Henkel

Konsequenter Schritt

Henkel hat durch den angekündigten Rückzug aus Russland an Glaubwürdigkeit gewonnen. Der klare Schnitt des Persil-Herstellers dürfte sich langfristig auch ökonomisch auszahlen.

Konsequenter Schritt

Die Henkel-Führung hat sich zu einem klaren Schnitt entschlossen: Der Markenartikler (Persil, Pritt, Fa) und Weltmarktführer für Klebstoffe gibt alle seine Geschäfte in Russland auf. Einen solch konsequenten Schritt haben noch nicht viele Konsumgüterhersteller vollzogen. Konzerne wie Procter & Gamble oder Nestlé haben Investitionen gestoppt und ihre Produktpalette eingeschränkt, doch den vollständigen Rückzug bislang vermieden.

Für Henkel ist es eine durchaus harte Entscheidung. Der Dax-Konzern ist stärker als viele Konkurrenten in Russland aktiv – der Anteil am Konzernumsatz liegt mit knapp 5% vergleichsweise hoch. Die Wettbewerber sind weniger exponiert: Bei Beiersdorf machen die Geschäfte in Russland und der Ukraine zusammen weniger als 3% der Erlöse aus, bei Procter & Gamble sind es keine 2%.

Als Buchwert der Russland-Aktivitäten, die sich bei Henkel auf elf Werke verteilen, errechnet sich nach den Angaben aus der Hauptversammlung eine Zahl in der Größenordnung von 650 Mill. Euro. Es liegt nahe, dass bei der Aufgabe der Geschäfte Wertberichtigungen in substanzieller Höhe drohen.

Diese Rechnung greift für eine umfassende Bewertung der Henkel-Entscheidung jedoch deutlich zu kurz. Der angekündigte klare Schnitt des Persil-Herstellers dürfte trotz der vermutlich harten kurzfristigen finanziellen Konsequenzen die längerfristig richtige Entscheidung sein –sowohl moralisch als auch ökonomisch. Die Reputationsrisiken sind hoch und schwer abzuschätzen, weil bis zum 24. Februar dieses Jahres Unternehmen, Kunden und Gesellschaft sich nicht mit einem Angriffskrieg einer Atommacht mitten in Europa auseinandersetzen mussten.

Der Druck von Öffentlichkeit und Investoren war zuletzt merklich gestiegen und die Kritik lauter geworden. Auf der Hauptversammlung waren die Russland-Geschäfte Hauptthema gewesen – trotz des Ende Januar verkündeten einschneidenden Konzernumbaus, zu dem noch viele Fragen offen sind.

Es geht auch um Glaubwürdigkeit:  Der Rückzug aus Russland ist für einen Konzern, der sich Nachhaltigkeit und ESG so stark auf seine Fahnen geschrieben hat wie Henkel, beinahe unumgänglich. ESG wird heute vielfach unter dem Klimaschutzaspekt gesehen, doch verträgt sich eine konsequente Umsetzung der ESG-Ideen eigentlich mit Geschäften in und mit einem skrupellosen Regime, das vor unserer Haustür das Völkerrecht mit Füßen tritt und Massaker an der Zivilbevölkerung begeht? Eher nicht.

  (Börsen-Zeitung,

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