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Geld oder Brief
Von Gottfried Mehner, Hamburg

Auch in Dänemark hängen die Börsianer an den althergebrachten Firmierungen. Insofern heißt der blaueste der Blue Chips dort weiter "A.P. Møller" und nicht wie in den Kurslisten "Maersk". Die mit Abstand größte dänische Industriegruppe, zu der nicht nur die weltgrößte Containerreederei "Maersk Line", Tanker, Hafenterminals, die wesentlichen dänischen Öl- und Gasaktivitäten sowie ein breit diversifiziertes Beteiligungsportfolio (Danske Bank bis Dansk Supermarket) gehören, präsentierte vergangene Woche überragend gute Zahlen. Ausschlaggebend dafür waren deutliche Verbesserungen im Containersegment.

Reihenweise setzten die Analysten ihre Einschätzungen hoch und erhöhten überwiegend ihre Kursziele. Egal ob Standard & Poor's Research, Danske Markets, DnB Nor, Nordea, Société Générale oder die Jyske Bank. Und was passiert? Seit einer Woche gibt es nur noch eine Richtung: abwärts. Ein kollektives "Sell on good news"?

In Wochenfrist wurde die Aktie um über 13 % leichter, wobei darauf hingewiesen werden muss, dass es auf einem verflixt hohen Niveau bröckelt: Die A- und B-Aktien notieren bei einem Kurs von 43 060 dkr bzw. 44 500 dkr - Letzterer entspricht 5 975 Euro. Das sind die schwersten Brocken auf dem Kurszettel in Kopenhagen. Der Konzern umfasst viel dänisches "Best of" und wird gegenwärtig mit 84,7 Mrd. dkr bewertet, umgerechnet sind das knapp 25 Mrd. Euro.

Im Vergleich zum maßgeblichen Index, dem OMX Copenhagen 20, zuckelte Maersk aber zuletzt deutlich hinterher, egal, ob man den Dreimonats- oder den Sechsmonatsvergleich heranzieht. Kein anderes Bild ergibt sich selbst im 52- Wochen-Vergleich. Der OMX 20 legte hier um 19,1 % zu. Maersk schaffte nur 13,9 %.

Man hätte gewarnt sein können. Schon an dem Tag als das weit über den Erwartungen liegende Halbjahresergebnis von 2,5 (Vorjahr: minus 0,5) Mrd. Dollar präsentiert wurde, hatte die Notiz der B-Aktien um 2,7 % auf damals noch 47 640 dkr nachgegeben. Die Börse zeigte sich völlig unbeeindruckt davon, dass der Ausblick für das Gesamtjahr weiter auf 4 (zuvor 3,5) Mrd. Dollar und damit auf ein absolutes Vorkrisenniveau hochgesetzt worden war. Es war die zweite Gewinnanhebung in gut einem Monat.

Überragende Stellung

Aufgrund der überragenden Stellung von Maersk, die weltweit über 500 Frachter unter ihrem siebenzackigen Stern - der die sieben Weltmeere symbolisiert - in Fahrt hat, war es danach quasi amtlich, dass sich die Situation in der Containerschifffahrt grundlegend verbessert hatte. Damit erhielten die positiven Trendaussagen von anderen Großreedereien wie NOL, Cosco und Hapag-Lloyd noch mehr Tiefgang. Das hätte die Märkte eigentlich beeindrucken müssen. Schließlich war Maersk im Vorjahr mit einem Verlust von 1,02 Mrd. Dollar in das bislang tiefste Wellental seit Bestehen gerauscht. Bei der dänischen Wirtschaftspresse kam die Botschaft übrigens voll an. Sie reagierte geradezu euphorisch auf die Zahlen. "Maersk spinnt Gold aus höheren Frachtraten" titelte etwa die dänische "Borsen" in ihrer Online-Ausgabe.

Die Jubelstimmung schwappte aber nicht auf die Börse über. Das könnte möglicherweise daran gelegen haben, dass bei der Maersk-Präsentation das hässliche Thema "Double Dip" etwas zu stark nach oben kam. Vielleicht lag das auch an einer Ungeschicklichkeit von Konzernchef Nils Smedegaard Andersen selbst. Er hatte etwas zu aufreizend darauf hingewiesen, dass die gute Sicht nur bis ins dritte Quartal reiche. Das vierte Quartal könne man noch nicht übersehen. Sein Kommentar zum Treiben der Börse fiel denn auch etwas nonchalant aus: Die wollen halt immer "mehr".

Etwas ging dabei die Aussage unter, dass, egal was auch komme, Maersk mit einer engmaschigen Kostenkontrolle und dem Fokus auf zufriedene Kunden auch einen erneuten Rückschlag abwettern könne. Ein Blick auf die Eigenkapitalquote, die sich nach einer Kapitalerhöhung in ruppigem Umfeld auf 47,8 (44,3) % verbesserte, lässt andere Reedereien wie bilanzielle Habenichtse erscheinen. Dies kommt nicht von ungefähr. Maersk war ganz zentral in den Aufbau der nationalen dänischen Offshore-Aktivitäten in der Ölförderung involviert und konnte aus dieser Sparte reichlich Windfall Profits einstreichen. Im ersten Halbjahr war im Shipping eine Kapitalrendite (ROIC) von 14 (-11) % zustande gekommen, während sie im Energiebereich 36,1 (20,4) % erreicht hatte. Diese Reederei hat eine eigene Gelddruckmaschine.

Selbst das brachte die Börse nicht auf Touren. Vielleicht waren die weiteren Aussichten einfach zu vorsichtig formuliert. Möglicherweise bekamen die Märkte auch ein weiteres Kostensenkungsprogramm von 500 Mill. Dollar in den falschen Hals. Warum denn sparen, wenn die Frachtmärkte doch zurückkommen? Hinzugesetzt worden war, dass, wenn man sich noch in den Kostenstrukturen des Jahres 2007 bewegt hätte, nichts im Ergebnis angekommen wäre. Dafür gesorgt, dass es anders wurde, hatten die Effizienzsteigerungsprogramme "Stream Line" und "Project One".

Die Jyske Bank blieb bei ihrer Akkumulieren-Empfehlung. Kurzfristig gebe es bei Maersk zwar eine erhebliche Unsicherheit. Aber langfristig sei Maersk unverändert ein gutes Investment. Das Kursziel wurde aber von 55 000 auf 52 000 dkr gesenkt, weil kurzfristig der Neuigkeitenstrom wohl schwieriger werde. Den fairen Wert sieht die Jyske Bank irgendwo zwischen 66 000 bis 81 000 dkr.

Der entscheidende Vorteil von Maersk ist, dass man die irrwitzigen Neubauorgien der anderen nicht mitgemacht hat. Das Orderbuch umfasst relativ moderate 20 % der vorhandenen Flotte. Auf Marktveränderungen kann bei den eingecharterten Schiffen reagiert werden. Und Maersk kann als Marktführer mit einer wirklich weltumspannenden Organisation am ehesten die Preise weiter erhöhen. Wer etwas für die Schifffahrt übrig hat, sollte die schwachen Kurse bei Maersk zu Käufen nutzen.

Börsen-Zeitung, 27.08.2010, Autor Gottfried Mehner, Hamburg, Nummer 164, Seite 17, 835 Wörter

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