Luftverkehr

Easyjet weist Offerte von Wizz Air zurück

Easyjet stärkt Bilanz und Liquidität mit einer Kapitalerhöhung um 1,2 Mrd. Pfund. Dabei hat die Airline das Jahreshoch ihrer Aktie im Mai verpasst und muss nun das bisherige Grundkapital um zwei Drittel aufstocken, um die Summe einzutreiben.

Easyjet weist Offerte von Wizz Air zurück

hei Frankfurt

Der britische Low-Cost-Carrier Easyjet hat ein komplett als Aktientausch konzipiertes Übernahmeangebot zurückgewiesen, das informierten Kreisen zufolge vom ungarischen Wettbewerber Wizz Air vorgelegt worden war. Wizz Air unterhält ein weitgehend auf osteuropäische Verbindungen ausgerichtetes und damit zu Easyjet komplementäres Netzwerk. Die Gesellschaft fliegt ähnlich wie Ryanair und im Gegensatz zu Easyjet eher Regionalflughäfen anstelle der Hauptknotenpunkte in Europa an und hoffte offenbar, von den zahlreichen hochwertigen Slots des Konkurrenten zu profitieren.

Das Easyjet-Management unter CEO Johan Lundgren lehnte die Offerte nach „eingehender Prüfung“ ab. Die Konditionen seien „unannehmbar“ gewesen, so Lundgren. Der Bieter habe mittlerweile erklärt, nicht länger interessiert zu sein. Wizz Air hat offenbar versucht, sich den Kursverfall der Easyjet-Aktie im laufenden Jahr zunutze zu machen, die seit ihrem Hoch im Mai rund 28% eingebüßt hat.

Gestern musste das Papier einen weiteren Kursrutsch verkraften, als Easyjet eine milliardenschwere Kapitalerhöhung in Höhe von rund einem Drittel der aktuellen Marktkapitalisierung ankündigte. Die Airline will mit der Ausgabe von gut 300 Millionen neuen Aktien – entsprechend 66% des gegenwärtigen Grundkapitals – netto 1,2 Mrd. Pfund einsammeln. Dabei sollen die Anteilseigner für 47 Altaktien jeweils 31 neue Pa­piere beziehen können. Der Bezugspreis wird auf 410 Pence je Aktie festgelegt und entspricht den Angaben zufolge einem Abschlag von 48% auf den Schlusskurs vom 8. September. Die Kapitalerhöhung wird vollständig von den begleitenden Banken BNP Paribas, Credit Suisse, Goldman Sachs, Santander und Société Générale garantiert. Größter Aktionär von Easyjet ist Firmengründer Stelios Haji-Ioannou, dem 26% zuzurechnen sind. Credit Suisse hält überdies selbst knapp 10%.

Die üppige Zufuhr an frischen Eigenmitteln soll dem Management zufolge der Stärkung der Bilanz und der Liquiditätsvorsorge dienen, für den Fall, dass die durch Covid-19 verursachten Reisebeschränkungen und Belastungen im Luftverkehr über den kommenden Winter nochmals zunehmen. Überdies rüste sich die Gesellschaft für „langfristige strategische Chancen und Investmentmöglichkeiten“, die sich nach der Krise ergeben sollten, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Ne­ben dem Ausbau des Geschäfts an hochwertigen Flughäfen in ganz Eu­ropa will Easyjet auch weiter in die Erneuerung der Flotte investieren, nachdem die Abnahme von 29 neuen Fliegern bei Airbus in der Krise aufgeschoben werden konnte. Derzeit umfasst die Flotte 330 Maschinen.

Easyjet hat im Zuge der Pandemie rund 5,5 Mrd. Pfund an Kapital über einen breiten Instrumentenkasten aufgenommen. Zusätzlich zur Kapitalerhöhung kündigte das Unternehmen auch die Aufnahme einer neuen Revolving Credit Facility über 400 Mill. Dollar an. Die Liquidität der Gruppe belief sich Ende Juni auf insgesamt 2,9 Mrd. Pfund, während die Nettoverschuldung mit 2 Mrd. Pfund angegeben wurde.

Der Low-Cost-Carrier hat über den Sommer von der sprunghaft gestiegenen Reisenachfrage in seinem paneuropäischen Streckennetz profitiert. Vor allem im britischen Heimatmarkt stieg die Kapazität im August schon auf 105% des Vorkrisenjahresmonats 2019, mit einer Auslastung von 82%. Im EU-Raum war die Kapazität mit 81% etwas geringer, die Auslastung aber sogar höher. Im vierten Geschäftsquartal insgesamt rechnet das Management mit einer Kapazität von 57% verglichen mit dem entsprechenden Quartal von 2019. Dies sei ein signifikanter Anstieg gegenüber dem Vorquartal. Im ersten Vierteljahr des Fiskaljahres 2022 plant Easyjet mit einer Kapazität von bis zu 60%.