Logistik

Logistikbranche wartet mit Großtransaktionen auf

Kurz vor Jahresschluss kündigt Møller-Mærsk den Erwerb von LF Logistics für rund 3,2 Mrd. Euro an, während Bolloré die Afrika-Sparte der Logistiktochter für 5,7 Mrd. Euro an MCS abgeben könnte.

Logistikbranche wartet mit Großtransaktionen auf

wü/ste Paris/Hamburg

Kurz vor Jahresschluss wartet die Logistikbranche noch einmal mit größeren Transaktionen auf. Während der französische Mischkonzern Bolloré in der weltweit zweitgrößten Linienreederei MSC aus Genf einen Käufer für die Afrika-Sparte seiner Logistiktochter Bolloré Logistics gefunden zu haben scheint, verkündet der dänische Transport- und Logistikkonzern A.P. Møller-Mærsk, zu dem die weltgrößte Containerreederei Mærsk gehört, die Übernahme der in Hongkong ansässigen LF Logistics. Die Unternehmenswerte werden mit 5,7 Mrd. Euro bzw. 3,6 Mrd. Dollar (rund 3,2 Mrd. Euro) beziffert.

Mærsk erwirbt nach Angaben aus Kopenhagen sämtliche Anteile an LF Logistics in bar. Mit der Übernahme wollen die Dänen ihre Aufstellung als integriertes Containerlogistikunternehmen mit weltweiten End-to-End-Lieferketten-Lösungen stärken. LF Logistics gehört dem in Hongkong ansässigen Handelshaus Li & Fung (78,3%) und dem Staatsfonds Temasek aus Singapur (21,7%) und ist auf die Bereitstellung von Kontraktlogistiklösungen für Kunden im asiatisch-pazifischen Raum spezialisiert. Geschäftseinheiten sind In-Country Logistics (ICL) und Global Freight Management (GFM). Erwartet wird, dass die Li-&-Fung-Muttergesellschaft das ausgegliederte GFM-Geschäft nach der Transaktion behält.

Der Wert der Transaktion betrage einschließlich Leasingverbindlichkeiten 3,6 Mrd. Dollar, so Mærsk. Der Unternehmenswert entspricht dem 14,4-Fachen des operativen Ergebnisses vor Abschreibungen (Ebitda) und vor Synergien, basierend auf dem für 2021 erwarteten Ebitda des ICL-Geschäfts. Mærsk zufolge wurde darüber hinaus eine Earn-out-Komponente von bis zu 160 Mill. Dollar abhängig von der künftigen finanziellen Entwicklung vereinbart.

Die 1999 gegründete LF Logistics betreibt innerhalb des ICL-Geschäfts ein Netzwerk von 223 Lagerhäusern in 14 Ländern im asiatisch-pazifischen Raum. Das ICL-Geschäft gilt als wichtiger Lieferkettenpartner für zahlreiche multinationale Kundenmarken verschiedener Branchen in den asiatisch-pazifischen Märkten. 2020 erzielte LF Logistics einen Um­satz von 1,3 Mrd. Dollar, das bereinigte Ebitda betrug 235 Mill. Dollar. Auf das ICL-Geschäft entfiel ein Umsatz von 850 Mill. und ein bereinigtes Ebitda von 230 Mill. Dollar. Für 2021 werde für das ICL-Geschäft ein Umsatz von 1 Mrd. Dollar sowie ein bereinigtes Ebitda von 250 Mill. Dollar erwartet. Bis Ende 2026 sollen sich ICL-Umsatz und -Ebitda infolge organischen Wachstums und erwarteter Synergien verdoppeln.

Bolloré wiederum hat MSC nach eigenen Angaben ein Exklusivrecht bis Ende März 2022 eingeräumt, damit die Reederei nach zusätzlichen Rechnungsprüfungen und Verhandlungen ein Angebot machen kann. Mitte Oktober war bekannt geworden, dass Morgan Stanley das Interesse von möglichen Käufern für Bolloré Africa Logistics sondiert. Beobachter hatten eigentlich mit Offerten von Mærsk oder CMA CGM gerechnet sowie einer Bewertung von lediglich 2 bis 3 Mrd. Euro. Bolloré Africa Logistics ist in 42 Häfen in Afrika präsent, hält Konzessionen für insgesamt 26 Terminals, darunter 16 für Container, sowie drei Eisenbahnkonzessionen. 2020 kam die Sparte mit 24000 Mitarbeitern auf einen Um­satz von 2,1 Mrd. Euro.

Vincent Bolloré hatte 1986 den Grundstein für sie gelegt, als er von Suez die SCAC (Société Commerciale d’Affrètement et de Combustible) gekauft hatte. Mit Hilfe der Einnahmen der lukrativen Sparte hat Bolloré diverse Übernahmen finanziert. Die französische Justiz hat Ende 2018 Anklage gegen Bolloré wegen des Verdachts erhoben, dass bei der Vergabe der Hafenkonzessionen, die seine Gruppe in Afrika besitzt, Bestechungsgelder geflossen sind. Der Milliardär will anlässlich des 200-jäh­rigen Bestehens die Leitung seines Familienunternehmens offiziell an seine Kinder übergeben.