Restrukturierung

Gerry Weber schließt Sanierung ab

Der Modehändler Gerry Weber steht vor dem Ende des StaRUG-Sanierungsverfahrens. Die Gläubiger haben dem Restrukturierungsplan zugestimmt.

Gerry Weber schließt Sanierung ab

Gerry Weber schließt Sanierung ab

Gläubiger stimmen Restrukturierungsplan zu – Börsennotiz soll erlöschen

sar Frankfurt
sar Frankfurt

Die Gläubigergruppen der Gerry Weber International AG (GWI) haben dem Unternehmen zufolge "mit großer Mehrheit" für den Restrukturierungsplan gestimmt und diesen mit den erforderlichen Mehrheiten angenommen. Gerry Weber hatte die börsennotierte GWI Mitte April in ein vorinsolvenzliches Sanierungsverfahren gemäß dem Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen (StaRUG) geschickt.

Mit der Umsetzung des Restrukturierungsplans geht ein vollständiger Kapitalschnitt einher. Die derzeitigen Aktionäre der börsennotierten Gerry Weber International würden dadurch „kompensationslos ausscheiden“, wie das Unternehmen mitteilt. Die Börsennotierung der Aktien erlischt.

Der Kapitalschnitt umfasst im zweiten Schritt dann eine Kapitalerhöhung auf 50.000 Euro, wobei die neuen Aktien vollständig von dem Sanierungsinvestor GWI Holding mit Sitz in Luxemburg gezeichnet werden.

„Die größte Herausforderung in einem StaRUG-Verfahren ist es, alle Stakeholder gleichermaßen in den Prozess einzubinden und gemeinsam zukunftsgerichtete Lösungen für das Unternehmen zu finden“, sagte CFO Florian Frank mit Blick auf den Prozess.

Gerry Weber wird "erheblich entschuldet"

Durch das Restrukturierungsvorhaben soll das Unternehmen „erheblich entschuldet und damit eine wesentliche Voraussetzung für die Aufnahme neuer Finanzmittel durch die Schuldnerin und die Refinanzierung ihrer bestehenden Finanzierungen geschaffen werden“, heißt es im Restrukturierungsplan. Die neue Finanzierungsstruktur beseitige die drohende Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerin und sichere sie bis in das Jahr 2027 ab.

Zur operativen Vereinfachung der Konzernstruktur soll Gerry Weber nach Wirksamwerden des Restrukturierungsvorhabens in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt werden. Das Restrukturierungskonzept wurde von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte durch ein Sanierungsgutachten validiert.

Viele Filialen schließen

Der Kapitalschnitt soll nach der gerichtlichen Planbestätigung erfolgen, die für den 27. September anberaumt ist. Als erstes großes Unternehmen in Deutschland hatte der Autozulieferer Leoni ein StaRUG-Verfahren durchlaufen, das ebenfalls mit einem Delisting einherging. Das in der Gerry Weber Retail GmbH gebündelte Einzelhandelsgeschäft wird über eine Insolvenz in Eigenverwaltung restrukturiert. Die Eigenverwaltung bietet mehr Möglichkeiten für operative Einschnitte wie beispielsweise Eingriffe in Mietvertragsverhältnisse. Das StaRUG ist dagegen auf finanzielle Restrukturierungen ausgelegt. Gerry Weber hatte bereits im Jahr 2019 eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchlaufen.

Fokus auf Wholesale

Im Zuge der Neuausrichtung hat Gerry Weber bereits angekündigt, sich künftig auf das Wholesale-Geschäft fokussieren zu wollen. Weite Teile des Filialnetzes werden geschlossen. In Deutschland sollen 122 der vormals 171 eigenen Stores und Outlets der Gerry Weber Retail GmbH schließen. Dies soll bis Ende September erfolgen, voraussichtlich 350 Vollzeitarbeitsplätze werden dadurch wegfallen. In der Zentrale ist der Abbau von rund 75 Vollzeitstellen bei der AG sowie der Life-Style Fashion GmbH geplant.

Erst Ende Juli hat die Gruppe auch für die Gerry Weber GmbH in Wien Insolvenzantrag gestellt, auch dort will Gerry Weber sich auf die Partnerschaft mit Handelskunden im Wholesale-Geschäft beschränken. Die 17 Läden und zwei Outlets in Österreich werden aufgegeben.

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