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Knappheit treibt die Rally am Kupfermarkt an

Der Kupferpreis ist kräftig bis auf fast 10.000 Dollar geklettert. Analysten halten einen weiteren Anstieg bis auf 12.000 Dollar für wahrscheinlich. Eine der Hauptursachen der Rally ist die immer ausgeprägtere Knappheit des Angebots.

Knappheit treibt die Rally am Kupfermarkt an

Kupfermarkt

Knappheit treibt die Rally an

Von Dieter Kuckelkorn

Der Kupferpreis hat zuletzt eine beeindruckende Entwicklung gezeigt. Binnen eines Jahres hat sich das wichtigste Industriemetall um 17% verteuert, innerhalb eines einzigen Monats ergab sich zuletzt sogar ein Anstieg von 13%. Mit in der Spitze fast 10.000 Dollar je Tonne wurde kürzlich der höchste Stand seit zwei Jahren markiert. Und nach Ansicht vieler Analysten ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. So rechnen die Rohstoffexperten von Goldman Sachs für das kommende Jahr mit einem Niveau von 12.000 Dollar. Die Experten der Citigroup erachten sogar einen Anstieg auf 12.000 Dollar binnen drei Monaten für möglich.

Zurückführen lässt sich die Hausse bei Kupfer in erster Linie auf erhebliche Probleme auf der Angebotsseite, die einige Analysten sogar dazu veranlassen, von einer Krise zu sprechen: Es hat in den vergangenen Jahren einfach zu wenig neue Minenprojekte gegeben, wobei man sich bei Blackrock davon überzeugt zeigt, dass erst ab einem Preisniveau von 12.000 Dollar ausreichend neue Projekte auf den Weg gebracht werden.

Für die Nachfrageseite gilt, dass die Konjunktur im wichtigsten Verbraucherland China besser läuft als erwartet mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal um 5,3%. Vor allem aber hat China seine Kupferimporte enorm hochgefahren, und zwar im bisherigen Jahresverlauf um nicht weniger als 20% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig sind die Lagerbestände an der Börse in Schanghai auf den höchsten Stand seit dem Pandemiejahr 2020 geklettert. Ganz offensichtlich legt China hier Vorräte an für den kommenden Wirtschaftskrieg mit den USA. Neue amerikanische und britische Sanktionen gegen russische Metallexporte – auch hinsichtlich Kupfer – wurden erst kürzlich in Kraft gesetzt. Russland ist das sechstgrößte Anbieterland weltweit – ein zusätzlicher preistreibender Effekt der Sanktionen ist also zu erwarten, auch wenn deren Konstruktion diese Wirkung minimieren soll. Kupfer ist nur einer von vielen Rohstoffen, deren Preise anziehen, was auf die Inflation in den Industrieländern durchschlagen dürfte.

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