Hang Seng im Abwärtssog

Chinas Tech-Aktien fallen in Baisse-Modus zurück

Die beeinträchtigten Gewinnaussichten chinesischer App-Betreiber schicken Hongkongs Tech-Titel auf Talfahrt. Zudem drückt eine Regulierungsoffensive Pekings gegen Essenslieferdienste auf die Stimmung.

Chinas Tech-Aktien fallen in Baisse-Modus zurück

nh Schanghai

Unter dem Eindruck der nicht enden wollenden Pekinger Regulierungskampagne im Internet- und Technologiesektor geraten die Aktien führender chinesischer Tech-Unternehmen wie Alibaba, Tencent und Meituan erneut in einen Abwärtssog, der auch das breite Marktsentiment an der Hongkonger Börse erheblich trübt. Am Dienstag rutschte der Blue-Chip-Index Hang Seng um 2,7% auf 23520 Punkte ab und legte damit den größten Tagesverlust seit fünf Monaten hin. Das 30 Werte umfassende Sektorbarometer Hang Seng Tech Index hat in den vergangenen drei Handelstagen rund 10% verloren und markiert bei 5227 Punkten ein Allzeittief.

Neue Regulierungsoffensive

Im Hongkonger Markt sind es weniger die jüngsten Entwicklungen im Ukraine-Konflikt, die den Anlegern den Risikoappetit verderben, als die beeinträchtigten Gewinnaussichten führender chinesischer App-Betreiber durch beständig neue restriktive Auflagen des Pekinger Behördenapparats. Kürzlich hatte die Regierung bekannt gegeben, dass sie die chinesischen Betreiber von Essenslieferdiensten – einem besonders wachstumsstarken Teil des Geschäfts mit sogenannten On-Demand-Services – zu kräftigen Senkungen der Gebühren zu zwingen gedenkt, die diese den Restaurants und Cafés für die Zustellung ihrer Waren an den Endkunden berechnen. Damit zeigt sich einmal mehr, dass Peking auch weiterhin nicht vor Eingriffen zur Beschränkung der Marktmacht von Internetdienstleistern zurückschreckt.

Die Attacke auf Essenslieferdienste hat vor allem dem chinesischen Marktführer Meituan deutlich zugesetzt, dessen Aktie am Freitag bereits um 15% eingebrochen war und am Dienstag weitere 5% verlor. Insgesamt hat Meituan über die vergangenen drei Handelstage hinweg rund 22% ihres Marktwerts eingebüßt. Auch der chinesische Platzhirsch für Social Media, Gaming und Internetdienste, Tencent, leidet unter der neuen Entwicklung. Tencent ist zwar nicht im Essensliefergeschäft involviert, aber hält eine wesentliche Beteiligung an Meituan und kooperiert in vielfältigen Bereichen mit dem Unternehmen. So hat Tencent als wertvollster chinesischer Tech-Konzern in den vergangenen drei Handelstagen in Hongkong eine Kurskorrektur von rund 7% erlitten.

Alibaba hart gezeichnet

Hart gezeichnet ist auch die Aktie des führenden chinesischen E-Commerce-Anbieters Alibaba, der mit der Tochtergesellschaft Eleme breit bei Essenslieferungen und verwandten Diensten aufgestellt ist. Am Dienstag verloren Alibaba noch einmal gut 3% und haben damit seit Freitag knapp 10% abgegeben. Bei zuletzt 111 HK-Dollar steht die Alibaba-Aktie nun wieder denkbar nahe am Ende Januar erreichten Allzeittief bei 108 HK-Dollar. Nunmehr harren die Anleger mit besonderer Nervosität der Ergebnisvorlage von Alibaba für das Schlussquartal 2021, die am Donnerstag erfolgen soll.

Immobiliensektor belastet

Zur Misere bei Technologiewerten kommen Signale hinzu, dass die Verschuldungskrise bei chinesischen Immobilienentwicklern noch lange nicht ausgestanden ist. Immer mehr zuvor als einigermaßen solide erachtete Bauträger geraten in Schwierigkeiten, ihren laufenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen und ihre Anleihen zu bedienen. Die Probleme im Immobiliensektor lasten auch auf Bankwerten. Am Dienstag büßte die Aktie von HSBC knapp 4% ein, nachdem die in London und Hongkong beheimatete Großbank im Rahmen der Vorlage von Geschäftsergebnissen über Abschreibungen auf notleidende Kredite im chinesischen Immobiliensektor über 450 Mill. Dollar berichtete.

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