Familienunternehmen

Knorr-Bremse trennt sich von CEO Mrosik

Jan Mrosik ist der dritte Vorstandsvorsitzende, der innerhalb von nur drei Jahren das Münchner Unternehmen verlässt. Er scheidet nach einer Aufsichtsratssitzung mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand aus.

Knorr-Bremse trennt sich von CEO Mrosik

Von Joachim Herr, München

Dem Aufsichtsrat von Knorr-Bremse gelingt es nicht, für Stabilität an der Vorstandsspitze zu sorgen. Jan Mrosik (57) ist der dritte Konzernchef, der innerhalb von nur drei Jahren das Münchner Unternehmen verlässt. Er scheide mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand aus, teilte Knorr-Bremse am Freitagnachmittag mit. „Das hat der Aufsichtsrat der Knorr-Bremse in seiner heutigen Sitzung einstimmig beschlossen.“ Diese Formulierung deutet darauf hin, dass Mrosik, der erst seit Januar 2021 im Unternehmen ist, wie seine Vorgänger Klaus Deller (im April 2019) und Bernd Eulitz (im August 2020) eher gehen muss als will. In der Mitteilung heißt es freilich, Mrosik verlasse das Unternehmen im besten Einvernehmen zum 30. April. Intern hat sich die Trennung von Mrosik offenbar seit einiger Zeit abgezeichnet.

Bis ein Nachfolger für Mrosik gefunden ist, übernimmt Finanzvorstand Frank Markus Weber (52) zusätzlich die Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden. Der frühere Daimler-Manager ist seit 2020 im Unternehmen. Weber, der bisher einen Dreijahresvertrag hatte, wurde nun vorzeitig für weitere fünf Jahre bestellt. Klaus Mangold (78), der sich nach der Hauptversammlung im Mai aus dem Aufsichtsrat zurückzieht, bezeichnet die Vertragsverlängerung mit Weber als „wichtige Weichenstellung zur Kontinuität in der Führung des Unternehmens“. Angesichts des Kommens und Gehens an der Spitze klingt das ein wenig nach Satire.

Mangold dankt Mrosik „für seinen Einsatz und sein Engagement“. Dieser habe mit seinen Vorstandskollegen „das Unternehmen sehr gut durch die Coronakrise geführt“. Allerdings hatte Mrosik seinen Einstand verpatzt: Als das Interesse von Knorr-Bremse, Weltmarktführer für Bremsen in Schienen- und Nutzfahrzeugen, am Autozulieferer Hella im Juni 2021 publik wurde, stürzte der Aktienkurs innerhalb weniger Tage um 20% ab. Das kostete mehr als 3,6 Mrd. Euro Marktkapitalisierung. Vertrauen von Investoren in die Akquisitionsstrategie von Knorr-Bremse ging verloren. Die Marktreaktion auf den Versuch, ein drittes Geschäftssegment aufzubauen, sei unterschätzt worden, war aus dem Aufsichtsrat zu hören. Dieser hatte das Prüfen einer Übernahme von Hella unterstützt. Deshalb dürfte dieses Thema Mrosik nicht zum Verhängnis geworden sein.

Thiele suchte Persönlichkeit

Der ehemalige Siemens-Manager hatte vor seiner Berufung zu Knorr-Bremse aber weder im Nutzfahrzeug- noch im Schienenfahrzeugsegment Berufserfahrung gesammelt. Den Nutzfahrzeugexperten und Vorstand Peter Laier, der Konzernchef werden wollte, ließ der Aufsichtsrat zum Ende des vergangenen Jahres ziehen.

Was Mrosik aus Sicht des Aufsichtsrats womöglich fehlte, kommt in dem in der Mitteilung erwähnten Anforderungsprofil zum Ausdruck: Die „schnellen globalen Veränderungsprozesse in der krisenhaften Entwicklung der Weltwirtschaft und die enorme Dynamik der Märkte“ hätten eine besondere Bedeutung.

Heinz Hermann Thiele, bis zu seinem Tod im Februar 2021 Hauptaktionär, hatte im August 2020 in einem Telefonat der Börsen-Zeitung gesagt, der Vorstandschef müsse „eine Persönlichkeit mit guter Ausbildung und wachem Kopf“ sein, jemand, der Richtung und Geschwindigkeit vorgebe. Offenbar erfüllte Mrosik, den Thiele selbst mit ausgewählt hatte, die Erwartungen nicht.

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