Aktienmarkt

US-Aktienstrategen werden skeptischer

Strategen mehrerer führender US-Institute sind für den amerikanischen Aktienmarkt skeptischer geworden. Sorgen bereitet unter anderem das anstehende Tapering der Fed.

US-Aktienstrategen werden skeptischer

Von Christopher Kalbhenn,

Frankfurt

Nachdem sie zunächst von Wachstumssorgen und Unsicherheit vor der Tagung des EZB-Rats belastet worden waren, haben sich die europäischen Aktienmärkte in der zweiten Hälfte der abgelaufenen Woche unter dem Eindruck beruhigender Nachrichten stabilisiert. Die Befürchtungen, die EZB könnte ein Tapering ankündigen, erwiesen sich als unbegründet, am Freitag kam die Nachricht von einem Telefongespräch von US-Präsident Joe Biden mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping hinzu, was Hoffnungen auf eine Entspannung in den Beziehungen beider Länder schürte und der Wall Street etwas Auftrieb gab. Der Dax, der am Donnerstag bis auf ein Wochentief unter 15500 Punkte gesunken, war lag am Freitag zuletzt bei 15610 Zählern. Damit wies er allerdings ein Wochenminus von 1,1% auf, der S&P 500 lag bei 4483 Punkten mit 1,2% im Minus.

Von der Fed getrieben

Die Indizes liegen damit nach wie vor in Sichtweite ihrer Rekordstände. Allerdings macht sich unter US-Strategen­ eine gewisse Unruhe über die weiteren Aussichten des amerikanischen Aktienmarktes breit. Mehrere führende Häuser äußerten sich skeptisch, darunter Morgan Stanley, die den Markt auf „Underweight“ zurückstufte. Nicht zuletzt die bevorstehende Reduzierung der Anleihekäufe der Fed sorgt für Skepsis. Laut der Leiterin der US-Aktienstrategie von Bank of America erklärt die Bilanzausweitung der Fed mehr als die Hälfte der Erträge des amerikanischen Aktienmarktes im zurückliegenden Jahrzehnt. Das Vorhaben der Fed, die geldpolitische Stützung zurückzufahren, bedeute, dass es kein Aufwärtspotenzial mehr gebe. Sie hob zwar ihr Ziel für den S&P 500 von 3800 auf 4250 an, rechnet damit aber mit Kursrückgängen. Möglicherweise werde es jetzt noch nicht zu Ende gehen. „Aber wenn es zu Ende geht, könnte es böse enden“, so die Strategin, die sich auch an einer euphorischen Anlegerstimmung, die den Markt für Schocks anfällig mache, und die Ergebnismargen bedrohenden steigenden Lohn- und Input-Kosten stört.

Morgan Stanley sprach von „out­sized risks“ für das Wachstum bis Oktober. Das US-Institut verwies auf steigende Infektionszahlen durch die Delta-Variante und eine Spannung zwischen erhöhten Inflationserwartungen und niedrigen Anleiherenditen in einer Phase historisch negativer Saisonalität. „Hohe Bewertungen haben die Marktfragilität erhöht“, sagte Christian Müller-Glissmann, für Asset Allocation und Portfoliostrategie zuständiger Managing Director von Goldman Sachs, laut Bloomberg in einem Interview. Komme es zu einer neuen negativen Entwicklung, könne das Wachstumsschocks zur Folge haben, die zu einer rapiden Risikoreduktion führen.