Creditreform-Umfrage

Steigende Finanzierungskosten belasten Mittelstand

Höhere Kosten für Kredite und eine sinkende Nachfrage drücken die Stimmung im Mittelstand auf den tiefsten Punkt seit der Corona-Pandemie. Die Auskunftei Creditreform rechnet mit steigenden Insolvenzzahlen.

Steigende Finanzierungskosten belasten Mittelstand

Steigende Finanzierungskosten belasten Mittelstand

Creditreform rechnet mit mehr Insolvenzen – Weniger Unternehmen planen Investitionen

sar Frankfurt

Die mittelständischen Unter­nehmen in Deutschland spüren die Folgen von steigenden Kosten und sinkender Nachfrage, zeigt eine Umfrage der Auskunftei Creditreform unter 1.200 Mittelständlern. Der Creditreform Geschäftsklimaindex (CGK) als Indikator für die Stimmungslage rutschte mit einem Minus von 1,2 Punkten knapp in den negativen Bereich. In den vergangenen zehn Jahren war die Stimmung nur einmal schlechter – im Herbst 2020, während der Corona-Pandemie, lag das Minus bei 5,7 Punkten.

Der CGK errechnet sich aus den Einschätzungen der Betriebe zur aktuellen Situation sowie den Erwartungen bei Auftragseingängen, Umsätzen, Ertragslage und Personalsituation. In der aktuellen Befragung haben die Teilnehmer insbesondere die Geschäftslage schlecht bewertet, der Lageindex notiert bei minus 4,9 Punkten (Vorjahr: 8,1 Punkte).

„Massive Kostensteigerungen, hohe Zinsen und eine schwache Nachfrage belasten auch die kleinen und mittleren Unternehmen immer mehr. Damit steigt der Druck auf die Unternehmensstabilität“, resümiert Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.

Angespannte Auftragslage

Ihre Auftrags- und Umsatzlage bewerten die Mittelständler schwächer als im Vorjahr. So meldeten nur noch 25% (Vorjahr: 34%) ein Umsatzplus, 27% machten weniger Umsatz. Auch bei der Auftragslage herrscht in vielen Betrieben Flaute: Fast jeder dritte Befragte meldete einen Auftragsrückgang, nur knapp 18% verbuchten steigende Auftragsbestände.

Das drückt auch die Erträge, die bei jedem dritten Mittelständler rückläufig waren. Doch es gibt Anzeichen für vorsichtigen Optimismus. Der Saldo der Einschätzungen zur künftigen Ertragslage bleibt zwar mit einem Minus von 6,4 Punkten im negativen Bereich, die Erwartung ist aber weniger pessimistisch als vor einem Jahr (−18,5 Punkte).

Die Finanzierung vieler mittelständischer Unternehmen ist durch die Zinswende stark beeinflusst worden. 56% der Befragten sagen, dass sich die Finanzierungsbedingungen verschärft hätten. Nahezu alle Teilnehmer (97%) meldeten einen Zinsanstieg. Fast die Hälfte der Mittelständler berichtet, dass ihre Banken zudem strengere Anforderungen an Sicherheiten für Finanzierungen stellen (47%). Die hohen Finanzierungskosten und die verhaltenen Ertragserwartungen drücken die Investitionsbereitschaft der Mittelständler. Nur gut 38% der Umfrageteilnehmer planen zurzeit ein Investitionsvorhaben, das ist der niedrigste Stand seit fast 20 Jahren.

Aufschwung nicht in Sicht

Ein spürbarer Aufschwung bei der Wirtschaftslage ist nach Einschätzung von Patrik-Ludwig Hantzsch zurzeit nicht in Sicht. „Auch wenn die deutsche Wirtschaft wie prognostiziert im kommenden Jahr nicht mehr schrumpfen sollte, sind die Einschnitte der Krise doch erheblich und werden in den kommenden Monaten noch Folgen haben. Wir gehen deshalb auch von steigenden Insolvenzzahlen aus“, erläutert Hantzsch.

Im ersten Halbjahr 2023 hatte Creditreform 8.400 Unternehmensinsolvenzen registriert, ein Anstieg um 16,2% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allerdings liegt die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im historischen Vergleich immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau.

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