Insolvenzen

BVR erwartet mehr Firmenpleiten für 2023

Eine Normalisierung, aber keine Pleitewelle – so lässt sich die BVR-Insolvenzprognose für 2023 zusammenfassen. Mittelfristig wird ein noch höheres Niveau, wie 2015 zu sehen, erwartet. Auch dies sei „kein Drama“.

BVR erwartet mehr Firmenpleiten für 2023

ba Frankfurt

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) erwartet für dieses Jahr zwar einen kräftigen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen – dabei handele es sich aber nicht um die lange befürchtete Pleitewelle, sondern „vielmehr eine teilweise ,Normalisierung‘ des Insolvenzgeschehens“. Die Zunahme um 12% auf 16300 Fälle „relativiert sich vor dem Hintergrund des aktuell noch historisch niedrigen Insolvenzgeschehens“, erklärte dazu BVR-Präsidentin Marija Kolak. In den Vorjahren hätten verstärkte betriebliche Bestrebungen zur Erhöhung der Eigenkapitalpolster und staatliche Hilfsmaßnahmen wirksam dazu beigetragen, die Insolvenz zahlreicher Unternehmen mit intaktem Ge­schäftsmodell zu verhindern.

Gesunkene Energiepreise und niedrigere Inflation führt der Berufsverband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) als weiteres Argument ins Feld, warum sich die bei vielen Unternehmen angespannte Lage zuletzt etwas erleichtert hat. Der VID-Vorsitzende Christoph Niering erwartet, „dass wir ohne weitere staatliche Subventionen wieder das Insolvenzniveau des Jahres 2019 erreichen werden“. Die starken Sondereffekte aus den staatlichen Unterstützungsprogrammen im Rahmen der Corona- und Energiepreishilfen hätten bereits in den Insolvenzstatistiken des Statistischen Bundesamts (Destatis) für November keine starken Auswirkungen mehr gehabt. Auch er rechnet zwar mit steigenden Insolvenzzahlen, aber keiner Pleitewelle – ebenso, wie es der IWH-Insolvenztrend für die kommenden Monate vorhersagt.

Mittelfristig erwartet der BVR rund 23000 Unternehmensinsolvenzen pro Jahr, was in etwa dem Stand von 2015 entsprechen würde – damals waren es 23101 Fälle. „Wenn sich das Insolvenzgeschehen auf einem solchen Niveau einpendeln würde, wäre dies aus volkswirtschaftlicher Sicht kein Drama“, hieß es beim BVR. Denn Firmenpleiten würden in der Regel auch Neugründungen gegenüberstehen. Bei seiner Prognose geht der BVR davon aus, dass die aktuellen staatlichen Hilfen zur Entlastung von den hohen Energiepreisen und zur Sicherung von Arbeitsplätzen perspektivisch auslaufen werden und dass die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen auf dem derzeitigen hohen Niveau gehalten werden kann.

„Entgegen ersten Befürchtungen hat sich die durchschnittliche Eigenkapitalquote der Unternehmen während der Coronakrise nicht verschlechtert, sondern ist stabil auf hohem Niveau geblieben“, so Kolak. Die aktuelle Jahresabschlussstatistik der Bundesbank weist im Mittel aller Unternehmen für 2020 und 2021 eine gegenüber 2019 kaum veränderte Eigenkapitalquote von rund 31% aus. Für 2022 sei ein anhaltend hoher Wert erkennbar. Der BVR unterstellt auch, dass sich die Konjunktur im Frühjahr belebt, das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr aber voraussichtlich leicht zurückgeht.

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