Ifo-Umfrage

Prognosen für weltweite Teuerung erneut angehoben

Ökonomen erwarten weltweit eine noch stärkere Teuerung als bisher. Obwohl die Inflationsraten langfristig zurückgehen dürften, bleibe das Niveau hoch. Dies verstärke den Druck auf die Notenbanken, mit Zinserhöhungen nachzulegen.

Prognosen für weltweite Teuerung erneut angehoben

ba Frankfurt

Ökonomen haben ihre Inflationserwartungen für dieses und nächstes Jahr weiter nach oben geschraubt. Laut der Economic Experts Survey (EES), der vierteljährlichen Umfrage des Ifo-Instituts und des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik, ergeben sich beim Blick auf die Voraussagen in den einzelnen Regionen der Welt deutliche Unterschiede. Langfristig gesehen erwarten die 1687 befragten Volkswirte aus 129 Ländern zwar weltweit rückläufige Inflationsraten, aber auf hohem Niveau. Dies erhöht den Druck auf die Notenbanken, die Zinszügel weiter zu straffen. Für die Oktober-Sitzung der Europäischen Zentralbank etwa wird eine Zinserhöhung von 75 Basispunkten erwartet.

Für das Gesamtjahr 2022 sagen die Befragten eine weltweite Inflationsrate von 9,5% voraus. Das sind 1,8 Prozentpunkte mehr als noch im zweiten Quartal, wie Ifo-Forscher Niklas Potrafke betonte – und 6,7 Prozentpunkte mehr als die von der Weltbank angegebene durchschnittliche Inflationsrate im vergangenen Jahrzehnt (2010 bis 2019). Die Prognose für 2023 wurde von 6,2% auf 7,5% angehoben. Für 2026 wird eine weltweite Inflationsrate von 5,0% erwartet – in der vorherigen Umfrage waren es noch 4,5%.

Die Zahlen beziehen sich dabei auf den Median der durchschnittlich erwarteten Inflationsraten auf Länderebene, da sich die Erwartungen regional sehr stark unterscheiden und in vereinzelten Ländern und Regionen drastisch höher sind als im Rest der Welt. In Ostafrika erwarten die Teilnehmenden für 2022 beispielsweise eine durchschnittliche Inflationsrate von knapp 60%. Überdurchschnittlich sind auch die Werte für Nordafrika (47%), Südamerika und Westasien (je 30%), wohingegen die Ökonomen für Westeuropa und Nordamerika von 7,3% und 7,2% ausgehen. Groß sind auch die regionalen Unterschiede innerhalb der Kontinente – in Osteuropa sind die Inflationserwartungen mehr als doppelt so hoch wie in Westeuropa.

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