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Redaktion

Finanzdienstleister müssen Kernbanken-Systeme mit schnellen Entwicklungszyklen vereinen
Thomas Pischke

Gründer der Trade Republic Bank GmbH

Im Zuge der digitalen Transformation von Finanzdienstleistungen und Bankprodukten liegt die wohl größte Herausforderung in der IT-Infrastruktur. Dabei kooperieren Fintechs verstärkt mit etablierten Playern.

Die Grundherausforderung für Finanzdienstleister besteht darin, zuverlässige Kernbanken-Systeme, die komplette Geschäftsprozesse wie den Kauf eines Wertpapiers abarbeiten, mit schnellen Iterationszyklen auf der Produktseite zu verbinden. Statt ein Projekt erst nach mehreren Jahren Entwicklung hinter verschlossener Tür für den Kunden freizugeben, liegt einer der wesentlichen Vorteile digitaler Geschäftsmodelle, wie bespielweise mobiles Banking oder Brokerage, darin, das Feedback der Kunden kontinuierlich in den Entwicklungsprozess einfließen zu lassen. So kann die Weiterentwicklung eines Produkts, von der Kontoeröffnung bis zur Transaktionsabrechnung, im direkten Dialog mit den Kunden erfolgen - und diesen so auch schneller zugänglich gemacht werden.

Was in der Theorie einfach klingt, birgt in der Praxis vielfältige Hürden - nicht nur in der IT, sondern auch in den Bereichen Regulatorik, Compliance und Operations. Bewährte Kernbanken-Prozesse, die das gesamte Spektrum der Dienstleistungen unterstützen, und das Konzept des MVP (Minimum Viable Product), das nur die wichtigsten Funktionen ausführt und stetig um weitere Features ergänzt werden kann, lassen sich nicht ohne Weiteres verbinden. Auf der Suche nach Lösungsansätzen entkoppeln derzeit sowohl Fintechs als auch die etablierten Banken in der Regel Kernbanken-Prozesse von der agilen Produktentwicklung, indem sie die einzelnen Teilsysteme der IT als Services mit standardisierten Schnittstellen entwickeln und nach dem Prinzip der Modulbauweise anordnen. Für ein neues Kundenprodukt kann so aus einer bestehenden Anzahl an Kernprozessen der notwendige Backbone zusammengestellt werden.

Fintechs und Banken gehen hierzu unterschiedliche Wege. Die Berliner Digitalbank N26 ist ein Beispiel für innovative Lösungen im Finanzsektor. Zu den Treibern ihres digitalen Geschäftsmodells zählen auch Kooperationen mit anderen Fintechs. Diese sorgen dafür, dass N26 ihre Produktpalette in einer bislang kaum gesehenen Geschwindigkeit erweitern kann. So kooperiert N26 seit drei Jahren mit dem britischen P2P-Lending-Dienst Transferwise, ebenfalls ein Fintech-Einhorn, und kann zusammen mit diesem Partner Auslandsüberweisungen günstiger anbieten.

Die großen Banken wollen den Herausforderern jedoch keineswegs kampflos das Feld überlassen. Beispiele aus dem angelsächsischen Raum sind Goldman Sachs' Privatkunden-App Marcus, die die New Yorker Investmentbank nach ihrem Gründer benannt hat, oder auch Bó, eine Digitalbank der Royal Bank of Scotland, die in diesem Jahr starten und den beliebten UK-Neobanken Monzo und Starling Bank Konkurrenz machen soll. Banken nutzen hierfür vor allem Innovationszentren. Dort arbeiten die Programmierer insbesondere an der Weiterentwicklung der Banken-Front-Ends zum Kunden; strukturell werden diese Prozesse so vom langwierigen Umbau der Kernbanken-Systeme gelöst.

Diese Beispiele von Fintechs und etablierten Geldhäusern veranschaulichen nicht nur die zunehmende Konkurrenz zwischen Fintechs und Banken, sondern auch den Trend, Kooperationen einzugehen.

Wie schwierig die Kooperation von Konzernen und Start-ups aber immer noch sein kann, zeigt sich, wenn es an die tatsächliche Umsetzung der Projekte geht. Während große Banken mit festen Testabläufen und geplanten Projektzeiträumen arbeiten, erwarten Fintechs eine agile Projektorganisation, die sich laufend neuem Bedarf anpasst, ständig erreichbare Testsysteme sowie standardisierte Schnittstellen und Prozesse. Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC von 2018 empfinden 78% der befragten Fintechs die Dauer zum Go-live eines Produkts, das in Kooperation mit einer Bank entstanden ist, als besonders langsam. Bei den Banken hingegen gaben nur 33% der Befragten an, dass die Prozesse langwierig seien: "Bei den Banken dauert die Entscheidungsfindung manchmal besonders lange, wenn Compliance-Aspekte und regulatorische Hemmnisse zu Problemen führen könnten. Bei den Fintechs ist häufig mangelnde Manpower der Grund für eine Verzögerung der Prozesse." Ein erfolgreiches Kooperationsprojekt benötigt beides - eine solide Basis aus Systemen und Prozessen und ein Front-End-System, das sich schnell anpassen lässt.

Eine besonders große Chance für ein erstrebenswertes Ökosystem von Fintechs und Banken liegt im Bereich der API-Plattformen. APIs (Application Programming Interfaces) sind Programmierschnittstellen, über die neue, eigenständige Software-Systeme an bestehende Systeme angeschlossen werden können, ohne Änderungsaufwand an den bestehenden Systemen zu verursachen. Produkte von Fintechs oder Banken können so einzelne Bank-Dienstleistungen, zum Beispiel die Verwahrung von Kundengeldern, standardisiert und selbständig einbinden. Langwierige Integrations- und Transformationsprojekte sind dadurch nicht mehr nötig. Auf diese Weise kann das Ziel erreicht werden, an die stabil laufenden Kernprozesse immer wieder neue Produkte und Dienstleistungen anzubinden, die im Wandel der Finanzindustrie seitens der Kunden gewünscht werden. Einige Banken haben dieses besondere Modell zu ihrem Kerngeschäft gemacht. Zu den wohl bekanntesten deutschen Plattformanbietern gehören die Solaris Bank, die Fidor Bank, sowie Figo als reiner Middleware-Anbieter.

Eine der größten Herausforderungen im API-Bereich ist hingegen, dass viele Banken (noch) nicht bereit sind, APIs in ihre eigenen IT-Systeme zu integrieren. So entwickeln einige Geldhäuser derzeit eigene API-Plattformen, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Zu einer echten Disruption - und einer damit einhergehenden Konsolidierung im Banken- und Fintech-Sektor - könnte es daher dann kommen, wenn ein Fintech oder eine Bank es schafft, Kernbanken-Systeme mit den schnellen Entwicklungszyklen auf Kundenseite zu vereinen, ohne dabei auf externe Partner angewiesen zu sein. Dabei wird es vor allem auch auf agile Entscheidungen und die Bereitstellung entsprechender Entwicklungskapazitäten ankommen.

Börsen-Zeitung, 07.03.2019, Autor Thomas Pischke, Gründer der Trade Republic Bank GmbH, Nummer 46, Seite B 10, 796 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019046803&titel=Die-Zukunft-gehoert-flexiblen-IT-Loesungen
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