Finanzierungsrunde

Gründer denken mit Gastro-Bestellapp groß

Daniel Khachab und die Mitgründer der Gastro-Bestellapp Choco haben mit ihrem Start-up große Pläne. Das hat auch Investoren wie G Squared und Insight Partners überzeugt. Die Bewertung der 2018 gegründeten Firma liegt jetzt oberhalb von 1 Mrd. Dollar.

Gründer denken mit Gastro-Bestellapp groß

Von Stefan Paravicini, Berlin

„Ein Problem, das wir in Deutschland und speziell in Berlin haben: Wir denken einfach zu klein“, sagte Daniel Khachab vor einigen Wochen im Gespräch mit dem Podcast „OMR“ über die deutsche Gründer- und Investorenszene. Ein Vorwurf, den man dem 32-jährigen Mitgründer und CEO von Choco, einer Bestell-Plattform für Gastronomiebetriebe, sicher nicht machen kann. Denn noch in dieser Dekade will Khachab mit der 2018 gegründeten Firma die gesamte Lieferkette für Nahrungsmittel digitalisieren. Das ist auch für Investoren wie die US-Adressen GSquared und Insight Partners groß genug gedacht, die jetzt gut 100 Mill. Euro in die Firma stecken und den Wert des Start-up dabei auf mehr als 1 Mrd. Euro veranschlagen.

Von Rocket zum Start-up

„Choco hat das Potenzial, eines der größten Unternehmen überhaupt zu werden“, sagt Khachab, dessen Familie auch libanesische Wurzeln hat. Aufgewachsen in einem Dorf in Bayern studierte er später in den Niederlanden und startete seine Karriere nach dem Wehrdienst bei der Luftwaffe bei der Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet, in deren Portfolio er schnell zum jüngsten CEO an der Spitze eines Unternehmens aufrückte. Zusammen mit Julian Hammer und Rogério da Silva Yokomizo gründete er im Anschluss eine Plattform, die den Lebensmittelgroßhandel mit der Gastronomie verbinden sollte. Mittlerweile wickeln mehr als 10000 Großhändler und über 15000 Gastronomiebetriebe in den USA, Deutschland, Frankreich, Spanien, Österreich und Belgien gut 100000 Bestellungen pro Monat über Choco ab. Das Bestellvolumen seit der Gründung hat im Februar die Marke von 1 Mrd. Euro übertroffen.

Jetzt hat Khachab mit Choco eine weitere Milliardenschwelle übersprungen und ist in die Riege der sogenannten Einhörner aufgerückt –privat finanzierte Nachwuchsfirmen mit einer Bewertung oberhalb von 1 Mrd. Dollar. Insgesamt hat das Unternehmen nach der 111 Mill. Dollar schweren Series B2 knapp 275 Mill. Dollar eingesammelt. Zu den Investoren gehören neben GSquared und Insight Partners weitere prominente Namen wie Bessemer Ventures, Coatue und Greyhound Capital. Aus Berlin waren die Early-Stage-Investoren Atlantic Labs, Target Global und Visionaries Club früh dabei. Hellofresh-Gründer Dominik Richter ist ebenfalls engagiert.

„Wir sprechen allein in Europa und in den USA von fast einer Million Restaurants und 6 Bill. Dollar Bruttowarenvolumen“, sagt Khachab. Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen die Expansion über die USA und Europa hinaus beschleunigen. „Wir stehen an der Schwelle zum Hyperwachstum“, sagte er OMR zum Jahresanfang.

Um das angepeilte Wachstumstempo stemmen zu können, soll die Zahl der Mitarbeiter bis Ende des Jahres auf 800 etwa verdreifacht werden. Die Führungsmannschaft hat Choco bereits für höhere Aufgaben aufgestellt. Der Chief Technology Officer Vikas Gupta kommt von Dropbox und bringt Erfahrung von Facebook sowie Uber mit. Chief Product Officer Cassandra Bowman verdiente sich ihre Sporen unter anderem beim Streamingdienst Spotify. Chief Design Officer Katharina Birkenbach war zuvor für Facebook und Soundcloud tätig. Elisabeth Brounts, die im September als Chief People Officer berufen wurde, kam vom Berliner Fintech Mambu.

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