Industrie

Auftragsstau wird nochmals länger

Die deutsche Industrie sitzt auf einem immer höheren Auftragsberg und kann diesen wegen fehlenden Materials nicht abarbeiten. Mittlerweile müsste dafür 8,1 Monate lang produziert werden – ein neuer Rekordwert.

Auftragsstau wird nochmals länger

ba Frankfurt

Die gestörten Lieferketten sorgen für immer dicker werdende Auftragsbücher in der deutschen Industrie. Im April lag der reale (preisbereinigte) Auftragsbestand um 1,0% über dem Niveau des Vormonats. Im Jahresvergleich beträgt das Plus laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) 18,8%. Wie lang der Auftragsstau mittlerweile ist, zeigt die Reichweite: Diese ist seit Juli 2021 stetig gestiegen und markiert im April mit 8,1 (März: 8,0) Monaten ein erneutes Rekordhoch seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2015. Die Reichweite gibt an, wie lange theoretisch bei gleichbleibendem Umsatz ohne Neubestellungen produziert werden müsste, um die bereits vorhandenen Aufträge abzuarbeiten.

„Gestörte Lieferketten infolge des Kriegs in der Ukraine und anhaltender Verwerfungen durch die Coronakrise wie Schließungen von Häfen in China führen nach wie vor zu Problemen beim Abarbeiten der Aufträge“, erklärten die Wiesbadener Statistiker den anhaltenden Nachfrageüberhang mit der Materialknappheit. Laut Ifo-Institut klagten im April 75% der befragten Industrieunternehmen über Engpässe und Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen. Im Mai verschärfte sich das Problem: Der Anteil der Betroffenen kletterte auf 77,2%.

Neben der rigiden Zero-Covid-Politik in China könnte auch die vierte Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt um die Bezahlung der rund 12000 Beschäftigten in deutschen Seehäfen für weiteres Ungemach sorgen. Am heutigen Dienstag soll in Bremen weiterverhandelt werden, nachdem die dritte Gesprächsrunde Mitte Juni abgebrochen worden war. Dieser war der erste Warnstreik seit Jahrzehnten vorangegangen – in den Häfen von Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Wilhelmshaven und Emden ging fast gar nichts mehr. Sollte es diesmal wieder nicht zu einem Durchbruch kommen, schloss Verdi weitere Arbeitskampfmaßnahmen laut dpa-afx nicht aus. Dem Kiel Trade Indicator zufolge stauen sich auch so schon die Containerschiffe in der Nordsee.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.