Im CFO-Interview:Thomas Kölbl, Südzucker

"Wir sind auf Geschäftsfeldern tätig, die auch künftig eine ausgeprägte Volatilität haben werden"

Südzucker will die zuletzt auf den Rekordwert von fast 2 Mrd. Euro gestiegenen Nettofinanzschulden mittelfristig auf 1,5 Mrd. und auf längere Sicht auf 1,2 Mrd. Euro zurückführen. Ein Grund sei, wie CFO Thomas Kölbl im Interview der Börsen-Zeitung sagt, dass man auf Geschäftsfeldern tätig ist, die auch künftig sehr volatil sein werden.

"Wir sind auf Geschäftsfeldern tätig, die auch künftig eine ausgeprägte Volatilität haben werden"

Herr Kölbl, die Nettofinanzschulden von Südzucker sind im Geschäftsjahr 2022/23 zum Bilanzstichtag 28. Februar um rund 400 Mill. auf 1,86 Mrd. Euro und bis zum Ende des ersten Quartals 2023/24 weiter auf 1,95 Mrd. Euro gestiegen – das ist im negativen Sinne ein Rekordwert. Wie kam es dazu?

Der Anstieg der Nettofinanzschulden ist im Wesentlichen auf den inflationsgetriebenen Aufbau des Working Capitals zurückzuführen, das 2022/23 um rund 700 Mill. auf 3,0 Mrd. Euro wuchs – vor allem durch den starken Anstieg des Zuckervorratsvermögens, den umsatzbedingten Anstieg der Forderungen und den Anstieg im Bereich Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe.

Im Vorstand von Südzucker ist man trotz dieser Erklärung nicht glücklich über die Entwicklung der Nettofinanzschulden. In der Bilanzpressekonferenz Ende Mai haben Sie und Vorstandschef Niels Pörksen betont, dass ein zentrales Finanzziel nun deren Verringerung ist. Können Sie konkreter werden?

Einerseits wollen wir die absolute Nettofinanzverschuldung mittelfristig von den zuletzt rund 1,9 Mrd. Euro auf deutlich unter 1,5 Mrd. zurückführen. Auf längere Sicht stelle ich mir 1,2 Mrd. Euro vor. Andererseits behalten wir natürlich auch die Relationen der Nettofinanzschulden zum Cashflow immer im Blick.

„Mittelfristig“ heißt aber wohl nicht im laufenden Geschäftsjahr, oder?

Wir erwarten für 2023/24 keine sinkende Nettofinanzverschuldung, doch ist das Geschäftsjahr noch lang, und ein entsprechendes Momentum vorausgesetzt, ist auch eine Reduzierung durchaus im Bereich des Möglichen.

Die längerfristige Rückführung der Nettofinanzschulden um ein gutes Drittel auf 1,2 Mrd. Euro klingt zunächst gut, doch in den acht Jahren bis zum Geschäftsjahr 2017/18 lag die Verschuldung von Südzucker noch deutlich tiefer. Was hat sich seit damals geändert?

Grundsätzlich ist der Südzucker-Konzern heute breiter aufgestellt und deutlich gewachsen. Zusätzlich kommen noch die erwähnten zusätzlichen temporären Finanzierungserfordernisse hinzu.

Was bedeutet Ihr Entschuldungsvorhaben für die entsprechenden Kennziffern?

Südzucker wird seit Anfang der neunziger Jahre von den Ratingagenturen beurteilt. Daher sind vor allem die ratingrelevanten Ratios für uns von hoher Bedeutung. Hierzu zählen vor allem die Relationen der Verschuldung gegenüber dem Cashflow und dem Ebitda. Aktuell erhalten wir von S&P ein Langfrist-Rating von „BBB-“, von Moody’s „Baa3“. Beide Ratings goutieren die Verbesserung dieser Ratios über die letzten Jahre. Auch unter Berücksichtigung des guten Ausblicks für das Geschäftsjahr 2023/24 haben daher beide Agenturen im Juni den Ausblick für das Rating von „stabil“ auf „positiv“ angehoben. Am Ende des Geschäftsjahres 2019/20 lag das Verhältnis aus Nettofinanzschulden und Cashflow noch bei 4,2. Zum Stichtag 28. Februar 2023 war dieser Quotient auf 2,0 gesunken. Für das laufende Geschäftsjahr gehen wir von steigenden Ergebnissen und einem höheren Cashflow aus. Bei einer sinkenden, ja selbst bei einer stabilen Nettofinanzverschuldung führt das dazu, dass die Verschuldungskennziffern das fünfte Jahr in Folge sinken werden.

