Risikokapital

NRW.Bank will sich besser als Risikokapitalgeber etablieren

Nach dem Wunsch von NRWs Wirtschaftsminister soll das Bundesland der „attraktivste VC-Markt im Herzen Europas“ werden.

NRW.Bank will sich besser als Risikokapitalgeber etablieren

ab Düsseldorf

Mit neuem Marktauftritt und schlankeren Prozessen will die NRW.Bank ihr Engagement im Risikokapitalgeschäft ausbauen. „Wir wollen den Mindset schärfen“, sagte Michael Stölting, Vorstandsmitglied der NRW.Bank, in einem Pressegespräch. Natürlich geht damit auch das Versprechen für mehr Geld einher. Wurden bislang – die Förderbank aus Nordrhein-Westfalen (NRW) ist seit 2005 im Markt für Venture Capital (VC) unterwegs – 250 Mill. Euro über drei VC-Fonds bereitgestellt, soll allein aus der Kasse der Förderbank ein vergleichbarer Betrag in den kommenden fünf, sechs Jahren in die NRW-Start-up-Szene fließen. Hinzu kommen Seed-Finanzierungen, die sich seit 2005 auf 90 Mill. Euro summierten, sowie das Versprechen, die Investments in von Dritten gemanagte Fonds um 50 Mill. auf 150 Mill. Euro aufzustocken. Der vierte VC-Fonds soll Anfang 2022 an den Start gehen.

Die NRW.Bank wolle sicherstellen, dass jede gute Idee die passende Finanzierung erhält, formuliert es Stölting. Die Zielsetzung von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) reicht noch weiter: Nordrhein-Westfalen soll „zum attraktivsten VC-Markt im Herzen Europas“ werden. Die Voraussetzungen bringe NRW als dichtester Wissenschafts- und Forschungsstandort mit, ist der Minister und Aufsichtsratschef der NRW.Bank überzeugt.

Um eine höhere Akzeptanz im Markt zu erreichen, soll im VC-Geschäft vor allem das Bankimage abgestreift werden. Denn aufgrund regulatorischer Vorgaben sei man als Bank im Nachteil gegenüber privaten Kapitalgebern, weiß Stölting. „Weniger Bank, mehr Venture“, bringt Pinkwart den neuen Ansatz auf den Punkt, der seinen Niederschlag auch in der Umbenennung in NRW.Venture findet. Im Zuge der strategischen Neuaufstellung gibt es künftig ein Beratergremium namens Venture Circle, dem sechs externe Experten angehören. Daneben gibt es ein internes „Investitionskomitee Venture“, das die konkreten Investitionsentscheidungen trifft. Zum anderen verschlankt die Bank ihre Prozesse im VC-Geschäft. Beispielsweise soll das Investitionskomitee über Engagements von bis zu 3,5 Mill. Euro allein entscheiden können, ohne zuvor noch einmal eine Abstimmungsrunde mit der Marktfolge durchlaufen zu müssen, wie Stölting erläutert.

Den Erfolg misst die NRW.Bank daran, wie viele Kapitalgeber auf den Zug mitaufspringen, wenn sich die Förderbank des Landes an einer Finanzierungsrunde beteiligt. Im Durchschnitt liege der Hebel beim 4,9-Fachen, sagt Stölting und sein Kollege von der L-Bank assistiert: „Das ist ein sehr starker Wert.“