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US-Unternehmen trotzen Konjunktursorgen

Chancen mit Technologie- und Konsumwerten - Gespräch mit Mark Stoeckle von BNP Paribas Investment Partners

US-Unternehmen trotzen Konjunktursorgen

Mit unerwartet schlechten Konjunkturindikatoren sind die Konjunktursorgen in den USA wieder aufgeflammt. Hinzu kommen die Unsicherheiten hinsichtlich der europäischen Staatsschuldenkrise und drohender Steuererhöhungen in den USA, die die Wirtschaft belasten können. Dennoch meint Mark Stoeckle, CIO des US Equity Investment Center bei BNP Paribas Investment Partners in Boston, dass sich ein Blick auf den Aktienmarkt lohnt, weil die US-Unternehmen in guter Verfassung seien.la Frankfurt – Nachdem der S & P 500 seit vergangenem Herbst rund sechs Monate lang im Aufwind war, ist vor einigen Wochen die Korrektur eingeläutet worden, die nach Ansicht einiger Experten in einem Bärenmarkt münden könnte. Anlass für die Kehrtwende waren die US-Arbeitsmarktdaten, die schlechter ausfielen als erwartet. Es waren im April überraschend wenig neue Stellen ausgeschrieben worden – die Arbeitslosenquote allerdings verbesserte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 8,1 %. Negativ machte sich dann auch noch der Konjunkturindex der Notenbank von Philadelphia bemerkbar, der unerwartet zurückfiel, und zwar auf den niedrigsten Wert seit zehn Monaten. Dementsprechend nehmen die Sorgen über eine Abschwächung der US-Konjunktur zu.Laut Mark Stoeckle, CIO des US Equity Investment Center bei BNP Paribas Investment Partners in Boston, läuft die US-Konjunktur derzeit aber gut. Die Firmen stünden so gut da wie lange nicht. Die Quartalsergebnisse seien gut gewesen. 70 % der Firmen hätten sogar die Ertragserwartungen übertroffen. Sie ernteten jetzt die Früchte der vor drei Jahren eingeläuteten Verwaltungskosteneinsparungen und der Strategie, Liquidität im Unternehmen zu halten. Hinzu komme, dass die US-Immobilienkrise den Boden erreicht habe und sich der Sektor inzwischen wieder erhole. Zudem wirke sich der niedrigere Ölpreis positiv auf den Konsum aus. Makrodaten überlagernDass sich diese positiven Nachrichten nicht entsprechend an der Börse niederschlagen, liegt Stoeckle zufolge daran, dass die wirtschaftlichen Unsicherheiten alles überlagern. Derzeit sei der 17. Juni, der Tag der Neuwahlen in Griechenland, besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Sollte die linksradikale Partei Syriza gewinnen, würde dies wohl den Austritt Griechenlands aus der Eurozone mit enormen Auswirkungen für Europa bedeuten. Und die USA seien auf ein stabiles Europa angewiesen, betont Stoeckle. Immerhin würden erhebliche Gewinnanteile in Europa generiert.Er wünscht sich aber, dass nach diesem entscheidenden Wahltag endlich mehr Aufmerksamkeit einem heimischen Problem, dem sogenannten Fiscal Cliff, also den – sofern der US-Kongress nicht eingreift – per 1. Januar 2013 anstehenden Budgetkürzungen und Steuererhöhungen, gewidmet wird. Dies ist für ihn das größte Risiko für das amerikanische Wirtschaftswachstum.Das Haushaltsbüro des US-Kongresses schätzt die aus dem Fiscal Cliff resultierenden Belastungen für die Wirtschaft im kommenden Jahr auf 388 Mrd. Dollar; das entspricht 2,5 % des Bruttoinlandsprodukts. Nach Berechnungen von Experten würde dies 1 Prozentpunkt des Wirtschaftswachstums kosten. Da die Unternehmen aber derzeit in guter Verfassung sind, meint Stoeckle, dass die Mehrheit von ihnen dieses Fiscal Cliff ein bis zwei Jahre durchstehen könnte. Damit Investoren wieder in Aktieninvestments zurückkehrten, bedürfe es mehr Sicherheit und langfristiger Perspektiven, so Stoeckle. Ein starkes Augenmerk legen er und sein Team, die den “BNP Paribas L1 Equity US Growth” managen, auf den Technologiesektor mit Unternehmen wie Apple oder Oracle. Die Branche macht 29 % des Fondsvolumens von rund 1 Mrd. Dollar aus. Apple ist das größte Einzelinvestment des Fonds. Das Engagement, das das Fondsmanagement bis vor Kurzem im Vergleich zur Benchmark, dem Russell 1000 Growth, übergewichtet hatte, wurde im April zurückgefahren. “Der Kurs war zu schnell zu hoch gegangen”, erklärte Stoeckle. Allerdings seien die Fundamentaldaten sehr gut, sodass geplant sei, die Aktie bei Gelegenheit erneut überzugewichten.Als weitere interessante Branche bezeichnete Stoeckle den Retailsektor, der seit zweieinhalb Jahren gut laufe und rund 26 % des Fondsvolumens ausmacht. Unter den Top-Ten-Titeln finden sich aus diesem Bereich Philip Morris, Amazon und Coca-Cola. Die Unternehmen dieses Sektors hätten in den vergangenen Jahren die stärksten Einsparungen vorgenommen, seien sehr effizient und würden die Kosten nur sehr langsam wieder hochfahren. Sorgen, dass der Konsum zurückgehen könnte, macht sich Stoeckle nicht. “Die Menschen konsumieren, solange drei Voraussetzungen gegeben sind”, erläuterte er. “Das sind eine sichere Arbeitsstelle, die Aussicht auf zumindest ein Minimum an Gehaltserhöhung und die Sicherheit, ein Zuhause zu haben.” Die derzeitige US-Arbeitslosenquote von rund 8 % hält er für unproblematisch und erwartet nicht, dass sie in absehbarer Zeit steigen wird. Negativ würde sich aber ein schneller Ölpreisanstieg auswirken. Optimistische AnalystenDer Optimismus für US-Aktien ist derzeit unter Analysten recht weit verbreitet: Bei einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter 1 253 Investoren, Analysten und Händlern haben sich mit Blick auf die beste Anlageklasse 39 % der Befragten für Aktien entschieden – US-Aktien werden den Investorenangaben zufolge über die nächsten sechs Monate wahrscheinlicher zulegen als europäische oder asiatische Titel. Für 46 % der Befragten werden die US-Märkte im Verlauf der nächsten zwölf Monate die beste Entwicklung aufweisen, auf Rang 2 kam China mit einem nur halb so hohen Prozentsatz. “Es gibt keine andere Möglichkeit als die USA”, sagt Kenichi Katsuhara, Händler für Kreditausfallversicherungen (CDS) bei Aozora Bank in Tokio, der an der Umfrage teilgenommen hat, laut Bloomberg. “Die Unternehmen in den USA kommen voran”, während die Verbraucher von einem “Rückgang der Rohstoffpreise” profitieren können.