Jetzt nehme ich mal die Gegenposition ein: Warum dieser Ehrgeiz, die Schulden zu drücken? Schließlich hat sich Südzucker in den vergangenen Jahren doch als relativ krisenfest und verlässlich Gewinne abwerfendes Unternehmen erwiesen. Da darf man doch auch Schulden haben.

Wir wollen aus zwei Gründen die Nettoschulden zurückfahren: Erstens sind wir auf Geschäftsfeldern tätig, die auch künftig eine ausgeprägte Volatilität haben werden. Bei aller Resilienz, die wir zum Beispiel in unserem Zuckergeschäft erreicht haben, müssen wir davon ausgehen, dass es Jahre geben wird, in denen die Ergebnisse in diesem Bereich auch wieder deutlich schwächer ausfallen werden. Das zeigt auch der Blick auf die vergangenen zehn Jahre. Niedrigere Ergebnisse und Cashflows würden dann Druck auf die Ratios ausüben. Zweitens stellen hohe Finanzschulden in Zeiten steigender Zinsen natürlich auch eine wachsende Kostenbelastung dar.  

Die Zuckerpackungen von Europas größtem Zuckerproduzenten sind aus nahezu allen Supermarktketten bekannt. Gleichwohl hat sich das Zuckergeschäft in den vergangenen Jahren als sehr volatil herausgestellt. Gegenwärtig sind die Zuckerpreise aber hoch. Foto: Südzucker AG

Das bringt uns zum Finanzierungstableau beziehungsweise zum Laufzeitenprofil von Südzucker. Wie sieht das aus?

Wir befinden uns derzeit in einer komfortablen Situation, da wir eine langfristige Zinsabsicherung haben – bis November 2025 gibt es keinen Refinanzierungsbedarf. Dann gilt es, eine fällige Anleihe über 500 Mill. Euro abzulösen, die mit 1% verzinst wird. Nach einer von uns für die nächste Zeit erwarteten Seitwärtsbewegung der Zinsen in der Eurozone gehen wir auf Sicht von zwei, drei Jahren von wieder rückläufigen Zinssätzen aus, so dass die Refinanzierung dieses Bonds zu günstigeren Bedingungen ausfallen könnte, als es derzeit möglich wäre.

Können Sie einen Durchschnittsprozentsatz nennen, mit dem sich Südzucker derzeit finanziert?

Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir konzernweit und über alle Schulden hinweg im Schnitt 1,7% Zinsen gezahlt. Durch die von Südzucker im Herbst 2022 ausgegebene Nachhaltigkeitsanleihe sowie durch die über unsere österreichische Tochter Agrana begebenen Schuldscheine mit Nachhaltigkeitskomponente wird dieser Satz im Geschäftsjahr 2023/24 nach unseren Kalkulationen auf etwa 2,7% steigen, da beide Emissionen einen vergleichsweise hohen Kupon haben.

Sprechen wir über die Nachhaltigkeitsanleihe. Wie ist sie ausgestaltet?

Es ist die erste Nachhaltigkeitsanleihe von Südzucker; sie wurde am 24. Oktober 2022 platziert. Das Volumen beträgt 400 Mill. Euro, der Kupon lautet auf 5,125% und die Laufzeit ist fünf Jahre. Die Anleihe wurde von Standard & Poor´s mit „BBB-“, also im Investment Grade, eingestuft.

Warum hat Südzucker eine solche Anleihe mit einer solch hohen Verzinsung emittiert?

Zum einen: Einen Großteil des Anleihevolumens haben wir vorab zinsgesichert, so dass die Nominalverzinsung nicht in die Kostensituation eingreift. Der Absicherungszins über die gesamte Laufzeit ist damit deutlich geringer. Der absolute Kupon entspricht dem vergleichbarer Emittenten mit vergleichbarer Bonität, die zu diesem Zeitpunkt platziert haben. Zum anderen ist Nachhaltigkeit Teil unserer Strategie; in dieses Ziel investieren wir auch viel Geld. Als wir entschieden hatten, einen Bond am Kapitalmarkt zu emittieren, war für uns schnell klar, dass wir da auch eine Nachhaltigkeitskomponente einbringen würden. In den Anleihebedingungen sind klare Ziele festgelegt, die bei einem Verfehlen auch Folgen haben: Wir haben uns mit dem Bond verpflichtet, die Scope-1- und Scope-2-THG-Emissionen – also den Kohlendioxidausstoß – bis zum 31. Dezember 2026 um mindestens 32% zu reduzieren. Das Basisjahr ist 2018. Gelingt uns das nicht, erhalten die Investoren eine Rückzahlungsprämie von 0,5%.

