CCP-Stresstest

Clearinghäuser zeigen sich weiterhin robust

Die europäischen Clearinghäuser haben im neuen Stresstest der ESMA erneut weitgehend überzeugt – auch wenn die Analyse die eine oder andere Schwachstelle zutage förderte. Auch die extremen Marktbedingungen nach Kriegsausbruch steckten die CCPs gut weg.

Clearinghäuser zeigen sich weiterhin robust

ahe Brüssel

Europäische Clearinghäuser sind weiterhin widerstandsfähig und in der Lage, schweren Stressszenarien standzuhalten. Dies ergab ein neuer Stresstest der EU-Aufsichtsbehörde ESMA, in den insgesamt 15 zentrale Gegenparteien (Central Counterparties, CCPs) einbezogen wurden, darunter auch zwei britische Häuser, die sich als Tier-2-CCPs qualifizieren. Bei dem Test, der bei ausgewählten Daten aus dem Frühjahr extreme Marktsituationen simulierte, wurde das Kredit- und Konzentrationsrisiko bewertet sowie erstmals auch eine neue operationelle Risikokomponente einbezogen, über die die Folgen von Ausfällen von externen Serviceanbietern geprüft werden sollten.

Das Kreditrisiko in Extremsituationen wurde anhand von zwei Ausfallszenarien getestet, wobei unter anderem ungünstige Marktentwicklungen und Preisschocks in Kombination mit dem Ausfall der beiden CCPs mit den größten Engagements kombiniert wurden. Nach Angaben der ESMA waren die Puffer der Unternehmen aber selbst bei hohen Verlusten ausreichend. Alle CCPs hätten den Test bestanden.

Im Bereich der Konzentrationsrisiken wurden hingegen bei einigen Clearinghäusern Lücken zwischen den notwendigen und verfügbaren Puffern identifiziert, insbesondere auf den Märkten für Warenderivate. Bei den meisten Anlageklassen sei das Risiko konzentrierter Positionen in einem oder zwei CCPs gebündelt, hieß es. Die Analyse ergab aber auch, dass das Konzentrationsrisiko bei den meisten der zentralen Gegenparteien explizit durch spezielle Margin-Aufschläge berücksichtigt wird. Insgesamt seien die Puffer auch hier ausreichend, erklärte die Europäische Marktaufsichtsbehörde.

Nicht nur hier, sondern auch bei den operationellen Risiken zeigte der Stresstest, dass einige CCPs möglicherweise ihre Risikomanagementsysteme noch weiter verstärken müssen sowie die Aufsicht verschärft werden sollte. Beim operationellen Risiko wurden Unterschiede in Bezug auf Risikoquellen, Engagements und Minderungsinstrumente zwischen den CCPs beobachtet und müssten nun auf individueller Basis weiter analysiert werden, hieß es. Da die ESMA diesen Bereich erstmals in ihren Stresstest einbezogen hatte und einige Ergebnisse noch nicht klar zu bewerten sind, wurde auf die Nennung der konkreten CCP-Namen hier verzichtet.

Kriegsfolgen gut verkraftet

Die ESMA verwies lediglich darauf, dass eine Reihe von externen Serviceanbietern das Potenzial hätten, die kritischen Funktionen mehrerer CCPs in korrelierter Weise zu beeinflussen. Hier seien nun weitere Arbeiten erforderlich, um die Risiken genauer zu analysieren.

Die Aufsichtsbehörde verwies im Rahmen ihrer Stresstestergebnisse auch darauf, dass die untersuchten Clearinghäuser trotz erhöhter Marktvolatilität im Gefolge der russischen Invasion in der Ukraine insgesamt widerstandsfähig geblieben seien. Klaus Löber, der den CCP-Aufsichtsausschuss der ESMA leitet, sprach von einem „realen Marktstress“ nach Ausbruch des Krieges auf den Energie- und Rohstoffmärkten. Die CCPs seien aber trotz der extremen Preise und der erhöhten Marktvolatilität während der Krise widerstandsfähig geblieben.

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