius die Suche nach Finanzinvestoren für eine Minderheitsbeteiligung an der Kliniktochter Helios eingeläutet. Ein Börsengang von Helios wurde zuletzt nicht ausgeschlossen. Ähnliches gilt auch für die Servicegesellschaft Vamed. Dagegen sollte Kabi durch Übernahmen weiter gestärkt werden, erste Zukäufe wurden bereits verkündet. In den Fokus könnte mit dem Personalwechsel auch wieder die Fresenius-Beteiligung an FMC von rund einem Drittel rücken, deren Verkauf Sturm mehrfach eine Absage erteilt hatte.

Zuletzt war die Kritik am Vorstand zunehmend lauter geworden, „insbesondere was die Dreiteilung des Konzerns angeht“, wie Andreas Lipkow von Comdirect betont. Daher sei die Personalie vor allem interessant, „da der neue CEO von der Tochter Kabi kommt und diese als wichtige Stütze im Konzerngefüge gesehen wird“. Die Probleme bei Fresenius seien „zwar nicht hausgemacht, verlangen jedoch seit mehreren Quartalen einen stringenteren Wechsel der Unternehmensstrategie und einen Fokus auf die lukrativen Geschäfte“.

Fresenius machen nach zwei schwierigen Pandemiejahren die stockenden Lieferketten und steigende Kosten zu schaffen. Zudem litt FMC unter der hohen Übersterblichkeit von Blutwäsche-Patienten mit Corona, zuletzt kam noch Personalmangel hinzu. Im Frühjahr 2021 läuteten Fresenius und FMC milliardenschwere Umbauprogramme ein, die in den kommenden Jahren zu Ergebnisverbesserungen führen sollen. FMC kündigte den Abbau von 5 000 Stellen an.

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