Energiekonzern

Bei EnBW endet die Ära von Frank Mastiaux

Zehn Jahre lang hat Frank Mastiaux EnBW als Vorstandschef geführt und den Versorger komplett neu ausgerichtet. Im September zieht der 58-Jährige mit unbekanntem Ziel von dannen.

Bei EnBW endet die Ära von Frank Mastiaux

Von Annette Becker, Düsseldorf

Wenn Frank Mastiaux am 30. September von der Vorstandsbühne beim Versorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) abtritt, ist der profunde Branchenkenner mit sich im Reinen. Zehn Jahre lang hat der promovierte Chemiker die EnBW als Vorstandschef geführt – nicht immer das reinste Vergnügen, wie er vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf zu verstehen gibt. Doch der Einsatz hat sich gelohnt. Der Turnaround des angeschlagenen Versorgers, der sich mehr oder minder im Staatsbesitz befindet, ist gelungen. Das 2013 ausgegebene Ergebnisziel wurde bereits 2019 und damit ein Jahr früher als geplant erreicht.

Das war 2012 bei Mastiauxs Antritt in Karlsruhe keineswegs ausgemachte Sache, hatten sich die Rahmenbedingungen doch grundlegend geändert. Der abermals beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie nach dem GAU in Fukushima in Kombination mit dem Zubau erneuerbarer Energien rüttelte an den Grundfesten des seit Jahrzehnten erfolgreichen Geschäftsmodells der etablierten Energiekonzerne. Das Geschäftsmodell hatte über Jahre milliardenschwere Gewinne abgeworfen, aber zugleich Ineffizienzen befördert.

Hier half nur eine Radikalkur, die Mastiaux dem Unternehmen mit seiner reichlich verunsicherten Belegschaft angedeihen ließ. Es galt, schnellstmöglich 80 % des Kerngeschäfts, das überwiegend aus dem Betrieb konventioneller Kraftwerke bestand, durch den Ausbau der Erneuerbaren und steigende Netz­erträge zu ersetzen. Zwischen 2013 und 2016 sei Jahr für Jahr ein Viertel der Erträge in der konventionellen Erzeugung verloren gegangen, veranschaulicht der betont locker auftretende Manager die Misere.

Wenngleich Mastiaux, der von 2007 bis 2012 mit Zuständigkeit für das Geschäft mit Erneuerbaren im Vorstand von Eon saß, den Turnaround als Teamleistung verstanden wissen will, ist auch klar, dass es für die Transformation eines Konzerns mit behördenähnlichen Strukturen eine Führungspersönlichkeit braucht, die in der Lage ist, die inzwischen wieder 26 000 Köpfe zählende Belegschaft mitzunehmen.

Doch Mastiaux ist weder Gutmensch noch Moralist, sondern pragmatischer Realist. Die Aufgaben, die sich ihm stellen, geht er beherzt, aber nüchtern an. Das gilt auch für den politisch angeordneten Atomausstieg, der neuerdings wieder in Frage gestellt wird. Eine persönliche Meinung hat der Manager, der seine be­rufliche Laufbahn in der Ölindus­trie begann, mit Sicherheit, sie öffentlich zu machen, erlaubt er sich jedoch nicht. Vielmehr hält es Mastiaux an dieser Stelle mit seinen Kollegen von RWE und Eon und verweist auf die Politik. Die Entscheidung liege allein bei Bundesregierung und Parlament, müsste für den Weiterbetrieb über den 31. Dezember 2022 hinaus doch das entsprechende Ausstiegsgesetz außer Kraft gesetzt werden.

Natürlich stelle auch EnBW die für den Stresstest erforderlichen Daten zur Verfügung. Solange sich an der Gesetzeslage aber nichts ändere, „unterstellen wir, dass am 31.12. Schluss ist“. Technisch sei der Block II des Kernkraftwerks Neckarwestheim „für ein paar Wochen fortführbar“. Dann aber müssten neue Brennstäbe her, deren Beschaffung üblicherweise 12 bis 18 Monate dauere. „Der Ausstiegsplan ist für den 31. De­zember optimiert, und daran halten wir fest.“

Käme es anders, müssten sich andere mit der Umsetzung beschäftigen, denn Ende September ist für Mastiaux Schluss. Seinen Rückzug hatte der gebürtige Bochumer vor über einem Jahr bekannt gegeben, er will sich neuen Aufgaben widmen. Worin die neue Aufgabe besteht? Dazu hüllt sich Mastiaux in beredtes Schweigen. „Jeder Tag ist so vollgepackt. Ich komme gar nicht dazu nachzudenken, was ich morgen mache“, kokettiert der Manager.

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