SAP

Mehr als ein Dominoeffekt

Nun also auch SAP. Nachdem praktisch alle großen amerikanischen Tech-Konzerne in den vergangenen Wochen um­fangreiche Stellenstreichungen angekündigt haben, hat der Dominoeffekt auch Europas größten Softwarehersteller er­reicht.

Mehr als ein Dominoeffekt

Nun also auch SAP. Nachdem praktisch alle großen amerikanischen Tech-Konzerne in den vergangenen Wochen um­fangreiche Stellenstreichungen angekündigt haben, hat der Dominoeffekt auch Europas größten Softwarehersteller er­reicht. Mit Vorlage der vorläufigen Zahlen für das vierte Quartal 2022 ist auch in Walldorf eine Restrukturierung angekündigt worden. Anders als Amazon, Microsoft, Meta oder Cloud-Konkurrent Salesforce greift SAP allerdings nicht zur Sense, sondern zum Skalpell. Während das breit angelegte Sparprogramm 2019 noch auf großzügige Vorruhestandsregelungen aufsetzte, mit denen ältere Mitarbeiter zu einem frühen Abschied bewegt wurden, sollen die insgesamt 3000 Stellen nun gezielt in einigen wenigen Geschäftsbereichen abgebaut werden. Ziel der Operation sei es, SAP stärker auf Kerngeschäftsfelder zu fokussieren, in denen das Unternehmen auf noch stärkeres Wachstum hofft.

Dabei steht vor allem das Geschäft mit Software zum Management von Kundenbe­ziehungen (CRM) im Fokus, in dem SAP größeren Anpassungsbedarf ausmacht. Der Bereich, in dem Salesforce seit Jahren der dominante Anbieter im Markt ist, wurde schon von Kleins Vorgänger Bill McDermott immer wieder neu aufgestellt. Dass hier erneut ein anderer Ansatz verfolgt werden soll, zeugt davon, dass auch der jüngste Versuch nicht gefruchtet hat – zumindest nicht in der Breite. SAP will sich hier auf weniger Branchen fokussieren. Dazu passt, dass ein Verkauf der Beteiligung an dem Customer-Experience-Spezialisten Qualtrics geprüft wird, der selbst auf Wachstum in der Breite zielt.

Klein betont zwar, dass die Zusammenarbeit mit dem US-Start-up­ auch über einen möglichen Verkauf hinaus in unveränderter Form fortgesetzt werde. Aber die angekündigte „Trennung ohne Auswirkungen auf die Zusammenarbeit“ führt unweigerlich zu der Frage, welche strategischen Vorteile aus dem seinerzeit 8 Mrd. Dollar teuren Deal dann überhaupt gezogen werden konnten.

Die Hoffnung, dass die Cus­tomer-Experience-Plattform von Qualtrics in einem Dominoeffekt auch das CRM-Geschäft von SAP in Gang bringen würde, wie es McDermott vorschwebte, hat sich so jedenfalls nicht erfüllt. Schon früh wurde von der Möglichkeit einer tiefen Integration abgesehen, um Qualtrics mehr Eigenständigkeit zu gewähren. Mit dem Börsengang wurde diese vor gut zwei Jahren noch einmal ausgebaut. Ein Verkauf würde Qualtrics endgültig abnabeln. Zumindest finanziell dürfte sich der Deal für SAP gelohnt haben. Auf eine Transaktion, die keinen deutlich positiven Ergebnisbeitrag liefert, würde SAP sich auch nicht einlassen, versichert CFO Luka Mucic.

Einen Abschluss dürfte er­leichtern, dass die Qualtrics-Aktie nach starken Zahlen am Donnerstag kräftig zugelegt hat. Die Bewertung des US-Konzerns ist quasi über Nacht um knapp 2 Mrd. Dollar gestiegen. Die Restrukturierung im CRM-Bereich und ein möglicher Verkauf der Qualtrics-Beteiligung passen daher zeitlich, inhaltlich und finanziell zusammen. Der von Qualtrics erhoffte Dominoeffekt ist ohnehin längst an anderer Stelle zu beobachten. Das Kernprodukt S/4Hana ist auch im Schlussquartal wieder um gut 90% gewachsen.

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