Verwaltungsrat

Glencore erhält auch einen neuen Präsidenten

Keine Woche nach der Stabsübergabe an der operativen Spitze kündigt Glencore auch einen Wechsel im Verwaltungsratspräsidium an. Der 63-jährige Brite Tony Hayward wird das Überwachungsgremium des in der Schweiz domizilierten Rohstoffkonzerns per Ende...

Glencore erhält auch einen neuen Präsidenten

Von Daniel Zulauf, Zürich

Keine Woche nach der Stabsübergabe an der operativen Spitze kündigt Glencore auch einen Wechsel im Verwaltungsratspräsidium an. Der 63-jährige Brite Tony Hayward wird das Überwachungsgremium des in der Schweiz domizilierten Rohstoffkonzerns per Ende Juli verlassen, nachdem er sich auf der Generalversammlung von Ende April noch für eine zweite außerplanmäßige Verlängerung des Mandates bis 2022 hatte wählen lassen.

Haywards Nachfolger wird der aus Indien stammende Kalidas Madhavpeddi, der seit Februar 2020 im Verwaltungsrat von Glencore sitzt. Der 65-Jährige agierte bis 2018 während zehn Jahren als Chef des chinesischen Rohstoffkonzerns China Mo­lybdenum International, der nebst seinen Inlandsaktivitäten auch die chinesischen Interessen auf den internationalen Märkten vertritt. China Moly ist unter anderem in der rohstoffreichen Demokratischen Republik Kongo tätig, die aufgrund der umfangreichen Kobalt- und Kupfervorkommen zu den strategischen Kernmärkten von Glencore gehört.

Haywards Rückzug sei im Rahmen einer Konsultation mit den größten institutionellen Investoren von Glencore nach der letzten Generalversammlung vereinbart worden, heißt es in einer Medienmitteilung des Konzerns. Einige Investoren sprechen Hayward nach dessen langer Amtszeit im Aufsichtsgremium (seit 2011) und dem neunjährigen Präsidium die nötige Unabhängigkeit ab. Allerdings wurde Hayward im April mit mehr als 90% der Stimmen in seinem Amt bestätigt.

Sein Rückzug könnte auch mit den laufenden Untersuchungen verschiedener Justizbehörden (USA, UK, Schweiz) wegen Korruptionsverdachtes in mehreren Ländern (u. a. Kongo) im Zusammenhang stehen. Hayward präsidiert unter anderem den Ethik-Ausschuss im Glencore-Verwaltungsrat. Bis 2010 hatte der Manager an der Spitze des Erdölförderers BP gestanden. Er trug in dieser Rolle die Hauptverantwortung für den Unfall auf der Bohrinsel Deep Water Horizon im mexikanischen Golf, der den Konzern Dutzende von Milliarden Dollar gekostet hatte.

Sein Nachfolger zeigt sich in der Medienmitteilung begeistert von der Chance, bei Glencore just in einer Zeit Verantwortung zu übernehmen, in der es darum gehe, die Welt mit sauberen Arten von Energie zu versorgen. Vorerst bleibt Glencore aber der größte privatwirtschaftliche Kohleförderer weltweit. Eben erst hat der Konzern eine Beteiligung an einer großen kolumbianischen Kohlemine von einem Drittel auf 100% ausgebaut und dabei seine früheren Mitaktionäre Anglo American und BHP ausgekauft, die beide den Kohleausstieg forcieren. Gary Nagle, der per Anfang Juli den langjährigen CEO und Großaktionär Ivan Glasenberg als CEO abgelöst hat, hat in seinen 22 Jahren bei Glencore vor allem das Kohlegeschäft kennengelernt. Auch Glasenberg ist sehr eng mit diesem Bereich verbunden.