ZEW-Umfrage

Hoffnungsschimmer für die deutsche Konjunktur

Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind erneut gestiegen und lassen hoffen, dass die deutsche Wirtschaft aus dem Rezessionstal findet. Doch das wäre allenfalls ein zyklischer Reflex, strukturell gibt es keine Fortschritte.

Hoffnungsschimmer für die deutsche Konjunktur

Hoffnungsschimmer für deutsche Konjunktur

ZEW-Finanzmarktumfrage zeichnet ein düsteres Lagebild, signalisiert aber auch ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt

lz Frankfurt

Es ist ein Hoffnungsschimmer im tristen Konjunkturklima Deutschlands: Die ZEW-Konjunkturerwartungen hellen sich erneut auf. Sie liegen im Februar nun bei plus 19,9 Punkte und 4,7 Punkte über dem Wert vom Januar. Dies ist der höchste Stand seit Februar 2023. Analysten hatten im Schnitt allenfalls mit einem Anstieg des Indikators auf 17,3 Punkte gerechnet. Der überraschende Anstieg scheint mit der Hoffnung auf weiter sinkende Inflationsraten und erste Zinssenkungen im Euroraum verbunden zu sein, wie auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) vermutet. Denn fast drei Viertel der Befragten erwarten „baldige Zinssenkungen“.

Da die Erwartungen bestimmte Bedingungen vorwegnehmen, ist ihre Aussagekraft etwas gemindert. Zumal sie auch schlicht vom Wunsch nach Besserung getrieben sein können. Denn die Lageeinschätzung der Befragten hat sich weiter deutlich verschlechtert und liegt jetzt bei minus 81,7 Punkte, weitere 4,4 Punkte schlechter als im Januar.

Talsohle erreicht?

„Die deutsche Wirtschaft steht nicht gut da“, fasst denn auch ZEW-Chef Achim Wambach die Einschätzungen zusammen. Die Lageeinschätzung liegt jetzt auf dem tiefsten Wert seit Juni 2020. Und je düsterer diese ausfällt, desto mehr Befragte rechnen in der Regel damit, dass die Talsohle erreicht sein könnte und es dann eben nur noch in eine Richtung wieder geht: aufwärts, wie Ökonomen darlegen.

Diese Erwartungsblase wird immer größer, zumal das Konjunkturbarometer schon seit August vergangenen Jahres auf Besserungskurs ist. Der im Februar erneut höhere Indexstand markiert immerhin den siebten Anstieg in Folge, stellt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, fest. Zwar notierten die ZEW-Konjunkturerwartungen in absoluter Betrachtung noch verhältnismäßig niedrig, doch sie signalisierten für die deutsche Wirtschaft zumindest keine Rezession mehr, schreibt er.

Kritik an Befragungsstruktur

Die Kritik an der Aussagekraft der ZEW-Indikatoren wegen der Befragung allein von Finanzmarktanalysten lässt er nicht gelten. Die Befürchtung sei, dass das Ergebnis der Befragung stark vom aktuellen Börsengeschehen beeinflusst sei. Doch mittele man die aktuelle Lageeinschätzung und die Konjunkturerwartungen, erweise sich das Barometer als zuverlässiger prognostischer Wert für das zukünftige Wachstum – und als guter Indikator für die Entwicklung des Ifo-Geschäftsklimaindex, meint Gitzel.

Schützenhilfe aus dem Ausland

In den Erwartungswert der Befragten könnte auch eingegangen sein, dass die deutsche Wirtschaft konjunkturelle Schützenhilfe vom Ausland bekommen könnte. Denn die US-Wirtschaft schlage sich besser als erwartet, könnte einer Rezession entkommen, und auch in China habe sich zuletzt die Situation stabilisiert. Möglicherweise, so Gitzel, ziehe in den kommenden Monaten zumindest in begrenztem Umfang die Auslandsnachfrage nach deutschen Industriegütern an.

Skeptischer beurteilte Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, die Lage. Zwar zeige die Befragung „einen Hauch von Leben“, die sich abzeichnenden Leitzinssenkungen scheinen aber wie Doping zu wirken. Die Gesamtsituation bleibe sehr pessimistisch. Vor allem die erneut schlechtere Lagebeurteilung halte die Wirtschaft auf Rezessionskurs. Krüger: „Letztlich ist die Zinshöhe nicht das Übel der Wirtschaftsmisere, sondern schwierige Standortbedingungen. Leitzinssenkungen werden Abwanderungspläne von Unternehmen nicht stoppen.“

Besser sieht es für die Euro-Wirtschaft aus. Die Erwartungen der Finanzmarktexperten an die Konjunkturentwicklung im Währungsraum steigen ebenfalls und liegen mit aktuell plus 25 Punkten um 2,3 Punkte über dem Wert vom Januar. Der Lageindikator legt im Gegensatz zu Deutschland dabei ebenfalls zu, und zwar um 5,9 Punkte auf minus 53,4 Zähler.