Apropos Investoren: Wie haben die reagiert?

Mit einer Nachhaltigkeitsanleihe sprachen wir natürlich eine viel breitere Investorenbasis an als mit einem konventionellen Bond, weil viele Fonds heute nur noch in ESG-Linked-Produkte gehen. Von der Dokumentation und der übrigen Arbeitsbelastung her war das zwar ein Wahnsinnsaufwand, der sich aber im Nachhinein betrachtet gelohnt hat – unter anderem hatten wir mit der Nachhaltigkeitsanleihe eine tolle Wahrnehmung bei den Investoren. Und dieses Framework können wir jetzt auch für weitere Instrumente nutzen.

Gibt es konkrete Pläne zur Emission eines weiteren ESG-Linked-Produktes?

Derzeit nicht. Aber das wird kommen. Auch weil wir davon ausgehen, dass es erstens mittel- bis langfristig kaum noch Investoren geben wird, die in klassische Kapitalbeschaffungsinstrumente ohne Nachhaltigkeitskomponente gehen werden, und demzufolge es zweitens auch kaum noch solche Emissionen mehr geben wird. Wir haben bei unserer jüngsten Schuldscheinemission durch Agrana gesehen, dass ESG-Kriterien mittlerweile von sehr vielen Investoren gefordert werden.

Wie würden Sie die Eigen- und Fremdkapitalstruktur von Südzucker beschreiben?

Als sehr robust. Das ist wegen der Schwankungsanfälligkeit des Geschäftes auch notwendig. So stehen uns bei der Fremdfinanzierung neben Anleihen und Schuldscheinen unter anderem noch Commercial Papers im Volumen von 600 Mill. Euro unbefristet zur Verfügung, die wir bei Bedarf jederzeit ausbauen können, sowie als Backup syndizierte Kredite über 1 Mrd. Euro.

Inwieweit finden Kleinanleger bei Ihren Kapitalmarktüberlegungen noch Berücksichtigung?

Kleinanleger sind für Südzucker schon immer eine wichtige und viel beachtete Gruppe gewesen, sowohl auf Eigenkapitalseite – trotz der Großaktionäre, die wir haben – als auch auf Fremdkapitalseite. Doch hier mussten wir bei unserer Nachhaltigkeitsanleihe der starken Regulierung Tribut zollen, denn wenn Sie eine Retail-Stückelung der Anleihe auf 1.000 Euro vornehmen wollen, haben Sie einen unglaublichen Dokumentationsaufwand, mit dem Sie sich höhere Risiken einhandeln. Das ist ein echter Zwiespalt für die Unternehmen. Auf der einen Seite will man die Kleinanleger nicht verlieren, aber auf der anderen Seite gibt es die rechtlichen Restriktionen, die – wenn man auch die Retail-Gruppe ansprechen will – zu enormen Mehrkosten führen. Um diese Frage gab es bei uns zu der Zeit, als es um die ESG-Anleihe ging, eine Riesendiskussion. Letztlich haben wir uns gegen die kleine Stückelung entschieden. Jede dieser Anleihen hat als Nennwert 100.000 Euro.

Hat es in jüngerer Zeit Verschiebungen in der Aktionärsstruktur gegeben?

Unser Großaktionär, die Süddeutsche Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft, in der die Rübenanbauer organisiert sind, hat in den vergangenen Jahren den Anteil auf 60,7% ausgebaut. Die Zucker Invest, die die österreichischen Anteilseigner der Raiffeisengruppe repräsentiert, hält 10,3%, so dass sich lediglich 29% der Aktien im Free Float befinden. Vor einigen Jahren waren es noch 35%. Die bestehende Aktionärsstruktur schützt uns vor Übernahmen und erleichtert uns die langfristige Planung.

Südzucker war 1996 Gründungsmitglied im MDax, stieg aber 2018 nach 22 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zu diesem Mid-Cap-Index in den SDax ab. Wie beurteilen Sie die Chancen, wieder in den MDax zurückzukehren, der mehr Aufmerksamkeit bringt?

