Wegen Produktivitätswachstum

Ungleichheit zwischen OECD-Ländern nimmt ab

Während die Ungleichheit zwischen den OECD-Ländern sinkt, wächst sie innerhalb der Staaten – aber nicht in Deutschland.

Ungleichheit zwischen OECD-Ländern nimmt ab

Globale Ungleichheit nimmt ab

OECD-Bericht: Regionale Unterschiede wachsen allerdings innerhalb vieler Staaten, aber nicht in Deutschland

mpi Frankfurt

Das Fazit der Industrieländerorganisation OECD zur Entwicklung der Ungleichheiten in den vergangenen 20 Jahren fällt unterschiedlich aus. Während sie zwischen den Industrieländern kontinuierlich sinkt, sieht die Lage innerhalb vieler Staaten anders aus. Dies ist aus gleich mehreren Gründen problematisch.

Die Industrieländerorganisation OECD zieht ein gemischtes Fazit zur Entwicklung der wirtschaftlichen Ungleichheit in den vergangenen 20 Jahren. Während die Ungleichheit zwischen den OECD-Staaten gesunken ist, sind die regionalen Unterschiede in den meisten Staaten gewachsen. Dies teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Montag in Paris mit. „In 15 von 27 OECD-Ländern mit verfügbaren Daten vergrößerte sich die Einkommenslücke zwischen den Regionen, was größtenteils durch schlechtere Verdienstmöglichkeiten für Arbeitnehmer und Unternehmen erklärt wird“, sagte OECD-Generalsekretär Mathias Corman bei der Vorstellung des Berichts.

In Ländern mit steigendem Durchschnittseinkommen oder einem bereits vorhandenen hohen Lebensstandard hat die Ungleichheit laut der OECD-Untersuchung im Allgemeinen zugelegt. Während Staaten mit wenig Wirtschaftswachstum eher abnehmende regionale Unterschiede verzeichneten. Doch es gibt auch Ausnahmen zu den festgestellten Trends. So ist die Ungleichheit in Deutschland, Finnland, den Niederlanden, Norwegen und Neuseeland zuletzt gesunken – allesamt Staaten mit einem hohen Durchschnittseinkommen. In Deutschland sind die regionalen Unterschiede gemessen am realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf im Zeitraum 2010 bis 2019 um 0,2% gesunken im Vergleich zu 2000 bis 2009.

Schlechte Infrastruktur

Insgesamt führt in den OECD-Ländern jedoch ein schlechterer Zugang zu Finanzierungen, schnellem Internet und anderer Infrastruktur sowie Fachkräften dazu, dass die regionalen Unterschiede wachsen. Vor allem zwischen Städten und ländlichen Regionen existiert ein größeres Gefälle. „Bemühungen zur Steigerung der Produktivität in rückständigen Regionen werden von entscheidender Bedeutung sein, um die seit langem bestehende Geografie der Ungleichheiten anzugehen“, heißt es in dem OECD-Bericht. Während unterschiedliche Branchenspezialisierungen einen Teil der Produktivitätsunterschiede zwischen Regionen erklären, spiegeln drei Viertel der Lücke laut OECD Unterschiede in der Produktivität von Unternehmen innerhalb desselben Sektors wider.

Fast 40% der abgelegenen Regionen und 22% der Gebiete im Umfeld einer Stadt sind dem Bericht zufolge in den OECD-Ländern zwischen 2001 und 2021 geschrumpft. Dies reduziert die lokalen öffentlichen Einnahmen und erhöht gleichzeitig den Aufwand für die Aufrechterhaltung öffentlicher Dienste und Infrastruktur.

Kosten werden höher

Die OECD appelliert an ihre Mitgliedsländer, diese regionalen Ungleichheiten zu reduzieren, da sie Kosten verursachten, die „immer schwerer zu ignorieren sind“. Dazu zählt die Industrieländerorganisation wirtschaftliche Kosten, da Regionen unter ihrem Potenzial bleiben und dann nötige Sozialhilfe die Staatskasse belastet, soziale Probleme, die durch die Ungleichheit entstehen und ein sinkendes Vertrauen in staatliche Institutionen in den wirtschaftlich abgehängten Regionen.

Für die Entwicklung der Ungleichheit zwischen den OECD-Ländern fällt das Fazit in dem Bericht hingegen positiv aus. „Hier zeigt sich ein kontinuierlicher Rückgang der Ungleichheit zwischen den Ländern“, schreibt die OECD. Dies liegt daran, dass die Gesamtproduktivität in den Staaten mit einer bislang eher niedrigeren Produktivität in den vergangenen Jahren stärker gewachsen ist als in den wohlhabenderen Volkswirtschaften. So ist der Durchschnitt der Produktivität pro Beschäftigten in den meisten Industrieländern inzwischen recht ähnlich.

Wertberichtigt Seite 2
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