Börsengänge

Zwei Börsenkandidaten wagen sich aus der Deckung

Das Umfeld für Börsengänge hat sich aufgehellt. Goldman Sachs erwartet noch bis zu fünf IPOs aus Deutschland in diesem Jahr. Die beiden ersten werden voraussichtlich der Medikamentenverpacker Schott Pharma und der Panzergetriebehersteller Renk sein.

Zwei Börsenkandidaten wagen sich aus der Deckung

Zwei Börsenkandidaten sind in Sichtweite

Finanzkreise: Schott Pharma und Renk kurz vor Intention to Float – Goldman Sachs erwartet aktuell bis zu fünf deutsche IPOs

Von Christoph Ruhkamp, Frankfurt

Am IPO-Markt zeichnet sich die Wende zum Besseren ab. Mit dem Medikamentenverpacker Schott Pharma und dem Panzergetriebehersteller Renk geben voraussichtlich gleich zwei deutsche Unternehmen in den kommenden beiden Wochen mit der Intention to Float den Startschuss für ihren Börsengang, wie aus Finanzkreisen verlautet.

Die beiden Unternehmen werden es voraussichtlich nicht leicht haben. Im europäischen Durchschnitt ließ die Kursperformance der bisherigen IPOs zu wünschen übrig. Im Durchschnitt war es ein Kursminus von 3%. Dennoch muss es nach Einschätzung von Goldman Sachs nicht unbedingt zu hohen Preisnachlässen gegenüber schon notierten Wettbewerbern kommen. „Wenn das Marktumfeld weiterhin konstruktiv bleibt, erwarten wir für die zweite Jahreshälfte bis zu fünf mögliche Börsengänge aus Deutschland“, sagte Christoph Stanger, Chairman of Equity Capital Markets in der EMEA-Region bei Goldman Sachs in London, der Börsen-Zeitung. „Emittenten führen in der Regel umfangreiche Vorabgespräche mit Investoren, und der Markt schätzt zudem IPOs mit Cornerstone-Investoren und einem angemessenen Free Float, um Liquidität herzustellen.“

Nachfrage verschiebt sich

Stangers Kollege Philipp Süß, der das ECM-Geschäft in Deutschland und Österreich verantwortet, betont die Sektorverschiebung in der Nachfrage der Investoren: „Während im Jahr 2021 insbesondere Tech und künftiges schnelles Umsatzwachstum gefragt waren, stehen jetzt Geschäftsmodelle mit solidem, planbarem Cashflow im Vordergrund. Dies begünstigt Unternehmen aus den klassischen deutschen Industrien“, sagt Süß.

Auch nachdem gerade vier Tech-Firmen in den USA ihre Prospekte bei der SEC eingereicht haben, seien klassische deutsche Industrieunternehmen mit Cashflow an der Börse wieder gefragt, meint Malte Hopp, Head of ECM bei Citigroup in Deutschland. „Es überrascht nicht, dass Thyssenkrupp Nucera einer der Börsengänge mit der besten Performance im Jahr 2023 ist (+8% seit dem IPO). Ein Industrieunternehmen, das in der Welt des Megatrends der grünen Energiewende tätig ist, und ein Börsengang, der dazu diente, Geld für Wachstum einzusammeln.“

Des Weiteren beobachtet Hopp den Trend, dass sich vermehrt Cornerstone-Investoren engagieren, wie zuletzt bei den IPOs von Porsche oder Thyssenkrupp Nucera.

Eisbrecher für den IPO-Markt gesucht

Die Funktion als Eisbrecher für den IPO-Markt wird nun in der kommenden Woche von Schott Pharma erhofft. Der Medikamentenverpackungsspezialist aus Mainz ist eine Tochter des Spezialglaskonzerns Schott AG und produziert mit 4.700 Beschäftigten unter anderem Spritzen, Fläschchen, Ampullen und andere Verpackungen für die Pharmaindustrie.

Das Unternehmen profitiert von dem Trend, dass die Kunden aus der Pharmaindustrie immer mehr ihrer Medikamente in vorbefüllten Glasspritzen verkaufen – etwa bei Insulinen und mRNA-Therapien. Damit ist Schott Pharma gut positioniert für entsprechende Grippeimpfstoffe. Auch im neu entstehenden und stark wachsenden Markt für Antifettleibigkeitsmedikamente hat Schott Pharma Lieferverträge mit den führenden Herstellern aus den USA und Europa, Eli Lily und Novo Nordisk. Deren Abnehm-Spritzen stehen vor einem regelrechten Boom, da rund ein Siebtel der Weltbevölkerung als übergewichtig gilt. Auch das Geschäft beim deutschen börsennotierten Schott-Pharma-Wettbewerber Gerresheimer wird bereits von dem neuen Trend angeheizt.

Beim geplanten Börsengang könnte die Schott AG rund 30% der Anteile an Schott Pharma abgeben. Der Wert des Tochterunternehmens wird auf 3 Mrd. bis 4 Mrd. Euro geschätzt. Als globale Koordinatoren für das IPO wurden die Deutsche Bank, die Bank of America und BNP Paribas mandatiert.

Ähnlich wie Schott Pharma aufgestellte Unternehmen, die als vergleichbare börsennotierte Wettbewerber gelten, sind Stevanato aus Italien und West Pharma aus den USA. Der Kurs von Stevanato, die in den USA notiert ist, hat sich seit Dezember verdoppelt. Bei West Pharma ging es im selben Zeitraum um rund die Hälfte nach oben.

Triton will Renk an die Börse bringen

Gleichzeitig plant der Panzergetriebehersteller Renk den Startschuss für das IPO. Das Augsburger Unternehmen gehört dem Finanzinvestor Triton und wird mit rund 3 Mrd. Euro bewertet. Seit der „Zeitenwende“ mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine wird die Rüstungsindustrie an der Börse hoch gehandelt. Als globale Koordinatoren sind bei Renk Citigroup, Deutsche Bank und J.P. Morgan mandatiert.

Ein Selbstläufer werden die IPOs mit Sicherheit nicht. Die Aktivitäten in ganz Europa waren in den vergangenen zwölf Monaten sehr gedämpft. So wurden 2023 nur ein Dutzend IPOs durchgeführt, von denen sieben unter dem Emissionspreis notieren. Vor allem beim britischen Zahlungsdienstleister Cab Payments ging es nach dem IPO um 26% abwärts. Aber auch der Kurs der United-Internet-Hosting-Tochter Ionos sank seit dem IPO um 17%.

Die größten Börsengänge in Europa im laufenden Jahr und ihre Entwicklung.

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