Löhne und Lebensmittel treiben Teuerung in Deutschland
Teuerung im Zielbereich verankert
Künftig aber kein weiteres Absinken der Inflation in Deutschland zu erwarten
lz Frankfurt
Die deutsche Inflationsrate hält sich weiter knapp über der Zwei-Prozent-Marke und befindet sich damit im Zielraum der Europäischen Zentralbank (EZB). Wie das Statistische Bundesamt meldet, lag sie im August bei 2,2%; im Juni und Juli hatte sie allerdings 2,0% betragen. Es ist der erste Anstieg in diesem Jahr. Ökonomen zeigten sich aber grundsätzlich entspannt, blicken nur etwas nervös auf die hohen Lohnzuwächse. Vor allem die lohnintensiven Dienstleistungen (+3,1%) sowie Lebensmittel (+2,5) hatten die Teuerung in die Höhe getrieben. Demgegenüber wurde Energie um 2,4% erneut billiger als ein Jahr zuvor. Die Kerninflation, auf welche die EZB vor allem schaut, also die Teuerungsrate ohne Nahrungsmittel und Energie, hält sich mit 2,7% zudem weiter recht nahe an der Drei-Prozent-Marke.
Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) für den Währungsraum wird auf 2% angepeilt. Die nach europäischen Standards berechnete deutsche Teuerungsrate befindet sich aktuell mit 2,1% insofern nur knapp über dieser Zielmarke. Die Währungshüter haben wegen des nachlassenden Preisdrucks seit 2024 achtmal ihren Leitzins gesenkt, im Juli aber eine Pause eingelegt. „Für die EZB sind diese Zahlen, zusammen mit der sinkenden Inflationsrate in Frankreich, kein Grund zur Besorgnis“, meint Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank.
Importpreise lassen nach
Gegen einen sich längerfristig deutlich verstärkenden Preisdruck spricht zum einen die eher lahmende Konjunktur, zum anderen auch die nachlassenden Importpreise. Im Jahresvergleich fielen die Einfuhrpreise um 1,4%, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Es ist bereits der vierte Rückgang in Folge. Im Monatsvergleich gingen die Importpreise um 0,4% zurück. Diese Werte fließen dann in der Regel mit einem gewissen Zeitverzug auch in die allgemeine Inflationsrate ein.
Allerdings werden auch die Importpreise durch die niedrigeren Energiepreise beeinflusst. Und weil die Energiekosten bereits im vergangenen Jahr gesunken sind, spielt nun der Basiseffekt eine Rolle: Die Energie als Teuerungsdämpfer dürfte künftig eine immer geringere Rolle spielen. Die bislang veröffentlichten Details zeigen daher in der Gesamtschau, dass datenseitig vorerst mit keinem weiteren spürbaren Rückgang der Inflationsrate zu rechnen ist, wie der Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel, darlegt. Insofern sollte sich die EZB in ihrem Kurs bestätigt sehen, auch im September eine „Pause“ zu machen. Gitzel: „Vermutlich ist die EZB mit ihrem aktuellen Zinsniveau am vorläufigen Tief angelangt".