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Redaktion

Bank der grünen Generation schafft die Grundlage, um mit sinnstiftendem und zugleich wirtschaftlich erfolgreichem Banking im Wettbewerb zu bestehen

Im Jahr 2015 haben sich 193 Länder unter umfangreicher Beteiligung von NGOs (Nichtregierungsorganisationen), der Bürgerschaft und des Privatsektors auf das bislang größte Weltprojekt in Sachen Nachhaltigkeit verständigt: die Agenda 2030. Mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals (SDG), zielt sie langfristig auf tragfähigen Wohlstand für alle. Die Agenda hat keinen Gesetzescharakter, ihr Erfolg hängt vom Verantwortungsverständnis und dem guten Willen aller Akteure ab. Dazu zählt insbesondere die Finanzmarktbranche als wesentlicher Hebel zur Erreichung der definierten Nachhaltigkeitsziele bis zum Jahre 2030.

Als demokratisch legitimiertes Weltprojekt in einem freiheitlichen Kontext ist die Verfolgung der SDG eine dringende, aber zwanglose Empfehlung. Sie setzt auf die Einsicht der Menschen und ihre Fähigkeit, das Gute zu erkennen. Die SDG sind ein Angebot an alle, ihre gewohnte Richtung entscheidend zu ändern und die Straße der Nachhaltigkeit zu befahren. Der jeweilige nationale Ordnungsrahmen sorgt dabei für Wettbewerb, vor allem durch Transparenz bei den einzelnen Nachhaltigkeitsleistungen. Um diesen Wettbewerb weiter voranzutreiben, sind standardisierte Transparenzforderungen und -regulierungen auf supranationaler wie auf nationaler Ebene sinnvoll.

Die CSR-Richtlinie auf EU-Ebene ist eines der begrüßenswerten Beispiele, wie die Grundlage für ergänzenden Wettbewerb jenseits der bekannten pekuniären Größen befeuert werden kann. Die Existenz und die Gültigkeit der SDG belegen eindrücklich, dass unsere globale Ordnung nichts weniger als einen vollständigen Paradigmenwechsel vollzieht. Ein Paradigmenwechsel, der die isolierte Betrachtung finanzieller Größen zukünftig nicht mehr zulassen wird.

Der Mensch ist in diesem Paradigma in das große Ganze aus physischer Umwelt, sozialer Struktur und geistiger Verbindung integriert. Er wird nicht mehr nur als konsumierendes oder investierendes Individuum verstanden, dessen Wohlbefinden aufs Engste mit dem Umfang seiner Konsumoptionen verbunden ist. Ganzheitliches Denken in Systemen, in einem Nexus von sich wechselseitig beeinflussenden Herausforderungen, ist nicht nur in der Wissenschaft zum State of the Art geworden. Nein, es erfasst auch die Finanzmärkte und ihre Spielregeln.

Ein Indikator für die langfristig umwälzenden Veränderungen sind die zahllosen Initiativen auf politischer Ebene, aber auch aus der Privatwirtschaft. Die G 20-Staaten riefen 2016 die heute als Sustainable Finance Study Group bezeichnete Expertenrunde ins Leben. Zu ihrem ersten Treffen in China verstand die von Vertretern der Zentralbanken initiierte Gruppe sich noch als Green Finance Study Group. Der erste Fokus auf Umweltaspekte in globalen Finanzmärkten war klar sichtbar. Es folgte im selben Jahr durch die Europäische Kommission die Gründung der High-Level Expert Group on Sustainable Finance, die bereits einen umfangreichen Empfehlungskatalog vorgelegt hat. Neben der Notwendigkeit eines Klassifikationsrahmens für nachhaltige Finanzmarktprodukte, offizieller Nachhaltigkeitsstandards der EU und einer Verankerung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Finanzmarktaufsicht liegt der Fokus auch auf Veröffentlichungspflichten und Informationsmöglichkeiten für Privatanleger. Dies ist ein klares Bekenntnis zu transparentem Wettbewerb um gute Nachhaltigkeitsperformance.

Im März präsentierte die Europäische Kommission ihren Aktionsplan Financing Sustainable Growth. Dessen erklärtes Ziel ist es, nachhaltige Investitionen weiter anzuregen und Risiken aus Klimawandel, Umweltzerstörung und sozialen Herausforderungen zu begegnen. Auch ein Label für ökologische Investmentfonds und europäische Standards für grüne Anleihen stehen auf der Agenda.

