Atlantia

Pérez bläst wieder zum Angriff

Der Vorsitzende des spanischen Bauriesen ACS will sich den italienischen Konkurrenten Atlantia einverleiben gegen den Willen der Benetton-Familie, der Haupteigentümer. Florentino Pérez hat in seiner langen Laufbahn oft taktisches und politisches Geschick bewiesen.

Pérez bläst wieder zum Angriff

ths

Florentino Pérez hat in seinem langen Leben schon viele große Schlachten geführt und die meisten für sich entschieden, wenn auch nicht alle. Nun steht der Vorsitzende und Hauptaktionär des spanischen Bau- und Infrastrukturkonzern ACS vor einem harten Bieterkampf um den italienischen Mitbewerber Atlantia. Gemeinsam mit den Finanzinvestoren Global Infrastructure Partner und Brookfield wollen die Spanier Atlantia übernehmen. Doch die Familie Benetton, die 33% der Anteile an dem italienischen Konzern besitzt, lehnt ab und hat sich Blackstone als Unterstützung ins Boot geholt.

Brisant an dem Manöver ist der Umstand, dass ACS und Atlantia geschäftlich verknüpft sind. Beide teilen sich den spanischen Mautstraßenbetreiber Abertis, an dem die Italiener 50% plus eine Aktie besitzen und ACS mit ihrer deutschen Tochter Hochtief den Rest. Atlantia hält zudem 16% der Aktien am Essener Bauunternehmen. Der Bieterkampf wird auch eine politische Note haben, da es sich bei den Autobahnen um strategisch wichtige Aktiva handelt. Pérez kennt diese komplexen Partien, wo man es mit widerspenstigen Aktionären und politischen Faktoren zu tun hat. Der Ingenieur hat durch mehrere geschickte Operationen aus dem kleinen Baubetrieb Construcciones Padrós, bei dem er 1983 eingestiegen war, mit ACS einen der Großen auf dem Weltmarkt gemacht. Der 75-Jährige, der einst im Stadtrat seiner Heimatstadt Madrid saß, pflegt seit jeher beste Kontakte zu Politikern jeglicher Couleur.

Seit zwei Jahrzehnten hilft dem ACS-Chef auch sein Posten als ge­wählter Vorsitzender von Real Madrid, dem erfolgreichsten Fußballclub der Welt. Die Ehrentribüne des Bernabéu-Stadions ist ein Stelldichein von Wirtschaft und Politik. Und wenn Pérez die Mannschaft auf Reisen nach Asien oder Amerika begleitet, wird er meist von hohen Regierungsmitgliedern hofiert, die für Unternehmer seiner Größenordnung in der Regel keine Zeit haben.

Den Widerstand der Benettons zu brechen, dürfte eine harte Nuss werden. Doch Pérez hat seine Hartnäckigkeit und Ausdauer oft bewiesen. So etwa beim Projekt einer Superliga der großen Fußballteams wie sein Real Madrid als Alternative zur Champions League der Uefa. Der Vorstoß von zwölf Clubs vor einem Jahr geriet jedoch zum Fiasko. Mehrere dieser Clubs zogen sich angesichts der wütenden Fan-Proteste und politischer Widerstände vom Projekt zurück. Doch Pérez gibt nicht auf und kämpft weiter für die Superliga, wenn auch zunehmend allein.

Bald wird der Madrilene mehr Zeit für seine ehrenamtliche Tätigkeit im Fußball haben. Auf der Hauptversammlung von ACS am 6. Mai wird der vakante Posten des CEO neu be­setzt mit Juan Santamaría, bislang Chef der australischen Tochter Cimic. Als Executive Chairman be­hält Pérez jedoch das Sagen.

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