Kohlenstoffabscheidung

Chancen durch CO2-Speicherung

Investments im Bereich Kohlenstoffabscheidung haben sich zu einem Thema in der Fondsbranche entwickelt. Experten gehen von einem möglichen Gesamtmarkt von 1 Bill. Dollar aus.

Chancen durch CO2-Speicherung

wbr Frankfurt

Investments im Bereich Kohlenstoffabscheidung ha­ben sich zu einem Thema in der Fondsbranche entwickelt. Bei der Kohlenstoffabscheidung, auch Carbon Capture genannt, geht es darum, CO2 in Kraftwerken und Fabriken aufzufangen und meist unter der Erde zu speichern. Ein weiterer Ansatz ist die direkte Abscheidung aus der Luft (Direct Air Capture, DAC).

Solange die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien noch nicht überall durchführbar sei, böten Investments im Bereich von Kohlenstoffabscheidung Opportunitäten, sagt Dimitry Dayen, Analyst bei Clearbridge Investments, einem Teil von Franklin Templeton: „Eine große Aufgabe bedeutet auch immer eine immense Marktchance.“ Laut der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien sind 20% der zur Erreichung des 1,5-Grad-Sze­narios erforderlichen Emissions­minderungen „in irgendeiner Form mit Kohlenstoffabscheidung verbunden“, so Dayen. Umgerechnet in CO2-Steuer­, die von den Emittenten erhoben wird, um Anreize für Emissionsreduzierungen zu schaffen, könnten sich erhebliche Einnahmen für die künftige Kohlenstoffabscheidungsindustrie ergeben.

Clearbridge rechnet damit, dass CO2-Preise für Steuern deutlich steigen könnten. Unter bestimmten Annahmen würde die Kohlenstoffabscheidungsindustrie einen möglichen Gesamtmarkt von 1 Bill. Dollar erreichen. „Die Skalierbarkeit und der Bedarf an großen Kapitalinvestitionen in diesem Sektor in Verbindung mit den bestehenden Eigenkapitalinvestitionen in die Kohlenstoffabscheidung erklären das Interesse der großen Ölkonzerne und Regierungen an diesem Markt“, sagt Dayen und rechnet mit einem erheblichen Ertragspotenzial. Die Anzahl der Anlagen von derzeit 27 müsste auf Hunderte oder sogar Tausende weltweit anwachsen.

Ölmultis steigen ein

„Auf privater Seite sind die großen Ölkonzerne weltweit führend bei den Investitionen in Kohlenstoffabscheidung“, so Dayen. Die wichtigsten Akteure seien die etablierten Energie- und Rohstoffunternehmen und wenige innovative Start-ups wie Carbon Engineering und Climeworks. Climeworks mit Sitz in der Schweiz ist am Privatmarkt finanziert und hat kürzlich 650 Mill. Dollar eingesammelt. Unter den großen Ölkonzernen sind nach Einschätzung von ClearbridgeExxon, Chevron und Total führend bei der Kohlenstoffabscheidung. In der ESG-Branche sind das nicht unumstrittene Firmen, die zum Beispiel von Finanzwende als Ölmultis mit für den Klimawandel verantwortlich gemacht werden. Andererseits ist Exxon in nachhaltigen Indizes gelistet. Das Unternehmen besitzt derzeit Anlagen zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung in Wyoming und plant eine Einheit in Houston, wo bis 2040 jährlich 100 Mill. Tonnen CO2 gespeichert werden könnten.

Weil mit der Speicherung kein CO2 vermieden werden kann, und angesichts hoher Kosten, ist die Technologie auch unter Experten umstritten. Dennoch erwartet Dayen von Clearbridge, dass sich Kohlenstoffabscheidung zu einer großen globalen Industrie entwickeln werde. Damit bieten sich für Fondsmanager neue Chancen.