Wenn auch der EU-Aktionsplan zum Thema Nachhaltigkeit mit all seinen Facetten das Verständnis eines Nexus noch nicht ganzheitlich genug abbildet, zeigt er dennoch die Zeichen der Zeit auf: Es ist politischer Wille auch in Europa, nachhaltiges Investment mit einem wettbewerbsförderlichen Rahmen zu versehen und Bezüge zum Weltprojekt Agenda 2030 herzustellen. Dementsprechend ist es nur eine Frage der Zeit, bis der ordnungspolitische Rahmen in nationalen und globalen Finanzmärkten zur Förderung eines an die SDG angelehnten Nachhaltigkeitsverständnisses konvergiert.

Ökologische, soziale und wohlfahrtsstaatliche Herausforderungen werden in Zukunft immer öfter berücksichtigt werden, ebenso wie die als Selbstverständlichkeit normierte Grundethik unserer Gesellschaften. Dazu gehören unter anderem die UN-Charta der Menschenrechte, die EU-Grundrechtscharta und nationale Verfassungen. Erste Samenkörner für diese Veränderungen sind in Europa bereits gepflanzt, beispielsweise mit der Petition 0429/2017 zur Verpflichtung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf die EU-Grundrechtscharta.

In New York tagte Ende April das ECOSOC Forum on Financing for Development der Vereinten Nationen unter Beteiligung von Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und Vertretern der UN-Mitgliedstaaten. Hier ging es um nichts Geringeres als den globalen Finanzierungsrahmen für die Umsetzung der SDG und die Frage, wie die gesamte Weltwirtschaft die Umsetzung der Agenda 2030 unterstützen kann. Die Investitionsvolumina, die hierfür innerhalb der kommenden zwölf Jahre nötig sind, bewegen sich im Billionenbereich. Neben den positiven Effekten für die Menschheit wirken diese Investitionen wie nachhaltigkeitsfördernde Weltkonjunkturprogramme, die wiederum private Investitionen in den SDG-bezogenen Bereichen anregen werden.

Die aufgezeigten Entwicklungen sind strategisch für alle Geschäftsbanken relevant, nicht nur für die UmweltBank. Sie werden genauso wenig von der Agenda verschwinden wie die Entwicklungen rund um das Thema Digitalisierung. Beides sind Megatrends unserer globalen Gesellschaft. Die UmweltBank hat die Weichen diesbezüglich bereits gestellt. In einer umfassenden Analyse unter Beteiligung externer Stakeholder und der Mitarbeiter hat die Geschäftsleitung die optimale strategische Verbindung aus Handeln im Sinne der SDG und langfristiger Ertragskraftsicherung identifiziert. In der diesjährigen Hauptversammlung werden Vorstand und Aufsichtsrat den Empfehlungen des Umweltrats, des unabhängigen ökologischen Kontrollgremiums der Bank, folgen und den Aktionären vorschlagen, diese Verbindung in der Präambel der Satzung festzuschreiben. Damit setzt die UmweltBank nicht nur ein Zeichen, sondern schafft auch die Grundlage, um mit sinnstiftendem und zugleich wirtschaftlich erfolgreichem Banking im Wettbewerb zu bestehen.

Das erklärte und in der Satzung verankerte Ziel wird dann die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft sowie der Erhalt und die Schaffung einer lebenswerten Welt für kommende Generationen sein. Als Bank der grünen Generation orientiert sich die UmweltBank bei ihrer Geschäftstätigkeit an den SDG der Vereinten Nationen. Insbesondere leistet sie Beiträge zur Verwirklichung von nachhaltigen Städten und Gemeinden, zur Gewinnung von sauberer und bezahlbarer Energie sowie zum Klimaschutz. Die Beachtung von nachhaltigen Produktionsbedingungen, nachhaltigem Konsum und die Gleichbehandlung der Geschlechter sind dabei selbstverständlich. Als handlungsleitende Werte dienen Ehrlichkeit, Transparenz und Menschenorientierung. Damit wird klar, welche Nachhaltigkeitsstrategie die Geschäftsleitung dauerhaft verfolgt und wovon sie in Zukunft auch jenseits pekuniärer Ertragsgrößen berichten wird.

Harald J. Bolsinger, Dekan der Fakultät Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und Umweltratsmitglied der UmweltBank AG und Goran Basic, Vorstandsmitglied der UmweltBank AG in Nürnberg

Börsen-Zeitung, 12.05.2018, Autor Harald J. Bolsinger, Dekan der Fakultät Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und Umweltratsmitglied der UmweltBank AG und Goran Basic, Vorstandsmitglied der UmweltBank AG in Nürnberg , Nummer 90, Seite B 4, 968 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018090812&titel=Ertragreiche-Zukunft-nur-nachhaltig-moeglich
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