Dividenden

Bei Ausschüttungen kommt es auf Zuverlässigkeit an

Dividenden machen einen Großteil des Anlageertrages aus. Allerdings kommt es nicht auf die Höhe der Dividendenrendite an. Entscheidend ist die Zuverlässigkeit der Ausschüttungen.

Bei Ausschüttungen kommt es auf Zuverlässigkeit an

Schon im Pandemiejahr 2021 war es nicht einfach für die Anleger, zuverlässige Einkommensquellen zu finden. Die Anleiherenditen sind trotz steigender Inflation hartnäckig niedrig geblieben, während die Aktionäre mit stark variierenden Dividendenausschüttungen leben mussten, weil Länder und Sektoren unterschiedliche Wege zur Erholung eingeschlagen haben. In diesem Jahr werfen zudem die unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen des entsetzlichen Krieges in der Ukraine dunkle Schatten auf die Dividenden. Ein kritischer Blick auf die Auswirkungen auf Unternehmen in den verschiedenen Branchen und Unternehmen bleibt eine wichtige Voraussetzung bei der Dividendenstrategie.

Bild komplett verändert

Auf den ersten Blick schien das Jahr 2022 vielversprechend zu werden: Der Datenanbieter IHS Markit prognostizierte einen weltweiten Dividendenanstieg um 6%. US-Un­ternehmen lagen dabei ganz vorne im Ranking und schienen den Trend mit Meldungen zu immer neuen Rekordeinnahmen zu bestätigen. Auch die starke Performance von renditestarken Sektoren wie Energie, Industrie und Werkstoffe passte ins verhalten optimistische Bild, das sich mit der Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts am 24. Februar komplett verändert hat. Viele Unternehmen zehren noch von ihrer Finanzkraft, doch die Frage lautet: wie lange­ noch? Die Gewinnschätzungen für 2022 waren auch ohne den Krieg im Osten Europas und mögliche neue Coronavirus-Varianten mit Blick auf Inflation, Zinsen, Energiepreise und die unterbrochenen Lieferketten mit Vorsicht zu bewerten. Britische Anleger­ sollten sich beispielsweise laut dem Informationsdienst Link Group Analysen mit der Wahr­scheinlichkeit sinkender Sonderdividenden bereits auf einen Ausschüttungsrückgang um 7% einstellen. Mit dem Schwerpunkt norwegischer Dividendenunternehmen in öl- und schifffahrtslastigen Sektoren war bis zum Auflösen der logistischen Engpässe kurzfristig mit Rückenwind rechnen. Die aktuellen Entwicklungen stellen auch die Dividenden­zahler wieder vor völlig neue Herausforderungen. Übergreifende Prognosen sind nicht nur schwierig, sie können sich sogar als irreführend erweisen.

Absicherungsfunktion

Nicht nur in extremen Situationen wie diesen entscheidet der detaillierte Blick auf die unterschiedlichen Dividendenunternehmen, die in vielen Portfolios gerade in unsicheren Zeiten eine stabilisierende Rolle spielen sollen. Denn auch bei fallenden Aktienkursen wirken sich regelmäßige Ausschüttungen in der Regel als wertvolles Polster aus, das die Volatilität abfedert. Zudem gelten Dividenden als erträglicher Inflationsschutz. Diese Absicherungsfunktion im Portfolio entfaltet sich unserer Erfahrung nach vor allem bei Unternehmen, die über eine starke Preissetzungsmacht in ihrem Segment verfügen und Anteilseigner zuverlässig an ihren Gewinnen teilhaben lassen.

Viele Studien belegen, dass Dividenden mehr als 40% der Gesamtrendite ausmachen. Damit ist der Besitz von stabilen Dividendenzahlern eine bewährte Methode, den Markt zu schlagen. Für Investoren mit einem langen Anlagehorizont zahlen sie sich zusätzlich durch den Zinseszinseffekt aus. Darüber hinaus ist eine tief verwurzelte Dividendenpolitik oft auch ein guter Indikator für die Gesundheit eines Unternehmens, eine starke Corporate Governance und die Bereitschaft des Managements, Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen.

Zuverlässige Dividendenanker zu finden ist leichter gesagt als getan. Es ist zwar einfach, Aktien mit hohen Dividendenrenditen herauszufiltern, aber die Zahl sagt nichts über den Hintergrund der Ausschüttungen. Manche Unternehmen versuchen mit hohen Dividendenrenditen die Gunst der Anleger zurückzugewinnen, oder sie leiden unter stark schwankenden Erträgen, wie etwa bei Rohstoffunternehmen. Eine fokussierte ESG-Orientierung kann das Engagement in den Sektoren mit den höchsten Dividendenerträgen einschränken – oder sie im Falle von Branchen wie Tabak zunehmend ganz ausschließen.

Aristokraten bevorzugt

Als Value-Investoren konzentrieren wir uns auf Unternehmen, die ihre Wettbewerbsvorteile in starke Cashflows umwandeln können, um nicht nur das Kapital der Anleger angemessen zu verzinsen, sondern gleichzeitig auch ein diversifiziertes Unternehmenswachstum zu finanzieren.

Die Zuverlässigkeit der Ausschüttungen ist uns dabei wichtiger als die Rendite. Ein gutes Beispiel ist Nike, deren Rendite unter dem Durchschnitt des Konsumgütersektors liegt, die aber seit 1985 regelmäßig vierteljährlich Dividenden ausschüttet. Trotz der Schließung von Ge­schäften erhöhte Nike die Ausschüttung sogar während der Pandemie und verlängerte die Serie konsequent auf 20 Jahre. Das unterstreicht die Am­bition des Unternehmens, nach 25 Jahren ohne Ausschüttungspause in den erlauchten Kreis der „Dividenden-Aristokraten“ unter den S&P-500-Unternehmen aufzusteigen.

Neben der Konsumgüterindustrie ist das Gesundheitswesen ein weiterer Sektor, der traditionell zuverlässig Dividenden an die Anleger ausschüttet. Das Pharmaunternehmen Abbott Laboratories wird vom Dividendenaristokraten zum Dividendenkönig aufsteigen und sich in die elitäre Riege der 37 US-Aktien einreihen, die seit einem halben Jahrhundert ununterbrochen ihre jährlichen Ausschüttungen erhöht haben.

Geringeres Gewinnwachstum

Für die Verlässlichkeit der Dividendeneinkommen zahlen Investoren jedoch nicht selten den Preis eines geringeren Gewinnwachstums. Der Schlüssel zum Anlageer­folg mit Dividenden begründet sich damit vor allem in Krisenzeiten auf den vorausschauenden Mix verschiedener Ausschüttungsstrategien mit relevanten Erfolgsindikatoren der Unternehmen.

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