Rückversicherer

Munich Re tastet sich heran

Die Munich Re bereitet sich auf die neue IFRS-Rechnungslegung vor. Für das Gewinnziel 2023 fehlen aber noch einordnende Vergleichszahlen.

Munich Re tastet sich heran

sck München – Auf einer Analystenkonferenz anlässlich der Umstellung auf den Rechnungslegungsstandard IFRS 9/17 für die Assekuranz hat Finanzvorstand Christoph Jurecka den Einfluss der neuen Vorschriften auf das jüngst von der Munich Re veröffentlichte Jahresziel 2023 nicht näher erläutert. Ein vergleichbarer Wert für 2022 fehlt.

Am Abend zuvor hatte der Branchenprimus im Rückversicherungszweig nach Xetra-Handelsschluss mitgeteilt, 2023 einen Konzernüberschuss von 4 Mrd. Euro anzupeilen (vgl. BZ vom 15. Dezember). In seiner Ad-hoc-Meldung dazu wies das weiß-blaue Dax-Mitglied darauf hin, dass es zu diesem Ausblick nach bisherigem Stand unter dem neuen Rechnungslegungsregime keine Kon­sensusschätzung von Analysten gebe. Ein Vergleich zum laufenden Jahr ist daher schwierig.

Auf Basis der bisherigen IFRS-Norm rechneten Investoren für 2023 im Schnitt mit einem Zuwachs des Konzerngewinns auf 3,9 Mrd. Euro, für 2024 erwarteten sie 4,1 Mrd. Euro. In diesem Jahr steuert Munich Re 3,3 Mrd. Euro an. Das wäre nach der bisherigen Norm ein Plus von 13 % (vgl. Grafik).

In einem am Donnerstag von den Leitzinsbeschlüssen der Fed und der EZB geprägten Börsenumfeld büßte die Aktie der Munich Re zeitweise 2,2 % auf 300,40 Euro an Wert ein.

Erst zur Bilanzvorlage am 23. Februar will die Führung der Munich Re das Zahlenwerk für 2022 nach dem neuen IFRS-9/17-Standard und der bisher geltenden IFRS-Rechnungs­legungsnorm aufschlüsseln. Am 16. März veröffentlicht der Marktführer seinen Geschäftsbericht für den Konzern und für die AG. Für das erste Quartal 2023 veröffentlicht die Munich Re am 17. Mai erstmals den Zwischenbericht nach den neuen Regeln.

Auf dem von der Bilanzumstellung als Kernthema geprägten Kapitalmarkttag der Munich Re äußerte sich Jurecka positiv über IFRS 9/17. „Eine bessere Vergleichbarkeit und größere Transparenz werden die Finanzkraft von Munich Re auf den Kapitalmärkten noch deutlicher machen“, sagte der CFO vor Analysten. Zu den Auswirkungen der Umstellung äußerte sich bereits zuvor die Allianz (vgl. BZ vom 23. November). IFRS 17 regelt den Ausweis und die Bewertung von Versicherungsverträgen. Das Regelwerk löst den Standard IFRS 4 ab. Der Standard IFRS 9, den Banken bereits eingeführt haben, befasst sich mit der Assetseite der Bilanz.

Combined Ratio geringer

Jurecka zufolge führt IFRS 9/17 tendenziell im Übergang zu einem Anstieg des Ergebnisses, da die ökonomische Ertragskraft besser abgebildet werde. Nachfolgend ergeben sich gemäß seinen Ausführungen folgende Änderungen in der Erfolgsrechnung: Die Position Versicherungsumsatz tritt künftig anstelle der Bruttobeiträge in Kraft. In Bezug auf den Ausblick für 2023 handelt es sich um einen Umsatz von 58 Mrd. Euro, die Bruttobeiträge liegen bei 70 Mrd. Euro. Der Unterschied ergibt sich durch den Ausschluss von Fixprovisionen und Ergebnisanteilen aus nicht eigenständig abgrenzbaren Investmentkomponenten. Infolge der geänderten Kostenmethodik unter IFRS 17 fällt die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) in jedem Geschäftsfeld um 1 bis 2 Prozentpunkte geringer aus.

In Bezug auf die Bilanz steigt der Bestand an Kapitalanlagen infolge der Berücksichtigung nichtbilanzieller Bewertungsrisiken. Unter IFRS 9 sind das rund 240 Mrd. Euro nach bislang 230 Mrd. Euro (IAS 39 ohne Depotverbindlichkeiten). Bei der Umstellung entwickelt sich das Eigenkapital „leicht rückläufig“ wegen Gewinnumschichtungen; die Eigenkapitalrendite steigt.

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