Energie

RWE wird mit Ökostrom wetterfühliger

Der Umbau zum reinrassigen Ökostromerzeuger beschert RWE eine deutlich erhöhte Ergebnisvolatilität. Einbußen im Geschäft mit Windenergie glich der Versorger mit einem hohen Handelsergebnis aus.

RWE wird mit Ökostrom wetterfühliger

ab Düsseldorf

Die Transformation von RWE zum reinrassigen Ökostromanbieter sorgt für mehr Ergebnisvolatilität. Hatte der Konzern den Ausblick auf den laufenden Turnus erst vor zwei Wochen erhöht, förderte der Zwischenbericht die ganze Unwucht ans Licht. Die jenseits des Energiehandels als Kerngeschäft klassifizierten Geschäfte mit Wind, Sonne, Wasser Biomasse und Gas haben im ersten Halbjahr ein um 40 % geringeres operatives Ergebnis als im Vorjahr erwirtschaftet. Der Kälteeinbruch in Texas, der bei RWE zu Belastungen von 400 Mill. Euro führte, bescherte im Segment Onshore Wind/Solar sogar einen operativen Verlust von 42 Mill. Euro.

Der Energiehandel baute das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern (Ebitda) dagegen um über 60 % aus. Das reichte zwar nicht, um im Kerngeschäft ans Vorjahresniveau anzuknüpfen, doch zusammen mit den Gewinnen aus der Kohleverstromung und der Kernenergie konnte der Rückgang auf 5 % begrenzt werden. Dank eines um 453 Mill. auf 149 Mill. Euro verbesserten Finanzergebnisses, das im Wesentlichen von zwei Einmaleffekten gekennzeichnet war, landete das Nettoergebnis um gut 40 % über dem Vorjahreswert. Doch auch im bereinigten Nettoergebnis, das um das neutrale Ergebnis sowie wesentliche Sondereinflüsse im Finanzergebnis bereinigt ist, gelang ein Zuwachs auf 870 (i.V. 816) Mill. Euro.

Für das Gesamtjahr wird ein bereinigtes Ebitda von 3 bis 3,4 Mrd. Euro sowie ein bereinigtes Nettoergebnis zwischen 1,05 und 1,4 Mrd. Euro avisiert. Die Dividende soll wie zu Beginn des Jahres verkündet von 0,85 Euro auf 0,90 Euro steigen. Die Ausschüttung sei mittelfristig angelegt, sagte Finanzchef Michael Müller. Es gelte eine Balance zwischen Ausschüttungssumme und Investitionen zu finden. Zudem verteidigte Müller, dass RWE trotz der außergewöhnlichen Belastungen in Texas keinen Augenblick über eine Dividendenkürzung nachgedacht habe.

Der starken Abhängigkeit vom Wetter, die RWE neben dem Kälteeinbruch in Texas auch mit der Windflaute auf See und an Land zu spüren bekam, wolle RWE mit stärkerer Diversifikation begegnen, führte Vorstandschef Markus Krebber aus. Ohne dem für den 15. November festgesetzten Kapitalmarkttag vorgreifen zu wollen, gehe es dabei um Diversifikation, in technologischer wie auch in regionaler Hinsicht.

Angesichts der Häufung von Extremwetterereignissen müsse sich RWE auch mit Anpassungsfragen beschäftigen. Dabei gehe es zum einen um die Frage nach einem verbesserten Schutz für die Anlagen. Die jüngste Hochwasserkatastrophe hatte den Tagebau Inden lahmgelegt und wird den Konzern letztlich 35 Mill. Euro kosten. Zum anderen müsse auch darüber nachgedacht werden, wie Stromlieferverpflichtungen abgesichert werden könnten. Hintergrund dafür sind die Ereignisse in Texas. Dort hatte RWE aufgrund von Lieferverpflichtungen fehlende Strommengen am Spotmarkt für viel Geld nachkaufen müssen.

Den Umbau zum reinrassigen Ökostromanbieter will Krebber mit Verve vorantreiben. „Kapital ist nicht der Engpass“, sagte der RWE-Chef. Im ersten Halbjahr wurden 2 Mrd. Euro investiert, davon entfielen 90 % auf die Ökostromsparte. Das konnte problemlos aus dem Cash-flow finanziert werden. Im operativen Geschäft kamen auch dank Termingeschäften mit Strom, Rohstoffen und CO2-Zertifikaten 5 (1,2) Mrd. Euro zusammen. Die Nettoschulden verringerten sich auf 0,9 (4,4) Mrd. Euro.

RWE
Konzernzahlen nach IFRS
1. Halbjahr
in Mill. Euro20212020
Umsatz8 4486 475
Bereinigtes Ebitda1 7511 833
 Offshore Wind459585
 Onshore Wind/Solar− 42299
 Wasser/Biomasse/Gas297324
 Energiehandel525322
 Kohle/Kernenergie545310
Bereinigtes Ebit1 0421 113
Ergebnis vor Steuern fortgef. Geschäft      1 522      1 471
Nettoergebnis1 4321 013
Ber. Nettoergebnis870816
Free Cash-flow3 405248
Investitionen2 0041 040
Nettoschulden9034 432
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