Eher gering. Von Herbst 2022 bis Mitte Mai dieses Jahres hat die Südzucker-Aktie eine Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt gezeigt. Das hatte die Chancen auf eine Rückkehr in den MDax etwas erhöht. Seither ist der Kurs aber von knapp 19 Euro zurückgekommen und pendelt nun zwischen 16 und 17,50 Euro. Vor allem spricht aber unser relativ geringer Streubesitzanteil gegen einen Indexaufstieg; in dieser Hinsicht tut uns der um 6 Prozentpunkte gestiegene Festbesitz schon weh. Denn bei einer Marktkapitalisierung von etwa 3,5 Mrd. Euro zählt nach den Regeln der Deutschen Börse für die Indexrangliste nur der Free-Float-Börsenwert von knapp 1 Mrd. Euro. Das ist derzeit für einen Aufstieg in den MDax wohl zu wenig.

In der Zuckerproduktion wird viel Energie verbraucht. In den Monaten nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 ging der Preis für Erdgas zunächst durch die Decke. Nach einer Berg-und-Tal-Fahrt ist der Gaspreis inzwischen unter das Niveau gesunken, das er vor Beginn des Krieges hatte. Wie ist Südzucker in Bezug auf die Energieversorgung mit dieser Situation umgegangen?

Da muss ich etwas ausholen: Aufgrund der hohen Energieintensität unseres Geschäftes betreiben wir schon seit Jahrzehnten eine sehr langfristige Versorgungspolitik. Wir sichern uns die von uns benötigte Energie teilweise drei, vier Jahre im Voraus. Wir können das aber nur in bestimmten Bandbreiten machen, denn bei den Zuckerrübenernten gibt es Schwankungen von plus/minus 20%, die sich dann im Energiebedarf niederschlagen. In den Frontjahren haben wir Absicherungsquoten von bis zu 80%. Diese Quote fällt, je weiter man in die Zukunft geht. Nun brach der Ukraine-Krieg aus und die Preise für Erdgas gingen, wie Sie schon sagten, durch die Decke. Das sorgte dafür, dass die Kosten für die noch offenen Mengen – insbesondere für die Zuckerrübenkampagne 2022 …

… die üblicherweise Mitte bis Ende September beginnt und vor Weihnachten beziehungsweise Mitte Januar des Folgejahres endet …

… in die Höhe schnellten. Viel Geld hat auch verschlungen, dass wir unsere Fabriken so umgerüstet haben, dass sie bivalent, teilweise sogar trivalent in der Energieversorgung sind. Das heißt, dass sie sowohl mit Erdgas als auch mit Kohle oder sogar mit Heizöl als Energieträger arbeiten konnten. Dass wir unseren Energiebedarf vor Kriegsausbruch bereits zu vier Fünfteln abgesichert hatten, sieht man an den Zahlen für das Geschäftsjahr 2022/23 (28. Februar), aus denen hervorgeht, dass unsere Energiekosten nicht dramatisch gestiegen sind. Dank unserer langfristigen Absicherung mussten wir auch nicht panisch zukaufen. Heute sehen wir uns den Markt genau an und verfolgen weiter unsere Eindeckungsstrategie der ruhigen Hand.

Wie schätzen Sie den gegenwärtigen Erdgaspreis ein?

Das derzeitige Niveau des Gaspreises ist tief, und es wird nicht nachhaltig sein, insbesondere nicht in Deutschland. Denn die ganzen Alternativen wie LNG, Biogas und so weiter verschlingen auch aufgrund der ganzen Infrastruktur, die dafür aufgebaut werden muss, erst einmal viel Geld. Energie wird also definitiv teurer werden.

Der Südzucker-Konzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz um 25% oder 1,9 Mrd. Euro auf 9,5 Mrd. Euro gesteigert. Wie viel dieses Wachstums ist auf Preiserhöhungen und wie viel auf mehr verkaufte Menge zurückzuführen?

Da sollte man differenzieren: Im Segment Zucker ist das Umsatzplus ganz überwiegend preisbedingt. In den Segmenten Spezialitäten, Stärke, Frucht und Cropenergies entstand das jeweilige Wachstum dagegen aus einem Mix aus Preis- und Mengeneffekt. Konzernweit rührt der Umsatzzuwachs zu etwa 20 Prozentpunkten von höheren Preisen und zu rund 5 Prozentpunkten von einer größeren Verkaufsmenge her. Auch unsere Prognosen für das laufende Geschäftsjahr sind stark preisgetrieben.

Südzucker hat jüngst die Zahlen für das erste Quartal veröffentlicht und die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bereits zum zweiten Mal erhöht. Sind weitere Anhebungen wie im Verlauf von 2022/23 denkbar?

