Arbeitsmarkt

US-Jobaufbau schwächer, aber Löhne steigen stärker

In den USA sind im Juli weniger Stellen geschaffen worden als erwartet. Die Arbeitslosenquote sank von 3,6% im Juni auf 3,5%. Ökonomen sehen darin aber noch nicht eine zinsbedingte Abkühlung.

US-Jobaufbau schwächer, aber Löhne steigen stärker

In den USA sind im Juli weniger Stellen geschaffen worden als erwartet. Es kamen 187.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft hinzu, wie die Regierung in Washington am Freitag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten einen Zuwachs von 200.000 erwartet. Zudem wurde der Wert für den Jobaufbau im Juni nach unten revidiert – und zwar auf 185.000 von ursprünglich gemeldeten 209.000 Stellen. Die getrennt ermittelte Arbeitslosenquote sank im Juli auf 3,5 von 3,6% im Juni.

Ein Stellenaufbau in der Größenordnung von 70.000 bis 100.000 Jobs pro Monat gilt als ausreichend, um die wachsende Bevölkerung der USA mit Jobs zu versorgen.

Unbestimmte Datenlage für die US-Notenbank

“Der US-Arbeitsmarkt bleibt robust”, urteilt Ulrich Wortberg von der Helaba. Die Abkühlung lasse weiter auf sich warten. Trotz der restriktiven Geldpolitik sei es im Juli zu einem soliden Beschäftigungsaufbau gekommen. Zwar liege das Plus unterhalb der Erwartungen, allerdings sei die Arbeitslosenquote gesunken und die Lohnsteigerungen seien ansehnlich und höher als erwartet. Daher gingen vom Arbeitsmarkt gewisse Inflationsgefahren aus, so dass es die Währungshüter wohl weiterhin vermeiden werden, das Ende des Zinserhöhungszyklus auszurufen.

Auch Bastian Hepperle von Hauck Aufhäuser Lampe schließt sich dieser Ansicht an: “Die Kernaussage zum Beschäftigungsanstieg ist seit einigen Monaten dieselbe: Im Trend schwächer, aber nicht wirklich schwach. Der vom Arbeitsmarkt ausgehende Inflationsdruck lässt deshalb nur langsam nach. Eine Leitzinserhöhung liegt daher weiter in der Luft.”

Eine andere Sichtweise äußert Dirk Chlench von der LBBW. Seiner Meinung nach kristallisiert sich nun am Arbeitsmarkt doch langsam eine Abschwächung heraus, welche angesichts der zurückliegenden Leitzinsanhebungen der US-Notenbank als überfällig anzusehen sei. Daher sei bei den US-Leitzinsen das Ende der Fahnenstange erreicht. Damit im Einklang stehe, dass die Renditen kurz laufender US-Staatsanleihen nach der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichtes gefallen seien.

Auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sieht das ähnlich und damit keinen neuen Handlungszwang für die US-Notenbank, erneut an der Zinsschraube zu drehen. Auch wenn die Teuerung gegenüber dem Vorjahresmonat wieder gestiegen sein sollte, die Inflationsentwicklung im direkten Monatsvergleich dürfte moderat ausfallen, meint er. “Das Urteil der US-Währungshüter dürfte lauten: Am Arbeitsmarkt zeigen sich leichte Risse und gleichzeitig ist kein Teuerungsdruck ablesbar.”

Löhne stärker gestiegen als erwartet

Dem widersprechen aber neue Daten zu den Stundenlöhnen. Danach sind diese im Juli stärker gestiegen als erwartet. Sie erhöhten sich im Monatsvergleich um 0,4%, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Ökonomen hatten im Schnitt einen Anstieg um lediglich 0,3% erwartet. Gegenüber dem Vorjahresmonat legten die Stundenlöhne um 4,4% zu. Auch dieser Anstieg ist wohl stärker als erwartet.

Viele US-Firmen klagen über einen Mangel an Arbeitskräften, weshalb die Löhne schon länger deutlich steigen. Für die US-Notenbank Fed bedeutet das zusätzliche Inflationsrisiken.

Die Notenbank Fed hat die Zinsen seit Anfang 2022 von nahe null auf eine Spanne von 5,25 bis 5,50% gehievt, um die ausufernde Inflation einzudämmen und den Arbeitsmarkt abzukühlen. Ob sie im September nachlegt oder nicht, will sie von der Datenlage abhängig machen. Der Entwicklung am Jobmarkt kommt dabei neben den Inflationszahlen besondere Aufmerksamkeit zu.