Ukraine-Krise

Aktienmärkte reagieren mit heftigen Ausschlägen

Die Eskalation Russlands im Ukraine-Konflikt hat heftige Reaktionen an den Börsen nach sich gezogen. Auch die Energiepreise stiegen erneut. Analysten rechnen mit weiteren Schwankungen, solange der Konflikt schwelt.

Aktienmärkte reagieren mit heftigen Ausschlägen

ck Frankfurt

Die Eskalation des Ukraine-Konflikts hat am Dienstag für anhaltend heftige Schwankungen an den Finanzmärkten gesorgt und die Energiepreise erneut steigen lassen. Die Notierung der Ölsorte Brent nahm die Schwelle von 100 Dollar ins Visier. Sie stieg bis auf 99,50 Dollar und lag am frühen Abend mit einem Plus von 1,5% bei 96,81 Dollar.

Die Aktienmärkte reagierten im frühen Geschäft geschockt auf die Anerkennung der ostukrainischen Separatistengebiete durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin, um sich anschließend zu stabilisieren. So brach der Moskauer Index Moex bis auf 2756 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit dem November 2020 ein, um mit einem Plus von 1,6% bei 3085 Punkten zu schließen. Der Dax fiel bis auf 14358 Zähler, was dem niedrigsten Niveau seit dem März 2021 entspricht, und beendete den Handel mit einem Minus von 0,3% bei 14693 Punkten.

Sichere Assets gefragt

Die Marktteilnehmer griffen zunächst nach als sicher geltenden Assets, ehe sich auch diese Bewegung drehte. So sank die laufende Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihe bis auf 0,145%, lag zuletzt aber 4 Stellen über Vortagesniveau bei 0,24%. Der Goldpreis zog bis auf 1914 Dollar an und notierte am frühen Abend mit einem Minus von 0,1% bei 1903 Dollar. Auch der Dollar musste sich im Verlauf etwas zurückziehen. Nach einem Hoch von 96,26 Punkten lag der Dollar-Index, der den Wert des Greenback zu sechs anderen Industrieländerwährungen abbildet, am frühen Abend mit einem Minus von 0,2% bei 95,93 Zählern.

Für die Beruhigung der Märkte sorgten Äußerungen der russischen Regierung, die Hoffnungen auf eine doch noch mögliche Entspannung nährten. Unter anderem erklärte sie, für diplomatische Gespräche offen und daran interessiert zu sein. Marktexperten betonten in ihren Kommentaren allerdings die unsicher bleibende Lage. „An den Kapitalmärkten wird der weitere Eskalationsschritt in der Ukraine-Krise eingepreist, aber sicher noch nicht eine das ganze Land umfassende Invasion“, so am Dienstag Christoph Schmidt, Leiter des Multi-Asset-Total-Return-Team der DWS. So wie die Anerkennung der beiden Separatistengebiete Luhansk und Donezk durch Russland quasi über Nacht zur neuen Gewissheit geworden sei, müssten die weiteren Rückkopplungen wie die Sanktionen des Westens und die russischen Reaktionen darauf weiter beobachtet werden.

Vor dem Hintergrund der somit weiter unübersichtlichen Lage sei es voreilig, den Tiefpunkt an den Märkten bereits auszurufen, für Panik bestehe allerdings genauso wenig Anlass. Schmidt erwartet eine von den Schlagzeilen getriebene, anhaltend erhöhte Volatilität. Drehe sich die Spirale weiter, werde irgendwann jedoch ein Punkt erreicht, an dem die Marktteilnehmer bezweifelten, dass die US-Zentralbank Fed ihre Zinserhöhungen im angekündigten Tempo durchziehen werde. Dies könne für eine gewisse Stabilisierung sorgen. Zudem sei nach der initialen Verunsicherung damit zu rechnen, dass ein Gewöhnungseffekt eintrete und sich die Marktteilnehmer wieder stärker auf andere fundamentale Faktoren fokussierten.

Kurze Auswirkungen

„Noch ist unklar, ob die Entwicklungen vom Montag den Weg zu einer groß angelegten Invasion der Ukraine durch russische Streitkräfte bereiten“, kommentierte Maximilian Kunkel, Chefanlagestratege der UBS in Deutschland, die jüngste Entwicklung. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten schienen nicht bereit zu sein, alle angedrohten Sanktionen zu diesem Zeitpunkt zu verhängen. In der Vergangenheit hätten jedoch militärische Konflikte, wenn überhaupt, nur kurze Auswirkungen auf den weltweiten Aktienmarkt gehabt. „Anleger mit einem breit diversifizierten Portfolio und einem langfristigen Vermögensplan sollten sowohl im Falle einer Eskalation als auch einer Entspannung der Lage gut aufgestellt sein“, so Kunkel. „Vor allem für Anleger, die sich gegen das Risiko einer militärischen Eskalation zumindest teilweise absichern möchten, empfehlen wir weiterhin ein Engagement in Rohstoffen – entweder direkt oder über Aktien.“

Der Ukraine-Konflikt habe schon in den vorigen Wochen zum dominierenden Pessimismus sowie der Korrektur der globalen Aktienmärkte um ca. 10% beigetragen, so Bernd Meyer, Chefanlagestratege und Leiter Multi Asset der Berenberg Bank. „Eine weitere deutliche Korrektur von Risikoanlagen, beispielsweise im Fall einer russischen Invasion, dürfte sich mittelfristig jedoch als Kaufopportunität für Risikoanlagen herausstellen. Denn einerseits rechnen wir nicht mit einem langanhaltenden militärischen Konflikt, falls es dazu kommen sollte.“ Andererseits zeigten auch historische Beispiele, dass Aktienmarktkorrekturen im Rahmen kriegerischer Auseinandersetzungen häufig gute Kaufgelegenheiten geboten haben. Solange der Konflikt schwele, bleibe die Volatilität an den Märkten aber hoch.

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