Wir hatten bereits im April den Markt darauf vorbereitet, dass mit einem sehr guten ersten Quartal zu rechnen ist. Dabei wurden unsere Erwartungen sogar noch übertroffen und führten zu einer weiteren Anhebung unserer Konzernprognose für das Gesamtjahr, die wir erstmals im Dezember 2022 veröffentlicht und im April 2023 bereits einmal nach oben angepasst hatten. Im ersten Quartal konnte der Konzernumsatz um 11% auf 2,5 Mrd. Euro gesteigert werden. Das operative Ergebnis stieg deutlich um 73% auf 282 Mill. Euro an. Für das Gesamtjahr erwarten wir nun einen Konzernumsatz von 10,4 bis 10,9 Mrd. Euro nach 9,5 Mrd. im vergangenen Geschäftsjahr. Das operative Konzernergebnis wurde von der bisherigen Bandbreite von 725 bis 875 Mill. Euro auf eine Bandbreite von 850 bis 950 Mill. Euro angehoben. Im Vorjahr lag der operative Gewinn bei 704 Mill. Euro. Auf Basis dieser Ergebnisverbesserung erwarten wir einen deutlichen Anstieg des Roce (Rendite auf das eingesetzte Kapital; die Red.), der 2022/23 bei 9,9% lag.

Jüngst hat das Landgericht Mannheim Südzucker, Nordzucker und Pfeifer & Langen in zwei Pilotverfahren zu Schadenersatz wegen mehrerer Jahre zurückliegender, verbotener Absprachen hinsichtlich Preisen, Mengen und Verkaufsgebieten verurteilt. Nestlé Deutschland stehen demnach rund 8,4 Mill. Euro und der Molkerei Alois Müller rund 6,3 Mill. Euro zu – jeweils plus Zinsen, die sich etwa auf die gleiche Höhe belaufen sollen. Werden Sie die Urteile akzeptieren? Wie steht Südzucker zu den Vorwürfen? Und was für Folgen werden die Urteile voraussichtlich für die rund 40 Kartellklagen verschiedener Lebensmittel- und Getränkehersteller haben, die noch am Landgericht anhängig sind? Es soll um Schadenersatzforderungen über insgesamt mehrere Hundert Millionen Euro gehen.

Vorab möchte ich betonen, dass wir nach wie vor der Auffassung sind, dass unseren Kunden kein Schaden entstanden ist. Der vollständige Text der Urteile liegt uns inzwischen vor und wird im Detail geprüft. Diese Prüfung ist noch nicht abgeschlossen, so dass ich Ihnen heute noch keine Ergebnisse mitteilen kann. Auch die Rechtsmittelfristen laufen derzeit noch. Insofern handelt es sich weiterhin um laufende Verfahren, die wir – wie gewohnt – nicht kommentieren wollen.

Das Zuckersegment steuerte 2022/23 etwa ein Drittel sowohl zum Konzernumsatz als auch zum operativen Konzernergebnis bei. Fühlen Sie sich mit dem Namen Südzucker eigentlich noch wohl? Auch die Beschreibung als Zuckerproduzent greift doch im Grunde zu kurz. 

Tatsächlich ist das ein Thema, das uns immer wieder bewegt, ist doch Südzucker heute mehr als ein reiner Zuckerproduzent, sondern vielmehr ein diversifizierter Ernährungskonzern. Andererseits ist Zucker unser Traditionssegment und Südzucker ist bekannt am Kapitalmarkt, bei den Kunden und in der Öffentlichkeit.

IM INTERVIEW: THOMAS KÖLBL

"Geschäft auch künftig volatil"

Der Finanzchef von Südzucker über die hohen Finanzschulden und die ESG-Anleiheemission

Südzucker will die zuletzt auf den Rekordwert von fast 2 Mrd. Euro gestiegenen Nettofinanzschulden mittelfristig auf 1,5 Mrd. und auf längere Sicht auf 1,2 Mrd. Euro zurückführen. Ein Grund sei, wie CFO Thomas Kölbl im Interview der Börsen-Zeitung sagt, dass man auf Geschäftsfeldern tätig ist, die auch künftig sehr volatil sein werden. Zudem erklärt der Finanzchef des Ernährungskonzerns, warum es auch mit Blick auf künftige Emissionen richtig war, im Vorjahr trotz des "Wahnsinnsaufwands" eine ESG-Anleihe zu emittieren.

Das Interview führte Martin Dunzendorfer. Eine ausführlichere Version finden Sie auf der Website der Börsen-Zeitung.