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Konsumgüterkonzern senkt zum zweiten Mal die Jahresziele für 2019 - CEO Hans Van Bylen gerät unter Ablösungsdruck
Auffällig nervös reagiert Henkel-Chef Hans Van Bylen auf Fragen nach seiner Zukunft an der Spitze des Konsumgüterkonzerns. Nach der zweiten Prognoseanpassung in diesem Jahr ist der Aktienkurs zum zweiten Mal abgestürzt. Den weltweit größten Klebstoffhersteller belastet die kleinste Sparte - das Kosmetikgeschäft.

cru Frankfurt - Henkel-Vorstandschef Hans Van Bylen hat nach einem enttäuschenden Quartal das Jahresziel gesenkt und damit die Investoren gegen sich aufgebracht. Insbesondere das Geschäft mit Haar- und Hautpflege habe schlechter abgeschnitten als erwartet. Beim organischen Umsatzwachstum erwartet der Konsumgüterkonzern und weltweit größte Klebstoffhersteller nun noch ein Plus von 0 bis 2 %. Zuvor hatte Van Bylen noch ein Plus von 2 bis 4 % in Aussicht gestellt.

"Henkel ist nicht in der Krise", betonte der Manager in einer Telefonkonferenz anlässlich der Halbjahresbilanz. "Wir haben die richtige Strategie." Doch auf die mehrmalige Frage, ob die Familie Henkel trotz der sich verschlechternden Entwicklung fest hinter ihm stehe, hüllte sich Van Bylen, der den Konzern seit Mai 2016 führt und auch Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie ist, in hartnäckiges Schweigen.

"Die Misere setzt sich fort", urteilen die Analysten von Jefferies. "Die neue große Frage ist, ob die anhaltend schrecklichen operativen Ergebnisse zu dramatischen Veränderungen (wie einem Wechsel im Management oder einer strategischen Prüfung des Kosmetikgeschäfts) führen, was wir kurzfristig nicht erwarten", erklärte Andrew Wood, Branchenexperte bei Bernstein.

Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie von Henkel wird im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich stärker schrumpfen als bislang erwartet - nämlich im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich.

Der Kurs der Henkel-Aktie sackte am Dienstag in der Spitze um 8,1 % auf 84,42 Euro ab und bildete das Schlusslicht im Dax; es war der tiefste Stand seit Anfang Juli. Der Börsenwert des Konzerns, der zu 61 % der Familie Henkel gehört, hat sich damit binnen zwei Jahren um ein Drittel auf gut 15 Mrd. Euro reduziert. "Der hohe Abschlag in der Bewertung gegenüber den Konkurrenten bleibt das einzige Argument dafür, die Henkel-Aktie zu halten", kommentiert Warburg-Analyst Jörg Philipp Frey. Das Unternehmen erwartet nun - anders als zunächst angekündigt - keine Belebung der industriellen Nachfrage nach Klebstoffen. Henkel hat im Klebstoffsegment ein starkes Standbein in der kriselnden Automobilindustrie. Hinzu kommt der scharfe Wettbewerb im Endverbrauchergeschäft mit Absatzschwierigkeiten in der Schwarzkopf-Shampoo-Sparte in China. Das Massengeschäft mit Shampoos und Duschgels in der Kosmetiksparte schwächelt indes schon seit vielen Quartalen.

Neue Kosmetikmanagerin

Henkel reagierte darauf im Mai mit einer personellen Neubesetzung: Katharina Herzog übernahm zum 1. Juli die Leitung des Kosmetik-Retailgeschäfts in Deutschland. Die 41-jährige Managerin kommt vom Wettbewerber L'Oréal, wo sie seit 2017 den Vertrieb der Markenartikel (Garnier, Maybelline, Essie, L'Oréal Paris) in Deutschland verantwortete.

Mit verstärkten Anstrengungen im Vertrieb versucht Henkel, sich gegen den weltweit größten Konsumgüterhersteller Procter & Gamble zu behaupten. Doch im Vergleich sieht der Düsseldorfer Konzern nicht sonderlich gut aus: Procter & Gamble meldete ein organisches Umsatzwachstum um 7 %, Dax-Kollegin Beiersdorf blieb beim Wachstumstempo etwas unter dem rasanten Jahresstart, schlug sich aber solide. L'Oréal wuchs im höheren einstelligen Prozentbereich, blieb allerdings beim Ergebnis unter den Erwartungen. Reckitt Benckiser musste sein Wachstumsziel etwas zurücknehmen.

Laut Goldman-Sachs-Analyst John Ennis ist zumindest die Margenentwicklung von Henkel bei den Klebstoffen - trotz der schlechten Umsatzentwicklung - besser als erwartet ausgefallen, vor allem im Vergleich zur Kosmetik. Die Prognose für die bereinigte Umsatzrendite des Gesamtkonzerns bekräftigte Henkel mit 16 % bis 17 % - allerdings waren es 2018 noch 17,6 %.

Van Bylen will mit zusätzlichen Investitionen von rund 300 Mill. Euro im Jahr bei Henkel Wachstum sichern und die Digitalisierung vorantreiben. Die erhöhten Ausgaben werden die Umsatzrendite 2019 aber erstmals seit 2014 wieder schrumpfen lassen.

Im zweiten Quartal stagnierte der Umsatz bei 5,1 Mrd. Euro, organisch musste das Unternehmen einen Rückgang von 0,4 % hinnehmen. Das renditestarke Klebstoffgeschäft verbuchte ein organisches Umsatzminus von 1,2 %, doch wurden im Bereich das Ergebnis und die viel beachtete Umsatzrendite leicht gesteigert.

Haarpflege geht zurück

Die Haar- und Hautpflegesparte musste ein Umsatzminus von 2,4 % hinnehmen. Das Endverbrauchergeschäft lag in Westeuropa und Nordamerika unter den Erwartungen. Neben den höheren Kosten für Marketing und Vertrieb führten gestiegene Rohstoffpreise zu einem Ergebnisrückgang von gut einem Drittel.

Börsen-Zeitung, 14.08.2019, Autor Christoph Ruhkamp, Frankfurt, Nummer 154, Seite 7, 666 Wörter

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