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Knorr-Bremse kauft zu

In den Markt für Bremssysteme kommt Bewegung. Branchenprimus Knorr-Bremse kündigt an, den kleineren spanischen Dienstleister Cojali für 200 Mill. Euro mehrheitlich zu übernehmen.

Knorr-Bremse kauft zu

sck München

Knorr-Bremse stärkt sich im operativen Geschäft nach eigenen Angaben mit einer Übernahme in Spanien. Der Weltmarktführer von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge teilte mit, einen mehrheitlichen Anteil von 55 % an der Cojali S.L. zum Preis von 200 Mill. Euro erworben zu haben. Der in München ansässige Konzern erhält damit die Mehrheitsanteile zu Konditionen, die im Rahmen des Marktüblichen angesiedelt sind. Der Preis entspricht dem 2,6-Fachen des Jahresumsatzes von Cojali.

Das Unternehmen mit Sitz im zentralspanischen Ciudad Real erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit rund 500 Mitarbeitern einen Umsatz von 78 Mill. Euro. Cojali ist auf die Fertigung von Komponenten und Diagnosegeräten sowie Wartungsservice für Nutzfahrzeuge, Spezialmaschinen und landwirtschaftliche Geräte ausgerichtet.

Ergänzungen im Visier

Knorr-Bremse selbst verspricht sich mit der Akquisition Wachstumschancen im Markt für Konnektivität und im Bereich digitalisierter Dienstleistungen. „Mit der Beteiligung an Cojali stärken wir unsere Position als Systempartner im weltweiten Wachstumsmarkt der digitalen, vernetzten Lösungen für unsere Kunden“, ließ sich Bernd Spies, im Vorstand von Knorr-Bremse verantwortlich für die Sparte Systeme für Nutzfahrzeuge, in einer Mitteilung des Unternehmens zitieren. Knorr-Bremse berichtete davon, dass Cojali in den zurückliegenden fünf Jahren im Schnitt um 16 % gewachsen sei und eine „weit überdurchschnittliche Profitabilität“ erzielt habe.

Die zuständigen Kartellbehörden müssten die Transaktion noch ge­nehmigen, so Knorr-Bremse.

Aktie gewinnt 5 Prozent

Bei den Anlegern kam die Nachricht gut an. Die Aktie von Knorr-Bremse gewann im Xetra-Handel bis zu 5 % auf 61,12 Euro an Wert. Knorr-Bremse bringt am Markt 9,8 Mrd. Euro auf die Waage.

Im Vergleich zu Knorr-Bremse ist der Neuerwerb auf der iberischen Halbinsel eine relativ kleine Nummer. Allein die Sparte Nutzfahrzeugsysteme des Unternehmens aus der bayerischen Landeshauptstadt erlöste 2021 rund 3,4 Mrd. Euro (vgl. Grafik). Mit der Akquisition wächst die Zahl der Beschäftigten in dem Bereich auf rund 14000, wenn man die Zahlen zum Jahresultimo 2021 als Basis nimmt.

Die spanischen Gesellschafter von Cojali äußerten sich ebenfalls zufrieden mit den neuen Eigentumsverhältnissen „Mit Knorr-Bremse haben wir jetzt den idealen Partner mit einem großen Netzwerk an unserer Seite, um unsere Produkte und Services auszubauen und einem noch breiteren Kundenkreis zur Verfügung zu stellen. Damit zünden wir gemeinsam die nächste Wachstumsstufe von Cojali, indem wir unser Wissen teilen und mit dem Team von Knorr-Bremse zusammenarbeiten“, ließ sich Venancio Alberca, Gründer und CEO von Cojali, in der Mitteilung zitieren.

In die Branche für Bremssysteme kommt Bewegung. Sechs Jahre nach einem gescheiterten Übernahmeversuch kündigte der fränkische Nutzfahrzeugzulieferer SAF-Holland in der vergangenen Woche an, den schwedischen Bremssystemproduzenten Haldex für umgerechnet 306 Mill. Euro schlucken zu wollen (vgl. BZ vom 8. Juni).

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