Fondssparpläne

Zu Recht populär

Nach den ETFs mischt ein weiteres Produktkonzept das Fondsgeschäft auf: der Sparplan. Keine Neuheit stiftet für Privat­anleger einen so hohen Nutzen.

Zu Recht populär

Es gibt nicht viele Sparangebote, die sich in Deutschland ähnlich wie James-Bond-Filmtickets, High Heels, das iPhone oder Elektrofahrräder millionenfach verkaufen lassen: Doch der Fondssparplan hat sich zum Massenprodukt entwickelt, seitdem die Menschen in der Pandemie viel Geld auf ihrem Konto übrig haben und die Aktienkurse gestiegen sind. Allein das Sparkassenhaus DekaBank rangiert auf das Jahr hochgerechnet mit netto neu abgesetzten Verträgen nahe oder sogar über der Millionenmarke, die Rivalin Union Investment hat weniger, aber vermutlich mehr als halb so viele Verträge abgesetzt, die Direkt­banken schraubten die Zahl der ETF-Sparpläne wahrscheinlich um mehr als 1 Million nach oben, und die DWP Bank, die Wertpapierdepots für die Kreditwirtschaft betreut, legte einige Hunderttausend drauf.

Der Fondssparplan ist populär. Im Bestand liegen heute knapp 7 Millionen Sparpläne bei der DekaBank, gut 6 Millionen bei Union Investment, 3 Millionen ETF-Verträge bei den Direktbanken und 1 Million Sparpläne bei der DWP Bank – und auch weitere Finanzadressen bieten Fondssparen auf Raten an. Aus Anlegersicht stiftet kaum eine Innovation in der Wertpapieranlage so viel Nutzen. Privatleute verlieren ihre chronische Distanz zum Aktienmarkt und nehmen automatisch mit langfristig hohen Summen am Börsengeschehen teil – ein Segen in einem Land, dem immer wieder eine mangelnde Aktienkultur nachgesagt wurde. Auch ist an der Börse ein Einstieg in vielen Schritten bekanntlich weniger riskant als die Einmalanlage zu einem bestimmten Zeitpunkt, was im Grunde einer Wette gleichkäme. Die automatische Sparleistung verankert somit ein gesundes Verhalten in der Breite der Bevölkerung. Das Prinzip des Fondssparplans ist für eine erfolgreiche Geldanlage ähnlich bedeutend wie der Zugang zu ETFs, die eine billige Alternative bieten und Preisdruck auf andere Fondssparprodukte ausüben, – auch davon profitieren viele Millionen Menschen.

Doch Lärm wird um diverse Neuheiten im Wertpapiergeschäft gemacht, obwohl der Nutzen unklar ist. Kryptowährungen zum Beispiel haben schon einige Menschen reich gemacht und begeistern bis heute Geeks und libertäre Geister, doch für die Altersvorsorge taugen die digitalen Tulpenzwiebeln nicht. Neobroker wiederum erleichtern den Einstieg am regulären Kapitalmarkt, tragen aber nicht unbedingt zu einem gesunden Sparverhalten bei. Denn während auch sie eine langfristig orientierte Geldanlage ermöglichen, erleichtern sie zugleich auch den Zugang zu spekulativen Instrumenten­ mit hoher Verlustgefahr, etwa zu Optionsscheinen und Knock-out-Zertifikaten. Robo-Advisor wiederum haben die Vermögensverwaltung weiter digitalisiert, keineswegs aber neu erfunden. Es gibt nur wenige Menschen, die ihr Geld einem rein digitalen Vermögensverwalter anvertrauen. Und die nachhaltige Kapitalanlage schließlich sensibilisiert für wesentliche ethische Fragen im Wirtschaftsgeschehen – was wichtig ist –, doch im finanziellen Anlageergebnis ändert sich für die meisten Menschen nicht viel.

Auch die Politik hat den Wert einer regelmäßigen Kapitalanlage erkannt und setzt damit den richtigen Akzent. Die Ampel-Parteien sehen laut Koalitionsvertrag eine Kapital­deckung in der gesetzlichen Rentenversicherung vor, fassen außerdem das Modell eines öffentlich verantworteten Fonds mit Abwahlmöglichkeit als Standardlösung ins Auge und prüfen die Anerkennung privater Anlageprodukte mit höheren Renditechancen als in der Riester-Rente üblich. Die Instrumente sind jeweils verschieden, aber sinnvoll, sofern sie in eine langfristige Kapitalanlage mit hohem Aktienanteil münden. Diese Vorzüge bieten Sparpläne zum Glück bereits heute. Je früher Anleger ihr Geld breit gestreut am Aktienmarkt anlegen, desto­ größer ist das ­Vermögen in den kommenden Jahrzehnten, wenn der demografische Wandel voll durchschlägt.

Da Menschen an ihren Gewohnheiten fest­halten, ebnen Sparpläne auf lange Sicht den Weg für eine breite Teilhabe am Kapitalmarkt. Bereits während des Börsencrashs im März 2020 hat sich gezeigt, dass der Zustrom in Fonds nicht lange abriss und in den Folgemonaten sogar wieder rasch zunahm. Allein bestehende Sparpläne spülen pro Monat einen Milliardenbetrag in Fonds. Das Modell wird die private Geldanlage über verschiedene Marktphasen noch über Jahrzehnte hinweg prägen, so wie lange Zeit die klassische Lebensversicherung und der Bausparvertrag. Im Zeitalter der Nullzinsen ist stattdessen der Fondssparplan gefragt – zu Recht!

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